Kritik an Solvenz-Untersuchung des BdV

„Kein deutscher Lebensversicherer ist pleite“

Ein Viertel der deutschen Lebensversicherer habe Probleme mit der Solvenz – so lautet ein Ergebnis einer Untersuchung der Solvenzberichte der Versicherer durch den Bund der Versicherten. Der Branchenverband GDV hält nun dagegen. Die Solvenzlage sei nachweislich besser, als in der BdV-Studie dargestellt. Auch die ersten Versicherer melden sich zu Wort – und prüfen rechtliche Schritte.
© picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann
Drei Rentner sitzen auf einer Bank: Der Darstellung des BdV, dass deutsche Lebensversicherer vor der Pleite stünden, widerspricht der Branchenverband GDV nun.

Eine Untersuchung der Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten (BdV) in Zusammenarbeit mit dem Analysehaus Zielke Research Consult kam jüngst zu dem Ergebnis, dass 22 von 84 untersuchten Lebensversicherern entweder eine zu geringe Solvenz oder eine negative Gewinnerwartung hätten (wir berichteten).

„Versicherungsunternehmen müssen das Eigenkapital stärken, ohne wieder in die Taschen der Versicherten zu greifen“, kommentierte BdV-Chef Axel Kleinlein das Ergebnis. „100 Milliarden aus Kundengeldern sind genug, jetzt sind Unternehmen und Aktionäre selber dran.“ Die Unternehmen müssten jetzt eine professionelle und angemessene Kapitalanlage sowie Kalkulation angehen und sich dabei „den Versäumnissen der Vergangenheit stellen“, so Kleinlein weiter.

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Der Branchenverband GDV will diese Kritik nicht auf sich sitzen lassen. „Die Solvenzlage deutscher Lebensversicherer ist nachweislich besser, als vom Bund der Versicherten und von Zielke Consult dargestellt“, heißt es in einer Stellungnahme zum Thema. Der Verband hält auch andere Kernaussagen und die Methodik der Untersuchung in wesentlichen Punkten für „fragwürdig“.

Maßgeblich für die Solvenzsituation seien die gemeldeten Solvenzquoten, die das Verhältnis aus anrechenbaren Eigenmitteln zu Kapitalanforderungen (SCR) ausdrückten. „Alle deutschen Lebensversicherer haben eine Quote über 100 Prozent, kein Unternehmen ist also pleite“, betont der GDV in der Stellungnahme. Die Quoten lägen zum Stichtag 31. Dezember 2019 im Mittel bei 387 Prozent (254 Prozent ohne Übergangsmaßnahmen) und damit weit über dem von der Aufsicht geforderten Niveau.

Kennzahl „Gewinnerwartung“ sei irreführend

Die von den Verbraucherschützern definierte Kennzahl „Gewinnerwartung“ habe kaum Aussagekraft, so der GDV weiter. „Die Bezeichnung ist zudem irreführend, da die Kennzahl keine Aussage zu künftigen Gewinnen der Gesellschaft erlaubt.“ Die zugrunde gelegten EPIFP („Bei künftigen Prämien einkalkulierter Gewinn“) seien eine technische Kennzahl aus Solvency II. Sie gebe an, welcher Teil der in den Modellen ermittelten künftigen Gewinne den künftigen Prämienzahlungen zugeordnet werden könne.

„Der Wert ist bereits in den Eigenmitteln berücksichtigt. Der Unternehmensgewinn und die Überschussbeteiligung für die Versicherten werden auch weiterhin nach der handelsrechtlichen Bilanzierung ermittelt“, schreibt der Verband. Im Branchenmittel würden die Versicherten zu über 95 Prozent an den Kapitalerträgen, Risiko- und Kostengewinnen der Lebensversicherer beteiligt.

Auch R+V Leben wehrt sich

Auch die R+V ist mit der Untersuchung und ihrer Darstellung in der Zeitung „Bild“ nicht zufrieden. „Der Artikel erzeugt mit seiner Darstellung den Eindruck, dass die Gewinnerwartung der R+V Lebensversicherung AG negativ ist und damit Verluste erwartet werden. Diese Darstellung ist völlig falsch“, heißt es auch hier in einer Pressemitteilung. „Vielmehr hat die R+V Lebensversicherung eine positive Gewinnerwartung. Der BdV legt diese positive Gewinnerwartung allerdings negativ aus und kritisiert Ausschüttungen an die Aktionäre. Allerdings berücksichtigt er dabei nicht die Ausschüttungen an die Versicherungsnehmer. Hier liegt die R+V Lebensversicherung AG deutlich über den gesetzlich geforderten Mindestbeteiligungen und sehr gut im Branchendurchschnitt.“

Generell verfüge die R+V Lebensversicherung als Teil der Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken über eine hohe Ertragskraft und könne sämtliche finanziellen Verpflichtungen dauerhaft erfüllen. Die Solvenzquote der R+V Lebensversicherung habe zum 31. Dezember 2019 bei 441 Prozent und damit weit über den als notwendig angesehenen 100 Prozent gelegen.

Bayerische prüft rechtliche Schritte

Die Bayerische kritisiert die Behauptungen der „Pseudo-Studie“ des Bunds der Versicherten ebenfalls. Die Behauptungen des BdV seien unwahr, die Studie interpretiere grob fahrlässig Zahlen und ziehe falsche Schlussfolgerungen. „Durch diese fehlerhafte Studie sehen wir uns absurden Unterstellungen ausgesetzt, die unsere Kunden verunsichern und geschäftsschädigend sein können“, sagt Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen. „Dagegen wehren wir uns entschieden und prüfen rechtliche Schritte.“

Mehrere unabhängige Rating-Agenturen hätten aktuell den operativen Lebensversicherer der Bayerischen, die Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG, auf Herz und Nieren geprüft und Bestnoten erteilt. Die Bayerische Beamten Lebensversicherung habe seit einem Jahrzehnt zusätzliche Sicherungsmittel von einer Milliarde Euro aufgebaut, das Eigenkapital sei im selben Zeitraum überdurchschnittlich um über 150 Prozent gewachsen. Die Solvency-II-Quoten der Gesellschaften lägen weit über 100 Prozent.

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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