Altersvorsorge-Konzepte

Warum an der Fondspolice kein Weg mehr vorbei führt

Die Fondspolicen der neuen Generation zeigen sich stark verbessert bei Kosten, Transparenz und Flexibilität. Gegenüber Fondssparplänen weisen sie deutliche Vorteile auf. Hier kommen die Hintergründe.
© IVFP
Michael Hauer ist Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP).

Die Zeiten des risikolosen Zinses sind lange vorbei. Konnten Sparer in früheren Dekaden bequem auf die klassischen Produkte der Assekuranz setzen, müssen sie sich heutzutage umorientieren, wenn sie für ihr Alter ausreichend vorsorgen möchten. „Klassische Lebens- und Rentenversicherungen haben bei längeren Laufzeiten ab zehn Jahren keine Berechtigung mehr in der Altersvorsorge“, sagt Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP).

Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen liegen derzeit bei 0,01 Prozent, die 30-jährige Variante bei 0,4 Prozent. „Selbst bei einer Verdopplung wäre das immer noch lächerlich. Auf den sicherheitsorientierten Märkten bei den Anleihen sehen wir mittel- und langfristig keine Renditechance“, so Hauer, der auch eine Professur für Finanzmärkte und Financial Planning an der technischen Hochschule Amberg-Weiden inne hat.

Fondspolice vs. Fondssparplan

Konsequenterweise müssen Sparer daher über Alternativen nachdenken. Die Fondspolice steht dabei im Zentrum vieler innovativer Konzepte für die private Altersvorsorge. Der Vorteil: In der Ansparphase ist das Produkt von der Abgeltungssteuer befreit. Sobald man länger als zwölf bis 15 Jahre spart, lohnt sich dies. „Unsere Berechnungen zeigen, dass ab diesem Zeitpunkt der Vorteil durch die Abgeltungssteuerfreiheit größer ist als die Kosten, die die Fondspolice verursacht“, erklärt Hauer.

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Seine Kernthese: Ab einer Laufzeit von zwölf Jahren ist die Fondspolice effizienter für die Altersversorgung als ein Direktinvestment in Fonds – insbesondere dann, wenn man mindestens zwei Fondswechsel unterstellt. Denn: Werden die Fonds gewechselt, bezahlt man anders als bei einem Direktinvestment kein Agio und keine Abgeltungsteuer auf den Veräußerungserlös. Umgekehrt betrachtet sind Fondssparpläne für kürzere Laufzeiten die bessere Variante, wenn man auf den Wechsel der Fonds weitgehend verzichtet. In diesem Fall empfehlen sich Mischfonds oder konservative Fonds.

„Die Rendite hängt in erster Linie von der Auswahl der Fonds ab und weniger von der Produktgattung. Bei langen Laufzeiten ist es auf jeden Fall sinnvoll, in Aktienfonds zu gehen, sie bieten die größten Renditechancen“, bekräftigt der IVFP-Geschäftsführer. Kunden, die die Fondseinlage ihrer Police nicht regelmäßig kontrollieren möchten, können zudem auf gemanagte Anlagestrategie setzen.

Risikoprofil muss passen

Wichtig ist in jedem Fall, dass die Fondsauswahl zum Anleger und seinem Risikoprofil passt. „Wer mit einer chancenreichen Aktienstrategie nicht schlafen kann, muss auf ausgewogenere Konzepte setzen“, so Hauer. Dann mit weniger Risiko – aber auch mit weniger Renditechance. Hier sind die Berater gefragt, die nach Ansicht des Experten über alle Optionen ausreichend aufklären sollten. Ansonsten können frühzeitige Kündigungen der Policen die Folge sein.

„Man muss die Kosten von Sicherheit plakativ darstellen. Wenn die Sicherheit die Hälfte der Rendite kostet, denken womöglich manche Kunden um. Insbesondere bei langen Laufzeiten“, so Hauer. Den Anlegerwünschen entgegen kommt zudem die neue Generation der Fondspolicen mit viel Flexibilität. Kunden können Beiträge stunden, reduzieren oder über Einmalzahlungen erhöhen. In der Regel ist dies problem- und kostenlos möglich.

ETFs können nicht alles

Den starken Trend im Markt zu Exchange Traded Funds (ETF) sieht Hauer kritisch und rät dazu, nicht allein aus Kostengründen ausschließlich auf ETFs zu setzen. „Beim Preis-Leistungs-Verhältnis muss der ETF nicht unbedingt besser sein als ein gemanagter Fonds“, so Hauer. Es gibt zudem auch Anlagestrategien, die ein ETF nicht abbilden kann. Dazu gehören etwa Dividendenfonds oder Anlagen in ineffiziente Märkte wie Schwellenländer, wo die Einzeltitelauswahl und die Expertise des Fondsmanagers sich besonders stark auswirken kann.

Ein Mix aus ETF und gemanagten Fonds sei daher laut Hauer oft die bessere Wahl für die Altersvorsorge. Die Frage sei stets: Ist der Fondsmanager sein Geld wert? „Studien sagen, nur 20 Prozent der Fondsmanager schlagen ihren Index. Ein Fondsmanager muss das aber nicht jedes Jahr schaffen, es genügt, wenn er langfristig besser steht als der Index“, so Hauer.

Basisrente mit Steuervorteil

Einen besonderen Clou bietet die Fondspolice, wenn sie in Form einer Basisrente abgeschlossen wird: einen attraktiven Steuervorteil. So können in diesem Jahr 88 Prozent des Beitrags steuerlich abgesetzt werden. Bei 10.000 Euro Investment lassen sich demnach 8.800 Euro absetzen.

„Beim Spitzensteuersatz von 46 Prozent (inkl. Soli und KiSt), erhalten Sie dann rund 4.000 Euro zurück. Mit 6.000 Euro Beitrag kann man so zwischen 9.000 bis 9.500 Euro (10.000 Euro minus Abschluss- und Verwaltungskosten) in Wertpapiere investieren“, rechnet Hauer vor und erklärt diesen Ansatz zur derzeit einzigen staatlich geförderten Wertpapierinvestition. An der Fondspolice führt somit heutzutage in der Altersvorsorge kein Weg mehr vorbei.

Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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