Honorarberater Stefan Heringer

„Honorarberatung für den Kunden meist viel günstiger als das Provisionsgeschäft“

Der Honorarberater Stefan Heringer kritisiert die Provisionsberatung scharf und fordert deren Abschaffung nach einer „sinnvollen Übergangsphase“ zugunsten der Honorarberatung – zumal letztere für die Kunden „meist viel günstiger als das Provisionsgeschäft“ sei, wie er an einem Rechenbeispiel verdeutlichen möchte.
© picture alliance/dpa | Silas Stein
Ein Mann sitzt zuhause im Garten und rechnet am Taschenrechner seines Smartphones nach: Honorarberater argumentieren unter anderem, dass eine direkte Vergütung durch den Kunden kostengünstiger sei als eine Provisionsberatung.

Der Münchner Honorarberater Stefan Heringer hat sich in einem Gastbeitrag für den Blog des Ökonomen Hartmut Walz für die Abschaffung der Provisionsberatung in Deutschland ausgesprochen – Titel: „Ist Honorarberatung unsozial? –Provisionsberatung schadet Ihrem Vermögen“. Kernthese des Autors: Die Provisionsberatung berge einen „massiven Interessenkonflikt“ und sei zudem für Kunden meist deutlich teurer als eine Honorarberatung.

Heringer kritisiert in seinem Beitrag vor allem eine Studie der Beratungsgesellschaft KPMG zu den Auswirkungen eines Provisionsverbots mit scharfen Worten: „Die KPMG-Studie ist in mehrfacher Hinsicht manipulativ, fachlich falsch und unglaubwürdig“, schreibt der Honorarberater.

Die Studie kam im November 2021 zu dem Fazit, dass Provisionsberatung „allen Teilen der Bevölkerung einen professionellen Vermögensaufbau und die Teilhabe am Kapitalmarkt“ sichere (wir berichteten). „Ein Wechsel ausschließlich zur Honorarberatung, wie derzeit von einigen Parteien und Verbraucherschützern gefordert, würde hingegen breite Bevölkerungskreise gravierend benachteiligen.“

Heringer macht solche Thesen dafür mitverantwortlich, warum sich die neue Bundesregierung schlussendlich dagegen aussprach „den Unsinn des Provisionsvertriebs einzuschränken oder sogar komplett abzuschaffen“. Die Finanzlobby habe „es mal wieder geschafft!“, ärgert sich der Autor.

„Honorarberatung für den Kunden meist viel günstiger als das Provisionsgeschäft“

Heringer stört sich unter anderem daran, dass die KPMG-Studie behaupte, dass sich eine Honorarberatung wegen der üblichen Stundensätze von 200 Euro nur für Reiche rechne und daher unsozial sei. Hierzu schreibt der Autor: „Selbst wenn wir von dem von der KPMG unterstellten Stundenhonorar von 200 Euro ausgehen, ist Honorarberatung für den Kunden meist viel günstiger als das Provisionsgeschäft.“

Um dies zu untermauern, führt Heringer dieses Rechenbeispiel an: „Eine fondsgebundene Rentenversicherung mit 150 Euro Beitragszahlungen monatlich über 35 Jahre bringt Ihrem Finanzvermittler gut 3.000 Euro Provision.“ (Anmerkung der Redaktion: 3.000 Euro würden einer Abschlussprovision von rund 4,8 Prozent beziehungsweise 48 Promille bezogen auf das im Beispiel eingezahlte Gesamtkapital von 63.000 Euro entsprechen).

Und weiter: „Liebe KPMG, holt mal den Taschenrechner raus: Vier Beratungsstunden à 200 Euro machen nicht mal ein Drittel der Abschlussprovision aus! Und da reden wir noch gar nicht über die horrenden jährlichen Fonds- und Versicherungskosten, die dem Kunden weit größere Schmerzen verursachen.“

Seite 2: Bei Bestandsvergütungen werde die KPMG-Studie „vollends absurd“

Auch die Bestandsprovisionen sind Heringer ein Dorn im Auge – hier werde die Studie „vollends absurd“. So würden die Bestandsvergütungen von KPMG „nicht nur verteidigt, sondern sogar als Vorteil für Verbraucher deklariert, die deren Beratungsqualität verbessern“.

