Der Zuschuss des Bundes zur Rentenversicherung übersteigt in diesem Jahr die 100-Milliarden-Euro-Marke. In wenigen Jahren werden zwei Beitragszahler einen Rentner finanzieren müssen. Die demografische Entwicklung in Deutschland hat das Blümsche Mantra „Die Rente ist sicher“ nachhaltig erschüttert. Wie kann man einer drohenden Rentenlücke für die nächste Generation von Rentnern, den sogenannten Boomern, entgehen? Die Politik hat als eine mögliche Lösung die Einbeziehung von Aktien in der gesetzlichen Rente vorgeschlagen.
Eine zukunftsfähige Lösung zur Finanzierung des Rentensystems liegt zweifelsohne in Aktien, da diese eine der wenigen Anlageklassen mit einem echten effektiven Inflationsschutz darstellt. So lassen sich in der anhaltenden Phase niedriger und zum Teil negativer Zinsen auskömmliche Renditen fast nur noch mit Aktien erzielen. Die durchschnittliche Aktienrendite des Dax für den Zeitraum 1980 bis Ende 2020 liegt bei über 8 Prozent. Ein Wert, der für viele alternative Sparprodukte nahezu unerreichbar ist. Eine internationale Betrachtung der Aktienindizes kommt auch für längere Zeiträume auf durchschnittliche Aktienrenditen von 6 bis 9 Prozent. Aus diesem Grund könnten Aktien für das Modell der kapitalgedeckten Altersvorsorge zum entscheidenden Puzzleteil in Deutschland werden.
SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP diskutieren im Zuge der aktuell stattfindenden Koalitionsgespräche die wohl umfassendsten Reformen des deutschen Altersvorsorgesystems seit der Agenda 2010. Die FDP hat als Vorschlag die Aktienrente im Gepäck: Die Partei möchte demnach einen noch zu bemessenden Grundstock der gesamten Beitragsleistungen in Aktien investieren.
Teilweise Kapitaldeckung zur Entlastung des Umlagesystems
Ein solches teilweise kapitalgedecktes System könnte nach Ansicht der Liberalen mittelfristig zu einer Entlastung der Umlagefinanzierung führen und damit eine wichtige Rolle zur langfristigen Sicherung des Rentenniveaus leisten. Aus diesem Grund schlagen sie vor, das Rentensystem künftig um eine Aktienrente zu ergänzen und die Altersvorsorge somit auf zwei Säulen zu stellen.
Bündnis 90/Die Grünen dagegen plädieren für einen Bürgerfonds, der zwar ebenfalls auf Wertpapieren aufbaut, aber außerhalb der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte quasi als Standardprodukt zur privaten Altersvorsorge dienen soll. Damit könnte eine Alternative zur Riester-Rente geschaffen werden, die sich im Nachhinein als zu teuer und nicht effektiv erwiesen hat. Ähnlich wie in einigen skandinavischen Ländern sollen die Gelder der privaten und betrieblichen Altersversorgung durch einen öffentlich-rechtlichen Fonds gesammelt und verwaltet werden.
Schweden und Norwegen machen es vor
Wie ein Turnaround in der Altersvorsorge gelingen kann, zeigen Länder wie Schweden und Norwegen eindrucksvoll. Sie verfügen bereits über erfolgreiche kapitalgedeckte Vorsorgemodelle und sind Deutschland damit schon jetzt um Jahre voraus. Dabei ist eines sicher: Je früher in Deutschland die Einführung einer aktienbasierten gesetzlichen Rente beschlossen und umgesetzt würde, desto früher könnte sie als entscheidender Baustein zum langfristigen Kapitalaufbau und damit zur Schließung der Rentenlücke der nachkommenden Generationen beitragen.
Die Deutschen jedenfalls sind bereit für eine Modernisierung des Altersvorsorgesystems, das zeigt eine vom Marktforscher Forsa im Auftrag der Initiative Minderheitsaktionäre durchgeführte repräsentative Umfrage zur Altersvorsorge und Aktienrente. Über die Hälfte der Befragten (58 Prozent) befürwortet den Vorschlag der Einführung einer Aktienrente als Bestandteil der gesetzlichen Rente. Zudem hält eine knappe Mehrheit der Befragten (51 Prozent) Aktien, Aktienfonds beziehungsweise ETFs als Instrumente zur Absicherung im Alter für geeignet. Unter ihnen sind insbesondere Jüngere zwischen 18 und 45 Jahren.
Die Umfrage spiegelt ein großes Interesse in der deutschen Bevölkerung an der Aktie im Allgemeinen und an einer fixen aktienbasierten Rentenkomponente im Besonderen wider. Wichtig wird sein, dieses Momentum richtig zu nutzen und den Aktienbesitz für die Allgemeinheit als attraktives, vertrauensvolles und nachhaltiges Instrument der Vermögensbildung zu etablieren.
Über den Autor
Robert Peres gründete 2016 gemeinsam mit anderen Privatanlegern die Initiative Minderheitsaktionäre, die sich um einen Dialog mit dem Gesetzgeber bemüht und sich für die Rechte von Anlegern einsetzt.