Fahrzeugflotten

Diese Herausforderungen gibt es aktuell im Flottengeschäft

Die Flottenversicherung ist jüngst wieder aus den roten Zahlen gefahren, und für Makler bleibt das Geschäft mit der Absicherung von firmeneigenen Fuhrparks weiterhin bedeutsam – allerdings birgt das wirtschaftliche Umfeld Risiken.
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© picture alliance/Winfried Rothermel
Die Fahrzeugflotte des Paketlieferers DPD vor dem Logistikzentrum in Freiburg.

Gaskrise, galoppierende Inflation und zerrissene Lieferketten – Unternehmer in Deutschland müssen derzeit einiges ertragen, ohne sich überhaupt richtig von der Corona-Krise erholt zu haben. Und auch beim Gedanken an den eigenen Fuhrpark dürfte keine positive Stimmung aufkommen. Denn die Kosten der gewerblichen Fahrzeughaltung sind in den vergangenen zehn Jahren um rund 4 Prozent pro Jahr gestiegen, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im vergangenen Herbst meldete.

Wesentlicher Preistreiber waren dabei die Reparaturkosten. Allein zwischen Januar 2013 und August 2021 erhöhten Autohersteller ihre Ersatzteilpreise laut GDV um fast 44 Prozent. Kofferraumklappen wurden in diesem Zeitraum 60 Prozent, Rückleuchten sogar 67 Prozent teurer.

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Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil, denn der russische Angriffskrieg auf die Ukraine verschärft auch hier die Lage. So berichteten die Versicherungsmathematiker der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) Ende Mai von „stark steigenden Preisen bei Kfz-Ersatzteilen und Reparaturkosten“. Dadurch werde der sogenannte „Reparaturkostenindex Kraftfahrt“ stetig höher, was wiederum zu wachsendem Druck auf die Versicherungsprämien führt.

Zwar betonte DAV-Vizechef Maximilian Happacher, dass sich aus den Daten „keine generellen Prognosen zu künftigen Prämienentwicklungen ableiten“ ließen, da Umfang und Geschwindigkeit von Preisanpassungen stark unternehmensindividuell ausfielen. Doch der Trend zu höheren Prämien ist eindeutig – bei der R+V-Gruppe macht man daraus auch gar keinen Hehl.

Die Wiesbadener erzielen unter Maklern traditionell die höchsten Geschäftsanteile im Flottengeschäft und sind damit in diesem Segment der umsatzstärkste Versicherer im freien Vermittlungsgeschäft (siehe Tabelle). „Eine große Herausforderung ist der Preisanstieg und die damit verbundene Entwicklung der Schadendurchschnitte. Dies wird sich auf die bevorstehenden Anpassungen der Beiträge auswirken“, prognostiziert Carsten Panzer, Underwriter Kfz-Betrieb bei der R+V Versicherung.

Durchschnittsschäden stark steigend

Bei der Allianz, die im aktuellen Makler-Ranking nach R+V und VHV das drittstärkste Flottengeschäft auf sich vereint, lautet die Einschätzung ähnlich. Infolge der hohen Inflation beobachte man „deutlich steigende Schadendurchschnitte“, sagt Jens Fischer, Leiter Firmen-Kraft SMC bei der Allianz Versicherungs-AG.

Dabei ist das Kfz-Flottengeschäft schon zu normalen Zeiten kein einfaches. Über viele Jahre hinweg war die Branche arg gebeutelt – sie hatte mit hohen Schadenzahlen zu kämpfen, die viele Anbieter versicherungstechnisch in die roten Zahlen drückten. So lag die branchenweite Schaden-Kosten-Quote, auch geläufig als Combined Ratio, im Jahr 2019 noch bei defizitären 101,8 Prozent, wie aus GDV-Daten hervorgeht. Im Folgejahr rutschte der Wert schlagartig in den grünen Bereich (95 Prozent) – schlichtweg, weil die Fahrleistung der Unternehmen coronabedingt deutlich absackte und es somit zu viel weniger Unfällen auf der Straße kam. 2022 stand die Schaden-Kosten-Quote immerhin noch bei soliden 98 Prozent.