An die Verbraucher gerichtet, schreibt der Honorarberater, der nun richtig in Fahrt kommt, weiter: „Ihr Produktverkäufer bekommt also hinter Ihrem Rücken Schmiergeld: hat dadurch einen massiven Interessenkonflikt, weil vor allem die Produkte vertrieben werden, die möglichst hohe Kickbacks versprechen. Und das generiert natürlich für Verbraucher einen Mehrwert?! Schließlich sei das ja gesetzlich vorgeschrieben… Also darauf muss man erst mal kommen. Da hat doch nicht schon einer vor der Legalisierung von Cannabis … zzz…“

Im Gegensatz dazu sei Honorarberatung „weit mehr als ein faires Gebührenmodell“ meint Heringer. Denn sie löse „den gravierenden Interessenkonflikt zwischen Finanzberater und Mandant auf und macht so objektive Beratung überhaupt möglich. Denn: ,Wer zahlt, schafft an.‘“, schreibt der Autor.

„Der ganze Giftmüll“ würde verschwinden, faselt der Autor

Zumindest einer These aus der KPMG-Studie kann Heringer aber etwas abgewinnen, nämlich: „Ein Provisionsverbot würde zu einer drastischen Reduktion bei den angebotenen Finanzprodukten führen.“ Hier wird der Autor noch einmal deutlich und greift zu drastischen Worten – als ginge es nicht um Produkte zur Altersvorsorge, sondern um, sagen wir, radioaktive Abfälle:

„Richtig! Natürlich! Und: Gott sei Dank! Ein Berater auf Honorarbasis hat ja auch kein Interesse, Ihnen überteuerte Produkte unterzujubeln. Der ganze Giftmüll, der nur dazu dient, die Verkaufsvertriebe der Finanzbranche zu füttern, verschwindet ‒ und das ist auch gut so!“

Anders als die KPMG-Studie suggeriere, fährt Heringer in nunmehr gemäßigtem Ton fort, wäre es „selbstverständlich möglich, Provisionen in der Anlageberatung und bei Versicherungen ohne Schaden für die Verbraucher abzuschaffen“.

Mit einer „sinnvollen Übergangsphase“ umgesetzt, würde sich in kürzester Zeit die Beratungsqualität gegenüber dem Status quo verbessern, findet der Autor – um sodann noch einmal zu einem verbalen Tiefschlag gegen Versicherungs- und Finanzvermittler auszuholen: „Wenn ich die heutige ,Beratungslandschaft‘ vor Augen habe, ist eine Verschlechterung ja ohnehin kaum möglich.“

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Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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2 Antworten

  1. Interessant das bei allen Vergleichen, Grafiken- Honorarberatung kostenfrei dargestellt wird. Absicht? Wer vernünftig berät, eine umfassende Bestandsaufnahme als Voraussetzung, mögliche Lösungen-mit völlig neuen Begriffen gründlich erklärt und dann noch das attraktivste Angebot erstellt wird sicher mindestens € 1000,00 für die Erstberatung berechnen müssen. Gerade die Erstbeiträge sind, hohe Rendite vorausgesetzt, wichtig wegen des Zinseszinseffektes. Zillmerung als NEGATIV zu bezeichnen, beweist nur völlige Ahnungslosigkeit Bei allen Verträgen unter € 100,00 ist es sehr unwahrscheinlich einen Vorteil zu erzielen, danach auch sehr selten. Die EIOPA bezeichnet die Provisionen als unwesentlich. Nach 10 Jahre Dauerwerbung der Verbraucherschützer und den Medien ist die armselige Zahl von 300 Beratern der beste Beweis, dass der Markt Honorarberater nicht akzeptiert. Viele H- Berater fahren zweigleisig und beziehen auch noch Provisionen. Ich wette das ich das Beste Angebot jedes Honorarberaters verdoppeln kann. Nur Makler haften unbegrenzt für das BESTE Angebot des Marktes!!! MEHR GEHT NICHT. Bei Umsetzung meiner Jahrhundertidee wird nach der Alleinstellung der gesamte Markt profitieren. Entscheidend ist aber das erstmals fast alle Bürger gute Versorgung bis ans Lebensende finanzieren können. Höchste Zeit, bevor die HÄLFTE der Bürger verarmt…

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