Frank Schäffler: Nein, da hat er sich geirrt. Die FDP hat den Provisionsdeckel verhindert. Es gab natürlich Bestrebungen in den Koalitionsverhandlungen, einen Provisionsdeckel einzuführen, aber es war die FDP, die ihn dann am Ende verhindert hat – und wir werden ihn auch weiter verhindern. Wir halten das für kein geeignetes Instrument, um die Altersvorsorge zu stärken, sondern ganz im Gegenteil: Die Menschen müssen fürs Alter vorsorgen – und dafür muss es auch Unternehmen und auch Finanzdienstleister geben, die damit Geld verdienen. Das ist für uns nichts Böses, sondern das gehört zu unserem marktwirtschaftlichen System.
So weit würde ich nicht gehen, aber Herr Grund ist da sicherlich etwas übers Ziel hinausgeschossen. Die Bafin hat ja Eingriffsmöglichkeiten über den Paragrafen 48 a des Versicherungsaufsichtsgesetzes, wo sie individuell einschreiten kann, wenn die Pflicht einer bestmöglichen Beratung mit der Provision kollidiert – das ist aber ein individuelles Eingriffsrecht. Es darf aus unserer Sicht nicht verallgemeinert werden. Und das hat das Bundesfinanzministerium – als die Rechts- und die Fachaufsicht der Bafin – auch erklärt. Und insofern hat mein Kollege Maximilian Mordhorst sehr recht, indem er sagt: Das entscheidet nicht die Bafin, sondern das entscheidet der Gesetzgeber – und das Bundesfinanzministerium natürlich.
Nein, das kann man nicht sagen. Was die Bafin vielfach versucht, ist untergesetzlich Regelungen zu schaffen. Und was ihr nach dem Paragrafen 48 a möglich ist, ist individuell einzugreifen – also wenn sie erkennt: Bei einem Unternehmen oder bei einem Finanzdienstleister wird der Grundsatz der bestmöglichen Beratung verletzt und die falschen Anreize durch das Vergütungssystem übertrieben. Dann kann sie eingreifen, aber sie kann nicht Vorgaben machen, was Provisionshöhen betrifft – und da hat das Bundesfinanzministerium auch entsprechend eine Klarstellung abgegeben.
Ich weiß nicht, ob ich ein glühender Verfechter der Riester-Rente war, da habe ich mich jetzt so nicht in Erinnerung. Ich halte eine Altersvorsorge und auch eine geförderte Altersvorsorge für notwendig und richtig. Die Riester-Rente ist aus meiner Sicht in vielen Bereichen zu kompliziert, man hat viele sozialpolitische Dinge hineinprojiziert – und das macht sie kompliziert und auch teuer. Und deshalb muss man – das haben wir schon in Oppositionszeiten gesagt – die Riester–Rente entschlacken und vereinfachen, indem man sie in ein Altersvorsorgekonto überführt, wo es keine Verrentungspflicht, wo es keine Beitragsgarantie mehr gibt. Diese ganzen Restriktionen waren in der Negativzins-Zeit schon hinderlich. Wenn jetzt eine leichte Zinswende kommt, würde ich mir im Übrigen nicht zu große Hoffnungen machen, was die Zinsentwicklung nach oben betrifft.
Im Kern erleben wir jetzt eine Inflationsphase, die auch durch die Verzinsung an den Kapitalmärkten nicht aufgefangen werden kann. Das Ziel ist nach meiner Auffassung, dass man eine Teilentschuldung durch Inflation bewirken will – insofern ist Altersversorgung generell notwendig, denn ansonsten verliert man ja real an Vermögenswerten. Die Riester-Rente muss also entschlackt werden und muss vereinfacht werden – und muss vor allem von ihren Restriktionen befreit werden. Und da haben wir im Koalitionsvertrag auch einen Auftrag formuliert, dass wir das machen wollen – und ich gehe davon aus, dass das auch geschehen wird.
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