Analyse

Welche Kfz-Versicherungen mit Dashcam-Tarifen liebäugeln

Seit dem 1. Oktober können Autofahrer in Deutschland erstmals von einer vergünstigten Kfz-Versicherung profitieren, wenn sie eine Dashcam einsetzen. Die Versicherungsgruppe die Bayerische bietet Kunden neuerdings einen Nachlass von bis zu 15 Prozent auf ihre Versicherung an, wenn sie den Besitz einer Dashcam nachweisen können. Andere Versicherer zögern allerdings noch, ähnliche Rabatte zu gewähren, zeigt eine Marktanalyse des Journalisten Tillmann Braun.
© Tillmann Braun
Über dem Rückspiegel ist die Dashcam angebracht: Sie hilft etwa bei Unfällen, die Schulfrage zu klären.

Neu- und Bestandskunden der Bayerischen erhalten seit dem 1. Oktober einen Nachlass von bis zu 15 Prozent auf ihre Kfz-Versicherung, wenn sie den Besitz einer Dashcam nachweisen können. Darüber hinaus bekommen die Kunden einen Rabatt von 5 Prozent beim Kauf einer Dashcam des Marktführers Nextbase bei den exklusiven Partnern der Media-Saturn-Holding (Media Markt und Saturn) sowie A.T.U. Mit dem neuen Angebot will das Versicherungsunternehmen seinen Kunden laut Vorstand Martin Gräfer einen Mehrwert bieten: „Die Kosten für die Kfz-Versicherung sinken und die Verkehrssicherheit wird verbessert.“

„Umfangreiche Tests haben uns gezeigt, dass die Dashcams von Nextbase die beste Bildqualität liefern“, sagt Sebastian Lahr, Projektmanager Digitalisierung und E-Commerce bei der Bayerischen. „Das neue Notfall-SOS-System sowie die Kooperation mit Ambarella für die Chipsatz-Herstellung unterstreichen zudem die marktführende Position von Nextbase. Durch unsere Partnerschaft mit Nextbase wollen wir sicherstellen, dass unsere Kunden von der besten verfügbaren Technik profitieren“, erklärt Lahr.

In Deutschland ist die Bayerische das erste Versicherungsunternehmen, das einen derartigen Rabatt anbietet. In anderen Ländern wie Großbritannien profitieren Autofahrer dagegen schon länger von speziellen Dashcam-Angeboten. Die Rechnung scheint dabei für beide Seiten aufzugehen. So konnte beispielsweise der Versicherer Sure Thing mit Dashcam-Bildern die durchschnittliche Schadenbearbeitungsdauer um 58 Prozent reduzieren und bei 37 Prozent der Split-Haftpflichtschäden die Unschuld nachweisen.

Bei der Bayerischen ist man zudem davon überzeugt, dass die Installation einer Dashcam sich mitunter positiv auf das Fahrverhalten auswirkt, da auch der eigene Fahrstil aufgezeichnet wird. Zudem helfen Dashcams bei der Klärung der Schuldfrage, sodass Betrugsversuche ebenso vermieden werden können wie langwierige und teure Verfahren.

Allianz nutzt ebenfalls Dashcam-Aufnahmen

Auch andere Versicherer in Deutschland nutzen Dashcam-Aufnahmen zur Klärung von Unfallhergängen und der damit einhergehenden Schuldfrage. So bestätigte die Allianz auf Nachfrage, dass das Unternehmen im Rahmen der Schadenregulierung Dashcam-Aufzeichnungen für die Haftungsbeurteilung verwendet. Nachlässe für Dashcam-Besitzer bei der Versicherungsprämie gibt es bei der Allianz, die rund 8,6 Millionen Fahrzeuge versichert, allerdings nicht.

