Private Altersvorsorge und IDD

„Frauen übernehmen zu wenig Eigenverantwortung bei Finanzen“

Manuela Klüber-Wiedemann, Honorarberaterin und Geschäftsführerin des Unternehmens Ruhestandsplaner-Bodensee, verrät im Gespräch ihren Beratungsansatz und ihre Strategie für eine gelungene Ruhestandsplanung ihrer Kunden.
© Ruhestandsplaner-Bodensee
Manuela Klüber-Wiedemann ist Honorarberaterin und Geschäftsführerin des Unternehmens Ruhestandsplaner-Bodensee.

Pfefferminzia: Wie lautet Ihre Unternehmensphilosophie?

Manuela Klüber-Wiedemann: Meine Philosophie lässt sich recht kurz zusammenfassen. Ich stehe für eine neue Ethik und Transparenz in der Finanzberatung. Ich sitze mit dem Kunden in einem Boot. Wächst sein Depot, verdiene auch ich. Meinen Beruf habe ich gewählt, weil ich unabhängige und kundenorientierte Beratung bieten möchte.

Und wie beraten Sie?

Über eine persönliche, innige und herzliche Beziehung zu meinen Kunden. Ich zeige ihnen ihren Weg für Wertzuwächse. Wobei ich jederzeit offen und direkt über Möglichkeiten spreche. Am Anfang eines Gesprächs stelle ich klar, dass ich die Expertin bin. Allerdings ist es für mich zunächst wichtig zu erfahren, welcher Mensch vor mir sitzt. Wie ist seine familiäre Situation, welche Hobbys pflegt er und vor allem, wie stellt er sich seinen Ruhestand vor? Diese Fragen zu klären und danach die Anlagestrategie auszuwählen, ist mein Weg.

Welche Kundengruppe sprechen Sie an?

Der klassische Kunde, der mich aufsucht, ist männlich, oft Unternehmer, zwischen Mitte 40 und Mitte 50 und verfügt über Kapital, das sich auf dem Konto angesammelt hat. Meist steht zusätzlich die Auszahlung einer Kapitallebensversicherung oder ähnliches vor der Tür. Dieses Vermögen soll nun sinnvoll angelegt werden. Eine selbstgenutzte Immobilie ist bereits vorhanden ebenso wie ein oder zwei Eigentumswohnungen.

Zählen Frauen nicht zu ihrem Kundenstamm?

Eher weniger. In der Vergangenheit stellte ich in Seminaren, die ich eigens für Frauen konzipiert hatte, fest, dass die meisten sich für ihre finanzielle Vorsorge nicht interessieren. Andere Dinge sind ihnen wichtiger. Außerdem sind sie weniger kritisch und wollen das für sie leidige Thema schnell vom Tisch haben. Leider ist auch bei sehr vielen Frauen die Eigenverantwortung nicht besonders ausgeprägt, was dazu führt, dass viele nach wie vor denken, dass ein Mann beziehungsweise eine Heirat ihre Versorgung – auch Altersversorgung – sichert.

Wodurch unterscheiden Sie sich aus Ihrer Sicht am meisten von anderen Finanzberatern und Ruhestandsplanern?

Vor allem ist die Kombination aus Verbraucher-Trainerin, Honorarberaterin und Ruhestandsplanerin mein Alleinstellungsmerkmal. Durch meine Aktivitäten, auch als Expertin für Finanzthemen in diversen Regional-Zeitungen, wird meine Einstellung dazu sehr transparent. Darauf sprechen mich viele Menschen an. Im Gespräch fällt ihnen dann auf, dass meine Ansätze für sie nachvollziehbarer sind als zum Beispiel die Empfehlung ihres Bankberaters.

Welche Strategie verfolgen Sie aktuell in der Nullzinsphase für Ihre Kunden?

Da die Aktienmärkte schon immer mehr Rendite erwirtschaftet haben, mache ich derzeit nichts anders als früher. Wenn mir ein Kunde erzählt, dass er keinerlei Schwankung seiner Einlagen aushalten kann, sage ich ihm, er solle sein Geld lieber im Nachtkästchen oder im Tresor aufbewahren. Da spart er sich die Gebühren. So sind meine Kunden aber nicht. Wenn sie von mir beraten werden wollen, verlassen sie sich auf mein Urteil und meine Herangehensweise. Dazu gehört, dass sie zumindest eine schwankungsarme Vermögensverwaltung tolerieren. Denn ich glaube daran, dass die Märkte funktionieren.

Wie kam es, dass Sie sich als Verbraucherschützerin engagieren und als Trainerin für Verbraucherbildung arbeiten?

Da ich mein Wissen gern weitergebe und schon früh bemerkte, dass viele Menschen bei Finanz- und Versicherungsthemen Nachholbedarf haben, unterrichte ich seit 20 Jahren in der Erwachsenenbildung an der Volkshochschule. Von dort wurde ich als Trainerin vorgeschlagen, als das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz das Programm zur Verbraucherbildung ins Leben rief. Das Ziel ist, Verbraucher durch anbieterunabhängige Informationen zu bilden, und dadurch zu schützen. Ich gehöre zu den wenigen ernannten und zertifizierten Trainern zum Thema Finanzen und Versicherungen.

Wie lange und warum sind Sie als Honorarberaterin tätig?

Seit März 2015 berate ich ausschließlich gegen Honorar. Das entspricht einfach meiner Vorstellung von unabhängiger Beratung.

Wie beurteilen Sie in dem Zusammenhang die Rücknahme des Honorarannahmeverbots im Umsetzungsgesetz zur IDD?

Das ist auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Anderenfalls hätte ich mich gefragt, warum es den freien Beratern so schwer gemacht wird, und ob in Deutschland tatsächlich ausschließlich gebundene Versicherungs- und Bankberater die Vorsorge der Menschen planen sollten. Unter Verbraucherschutzsicht wäre es ebenfalls sehr bedenklich. Auf mich oder meine Kunden hätte aber auch eine andere Entscheidung keine Auswirkungen gehabt.

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Autorin

Manila Klafack war bis März 2024 Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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