Die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge erreichen in den kommenden Jahren das gesetzliche Renteneintrittsalter. Zu dieser Generation gehören etwa 19,5 Millionen Personen. Das hat der Zensus 2022 ermittelt. Mit diesen Zahlen hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln eine Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2040 erstellt. In Deutschland werden laut der Analyse bis 2040 etwa 85 Millionen Einwohner leben. Das Arbeitskräftepotenzial nimmt im selben Zeitraum allerdings um fast 3 Millionen Personen ab. Dieses Dilemma und mögliche Lösungen beschreiben Philipp Deschermeier und Holger Schäfer, beide Senior-Ökonomen beim IW Köln, im aktuellen IW-Kurzbericht.
Den 19,5 Millionen Babyboomern aus dem Jahr 2022, die bis 2036 vollständig das Renteneintrittsalter erreicht haben oder gestorben sind, steht ein Zugang junger Personen von nur etwa 12,5 Millionen gegenüber. Da das Arbeitskräftepotenzial durch die Babyboomer in Rente stark sinkt, muss Deutschland entweder mehr ausländische Zuwanderer gewinnen oder das bestehende Potenzial an Arbeitskräften besser ausschöpfen.
Gelingt das nicht, drohen Wohlstandsverluste. Sie begrenzen nicht nur die Konsummöglichkeiten der Erwerbstätigen, sondern auch den Umfang der Leistungen, der zum Beispiel für soziale Zwecke zur Verfügung steht. Somit drohen verschärfte Verteilungskonflikte – nicht zuletzt, weil der Anteil der nicht arbeitenden Bevölkerung deutlich zunimmt. So lautet das Fazit der IW-Köln-Experten.
Der Gesetzgeber hat zwar dafür gesorgt, dass mehr Fachkräfte nach Deutschland zuwandern unter anderem durch Erleichterungen im Aufenthaltsrecht. Viele Abläufe klappen aber noch nicht reibungslos.
Weitgehend ungeklärt ist die Frage, wer dafür verantwortlich ist, Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sind damit überfordert. Hinzu kommt, dass traditionelle osteuropäische Herkunftsländer, aus denen Fachkräfte nach Deutschland zuwandern, selbst niedrige Geburtenraten aufweisen und der Wohlstandsunterschied und damit der Migrationsanreiz zunehmend abnimmt.
Maßnahmen, die darauf abzielen, das vorhandene Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen, können aus Sicht der Autoren darauf abzielen, für eine höhere Erwerbsbeteiligung oder eine höhere Arbeitszeit von Erwerbstätigen zu sorgen. In ein ähnliches Horn bläst Allianz-Chef Oliver Bäte in diesem Artikel.
Ein internationaler Vergleich zeigt, dass es in Deutschland möglich wäre, die Arbeitszeit zu verlängern. Der Knackpunkt dabei: Die Erwerbsbeteiligung ist laut Schäfer bereits überdurchschnittlich hoch. Es erscheint aus Sicht des Befragten daher fraglich, ob es gelingen kann, mehr Arbeitsstunden durch längere Arbeitszeiten von Erwerbstätigen zu erreichen.
Die anstehende Welle de geburtenstarken Jahrgänge, die in Rente gehen, wird zu Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen. Die Folgen davon werden Gesellschaft und Politik aus Sicht der IW-Experten möglicherweise nur schwer beherrschen können. Umso wichtiger ist es aus Sicht der Experten, dass die Politik klare Prioritäten setzt. Jedes geltende und jedes neue Gesetz sollten Politiker daher auf mögliche negative Auswirkungen auf das Arbeitskräfteangebot überprüfen.
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