Dass das Geschäft mit Flottenversicherungen für Makler weiter einen hohen Stellenwert genießt – wenngleich das Segment zuletzt an Zustimmung verlor –, unterstreicht die GDV-Statistik: Von den 29 Milliarden Euro Beitragsvolumen in der Kfz-Versicherung entfielen im vergangenen Jahr rund 4,4 Milliarden Euro auf die Flottenversicherung, ein Zuwachs um 4,5 Prozent gegenüber 2020, während die private Kfz-Versicherung auf der Stelle trat.

Allerdings ist das Flottengeschäft eben auch ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung – inwieweit schwappt also die wachsende Unsicherheit bei Kleinselbstständigen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen, kurz KMU, in die Vorstandsetagen der Produktgeber? HDI-Manager Christian Kussmann kann hier zunächst beruhigen: „Aktuell sehen wir noch keine veränderten Abschluss- oder Kündigungszahlen aufgrund von Unsicherheiten vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung“, sagt der Bereichsvorstand Firmen und Freie Berufe beim Kölner Versicherer – und betont: „Das Kleinflottengeschäft betreibt die HDI Versicherung profitabel.“

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Bei der Allianz will man sich nicht dazu äußern, ob das Flottengeschäft der Münchner profitabel läuft. Allerdings räumt Jens Fischer ein, dass die Folgen der Pandemie und die „schwierigen geopolitischen Rahmenbedingungen aufgrund des einhergehenden Kostendrucks“ zu einer „zunehmenden Preissensibilität“ der Unternehmen führten. Kurzum: Unternehmer achten verstärkt darauf, wie stark der Flottenbetrieb ins Geld geht.

Immerhin stellt die Allianz aber fest, dass sich das verringerte Fahrverhalten der Flottenkunden im Lockdown mittlerweile wieder aufgelöst habe. Und auch bei der R+V beobachtet man, „dass sich die Fahrleistung in vielen Bereichen normalisiert hat“, wie Manager Carsten Panzer sagt. An anderer Stelle ist an ein „back to normal“ aber nicht zu denken – etwa was Liefer- und Produktionsengpässe in der Autoindustrie betrifft. So schildert Panzer, dass sich die spärliche Verfügbarkeit von neuen Modellen nicht zuletzt auf die Fahrzeugwechsel der Kunden auswirke. „Bestandsfahrzeuge werden länger im Bestand gehalten, und die Frequenz der Fahrzeugwechsel reduziert sich“, beschreibt der Manager die Folgen. Hier erwarte die R+V aber in der Zukunft „Nachholeffekte, wenn Fahrzeuge wieder verfügbar sind“.

Wachsendes Interesse an E-Mobilität

Und auch das ist eine Folge des Krieges, die sich im Flottenmanagement bemerkbar macht: „Der Fokus wird zunehmend auf die Elektromobilität gelegt“, sagt Allianz-Mann Fischer. „Firmenkunden stellen ihre Fuhrparks und Flotten vermehrt auf Fahrzeuge mit alternativen Antrieben um.“ Grund hierfür seien nicht zuletzt die gegenwärtigen Spannungen in den russisch-europäischen Beziehungen. Diese hätten auch noch mal „ein Augenmerk auf unsere Abhängigkeit bezüglich fossiler Ressourcen gelegt“, so Fischer.

Im April 2022 waren knapp 690.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen. Ein Jahr zuvor waren es erst rund 310.000 E-Autos, wie das Statistische Bundesamt meldete. An dieser Entwicklung zeigt sich, dass auch in immer mehr betrieblichen Fuhrparks das Interesse an E-Mobilität wächst – was aber auch neue Risiken birgt. „Handelt es sich bei Firmenfahrzeugen um Elektrofahrzeuge, spielt auch ein guter Versicherungsschutz für den Akku eine wichtige Rolle“, weiß HDI-Manager Kussmann. Und auch das gilt es beim Versicherungsschutz zu berücksichtigen: Bei E-Autos werden gegenüber klassischen Autos aktuell zwar weniger Schadenfälle regis­triert, allerdings ist die Schadenshöhe oft deutlich größer.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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