Die nächste Stufe der Telematik-Technologie

„Der Unfallhergang lässt sich in 3D- oder im Virtual-Reality-Modus nachbilden“

Eine Schadenbearbeitung in Tagen statt in Wochen? Der Kfz-Versicherer stellt den Hergang des Autounfalls in 3D am Rechner nach statt über einen Gutachter vor Ort? Das ist dank neuer Telematik-Technologie inzwischen möglich. Pfefferminzia sprach darüber mit Pravar Gautam, Vize-Präsident für die Region Europa, Naher Osten und Afrika des Software-Anbieters Scope Technologies.
© Scope Technologies
Pravar Gautam ist Vize-Präsident für die Region Europa, Naher Osten und Afrika des Software-Anbieters Scope Technologies.

Pfefferminzia: Welche Chancen rechnen Sie Telematik-Tarifen in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern aus?

Pravar Gautam: Das Potenzial hierzulande für die Telematik-Technologie ist enorm. Ähnlich wie bereits in etwas weiter entwickelten Märkten wie Frankreich, Großbritannien und Italien wird sich die Technologie hier von einer simplen Box-Lösung, die das Fahrverhalten misst, stärker zu einer mehr eingebetteten Technik entwickeln, die eine Vielzahl weiterer Nutzungen möglich macht. Prognosen zeigen, dass etwa 50 Prozent der neuen Wagen bis 2020 mit dieser Technik ausgestattet sein werden. Bis 2025 sollen es 90 Prozent der Neuwagen sein.

Kfz-Versicherer in Deutschland suchen derzeit nach Möglichkeiten, den Kunden stärker an sich zu binden. Und da kommt diese Technik ins Spiel. In Zukunft wird sie dem Fahrer beispielsweise automatische Updates bezüglich der Wartung der Autos geben, dabei einen Überblick über die zu erwarteten Reparaturen liefern und die Kosten verschiedener Werkstätten in der Umgebung dafür aufrufen. Das alles über den Bordcomputer des Autos oder eine App auf dem Smartphone des Fahrers. Allerdings gibt es hierzulande auch ein paar Schwierigkeiten.

Welche denn?

Die Prämien für Kfz-Versicherungen sind in Deutschland viel niedriger als in anderen europäischen Märkten. Das bedeutet, dass es für Versicherer hier schwerer ist, große Einsparungen durch Telematik-Tarif für ihre Kunden zu erzielen. In Deutschland sind außerdem die Bedenken wegen des Datenschutzes höher – die deutschen Datenschutzgesetze gehören zu den striktesten in Europa – daher müssen Versicherer hierzulande ihren Kunden genau erklären können, was mit den Daten passiert und was eben nicht. Diese beiden Punkte sehen wir als große Herausforderungen im deutschen Markt.

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Wie lassen sich diese Probleme lösen?

Sie lassen sich nach unserer Erfahrung am besten lösen, indem der Versicherer seine Beziehung zum Kunden neu definiert. Durch einen Partnerschafts-Ansatz mit Service-Anbietern lassen sich kostenlose Zusatzleistungen wie die oben bereits genannten anbieten, die die Technik-Kosten auf mehrere Schultern verteilen und die Kundenbindung erhöhen. Dadurch steigt die Profitabilität und der Versicherer erhält neue Zugänge zum Markt.

Welchen Service bietet Ihr Unternehmen deutschen Versicherern an?

Scope Technologies bietet von verschiedenen Telematik-Boxen über die aktuarielle Plattform und Smartphone-Applikationen bis hin zur Schadenbearbeitung die gesamte Wertschöpfungskette der Telematik-Lösungen an. Es ist wie ein eigenes Ökosystem, das Versicherungsträger, Service-Anbieter und Kunden zusammenbringt. 

Sie haben auch eine Virtual-Reality-Technologie im Repertoire, die dabei hilft, Autounfälle zu rekonstruieren. Wie funktioniert das genau?

Unsere Technik sammelt laufend Daten zum Fahrverhalten und von verschiedenen Sensoren ein. Stellt das System einen Aufprall fest, werden diese Daten an unsere Plattformen weiter geleitet und ausgewertet: Was führte zum Unfall? Was sagen die Daten zum Aufprall? Welche Verletzungen sind wahrscheinlich und wie stark ist die Deformation des Autos?

Dieser gesamte Prozess dauert weniger als eine Minute. Danach kann man sich den Unfall als 3D-Video oder im Virtual-Reality-Modus anschauen.

Welche Vorteile liefert diese Technologie für Versicherer und Kunden?

Versicherer profitieren vor allem von Kosteneinsparungen, etwa indem sie seltener Gutachter einsetzen müssen. Die Schadenbearbeitung dauert nur ein paar Tage statt Wochen oder sogar Monate. Das wiederum führt zu einer höheren Kundenzufriedenheit. Die Technologie hilft auch, Versicherungsbetrug eher aufzudecken, da die Technologie Unfallhergänge sehr genau nachbilden kann.

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