Risiko im Gepäck

Vor Auslandsreisen besser den Krankenschutz prüfen

Nicht jede Reisekrankenpolice schützt wirklich. Gerade bei Vorerkrankungen, Langzeitreisen oder längeren Auslandsaufenthalten klafft die Deckung oft erheblich.
Backpacker-Touristen: Vor Auslandsreisen sollte man den Krankenschutz prüfen.
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Backpacker-Touristen: Vor Auslandsreisen sollte man den Krankenschutz prüfen.

Ein gebrochenes Handgelenk, eine fiese Magenverstimmung oder gar ein Herzinfarkt im Urlaub? Was harmlos klingt, kann ohne ausreichenden Versicherungsschutz zu Kosten von mehreren Zehntausend Euro führen. Gerade in Ländern wie den USA, Kanada oder der Schweiz kann es sehr teuer werden, weil medizinische Leistungen für Europäer nicht durch Sozialversicherungsabkommen abgesichert sind.

„Wer im Ausland krank wird, muss oft mehrere hundert oder tausend Euro für einfachste Behandlungen sofort bar oder per Kreditkarte bezahlen. Viele stehen damit vor einem echten finanziellen Problem“, sagt Marc Kottmann, Schadenvorstand bei der ADAC Versicherung. So sei es keine Seltenheit, dass für eine einfache Magen-Darm-Behandlung mehr als 1.000 Euro fällig würden.

Geld für einen spontanen Arztbesuch? Eher weniger

In einer Umfrage hat der Versicherer ermittelt, wie viel Geld die Urlauber für finanzielle Notfälle zur Verfügung hätten. Selbst die 34 Prozent der Befragten, die hier bis zu 1.000 Euro als Rücklage angaben, kämen da schon an ihre Grenzen. 12 Prozent könnten nur 100 Euro aufwenden. 22 Prozent hätten bis zu 5.000 Euro für einen spontanen Arztbesuch übrig.

Die gesetzliche Krankenversicherung leistet außerhalb der EU so gut wie gar nichts, und selbst innerhalb Europas ist der Schutz durch die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) auf eine Grundversorgung beschränkt. Die EHIC greift nur bei öffentlichen Vertragsärzten und -kliniken in Europa und übernimmt dort in der Regel nur die Kosten in Höhe der lokalen Kassenleistung. Bei Behandlungen in Privatkliniken oder bei Hotelärzten bleiben Patienten meist auf hohen Rechnungen sitzen oder bekommen von der Kasse anschließend nur einen Teil erstattet.

Wo die Deckungslücken lauern

Eine sorgfältige Risikoanalyse bei der Reisekrankenversicherung beginnt nicht mit dem Tarif, sondern mit dem Kunden. Drei Dimensionen sind dabei entscheidend.

Gesundheitsstatus und Vorerkrankungen

Die meisten Standardpolicen schließen Behandlungen aus, die im Zusammenhang mit vor Reiseantritt bekannten Erkrankungen stehen. Wer als Diabetiker in die Notaufnahme kommt, sitzt schnell auf einem nicht gedeckten Schaden. Makler sollten gezielt nachfragen und Tarife empfehlen, die Vorerkrankungen explizit einschließen oder zumindest klar definieren, was als „bekannt“ gilt.

Reisedauer und -zweck

Kurzzeittarife für bis zu 45 Tage funktionieren für den klassischen Strandurlaub. Wer jedoch für drei Monate ins Ausland geht – sei es als Rentner nach Mallorca, als Freiwilliger in einem Gap-Year oder als Angestellter im Auslandseinsatz – braucht entweder einen Jahrestarif mit entsprechender Laufzeit oder spezialisierte Policen für Langzeitreisen. Viele günstige Tarife limitieren die Leistung stillschweigend auf 42 oder 56 Tage.

Reiseziel und Aktivitäten

Extremsportarten wie Klettern, Tauchen oder Skifahren abseits gesicherter Pisten sind in Standardtarifen häufig ausgeschlossen. Makler sollten den geplanten Urlaub konkret erfragen und besser nicht annehmen, dass der Standardschutz schon passen wird.

Auf den ersten Blick unterscheiden sich Reisekrankenversicherungen oft nur minimal im Preis. Die Leistungsunterschiede können aber trotzdem groß sein. Beispiel Rücktransport: Nicht jede Police übernimmt einen medizinisch sinnvollen, aber nicht zwingend notwendigen Heimtransport. Hochwertige Tarife decken auch komfortorientierte Rücktransporte ab, wenn diese ärztlich empfohlen werden.

Weiter geht es mit der Frage, ob der Versicherer den Transport organisiert, oder er ihn im Nachhinein nur erstattet? Im medizinischen Ernstfall wird es wohl ein Segen sein, wenn ein erfahrener Dienstleister die Koordination übernimmt.

Manche Tarife begrenzen auch Leistungen für Zahnarztbehandlungen, Such- und Bergungskosten oder Übernachtungen von Angehörigen auf niedrige Pauschalbeträge. Hier lohnt sich – wie immer – der Blick ins Kleingedruckte.

Immer wieder auf die Agenda setzen

Für Versicherungsmakler lohnt es sich, das Thema immer mal wieder auf die Agenda zu holen – etwa beim Jahresgespräch. Ein Kunde, der in diesem Jahr nur zwei Wochen Mittelmeer gebucht hat, plant vielleicht im kommenden einen dreimonatigen Aufenthalt in Australien. Ein anderer hat zwischenzeitlich eine chronische Erkrankung entwickelt, die seinen bisherigen Schutz ins Leere laufen lässt.

Eine kurze Info an die Kunden vor der Hauptreisesaison, etwa über Social-Media-Postings oder in einem Newsletter, kann ebenfalls sinnvoll sein.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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