Viele Versicherer verweisen immer noch darauf, dass das Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes (BGH) von Mai 2018 nicht eindeutig sei. Dabei hatte der Bundesgerichtshof damals klargestellt, dass Dashcam-Aufnahmen mitunter selbst dann als Beweismittel vor Gericht verwertet werden können, wenn diese gegen den Datenschutz verstoßen.

Probleme mit dem Datenschutz drohen laut dem BGH zudem nur dann, wenn es sich um permanente Aufzeichnungen ohne Anlass handelt. Demnach ist man mit hochwertigen Dashcams, die beispielsweise eine Loop-Funktion bei der Speicherung beziehungsweise einen sogenannten G-Sensor für den Anlass der Aufnahme haben, auf der sicheren Seite. Die Loop-Funktion überschreibt getätigte Aufzeichnungen kontinuierlich und speichert diese nur bei einem Unfall durch einen G-Sensor, der einen Unfall oder abruptes Bremsen erkennt oder bei einer manuellen Betätigung eines entsprechenden Knopfes.

Huk-Coburg hat großes Interesse an Telemetrie-Daten

Bei der Huk-Coburg begrüßt man die Tatsache, dass datenschutzkonforme Dashcam-Aufnahmen verwendet werden können. „Bei der Aufklärung zweifelhafter Verkehrsunfälle bietet das neue Möglichkeiten der Aufklärung – davon profitieren alle Versicherungsnehmer“, sagt Holger Brendel von der Abteilung Unternehmenskommunikation. Gleichzeitig hebt Brendel hervor, dass Autofahrer laut des Bundesgerichtshofs nicht permanent Filmen dürfen.

Generell habe die Huk großes Interesse an Telemetrie-Daten zur Aufklärung von Unfällen beziehungsweise bei der Schadenregulierung. Ob diese Telemetrie-Daten vom Fahrzeug direkt oder von einer Dashcam kommen spiele keine Rolle. Aktuell bietet die Huk auch eigene Telemetrie-Sensoren für Versicherte, die in Kombination mit einer App das Fahrverhalten der Versicherten genau dokumentieren und bei defensiver Fahrweise einen Rabatt von 10 Prozent und mehr versprechen. Allerdings muss man als Nutzer einer permanenten und anlasslosen Übertragung seiner Fahrweise zustimmen. Ohne eine explizite Zustimmung dürften derartige Daten nicht erfasst werden.

Laut R+V haben bislang nur wenige Unfallbeteiligte eine Dashcam

Beim drittgrößten Kfz-Versicherer Deutschlands, R+V, werden Aufnahmen einer Dashcam in der Schadenregulierung ebenfalls akzeptiert. Allerdings hätten bislang nur wenige Unfallbeteiligte eine Dashcam, erklärt R+V-Pressesprecher Frank Senger. Nicht zuletzt aufgrund der noch geringen Verbreitung von Dashcams kommen Dashcam-Aufzeichnungen somit noch eher selten zum Einsatz bei R+V. Wenn eine Aufzeichnung in einem Ausnahmefall doch einmal ein notwendiges Beweismittel zur Sachverhaltsaufklärung sei, dann werde sie in der Schadenbearbeitung allerdings genutzt, sagt er. Die eigenen Mitarbeiter würden dabei sicherstellen, dass die Aufzeichnungen datenschutzkonform verwendet werden.

Obwohl verschiedene Versicherer Dashcam-Aufnahmen nutzen, ist die Bayerische vorerst der einzige Versicherer, der Kunden für den Einsatz einer Dashcam belohnt. Der Nachlass von bis zu 15 Prozent spricht dafür, dass man als Versicherer durchaus davon profitiert, wenn die eigenen Kunden eine adäquate, sprich datenschutzkonforme Dashcam einsetzen. Womöglich folgen somit doch bald schon weitere Versicherer dem Beispiel der Bayerischen und bieten ebenfalls Rabatte für Dashcam-Nutzer an.

Über den Autoren

Tillmann Braun ist freier Journalist aus Haiterbach, Baden-Württemberg, und schreibt vor allem über Digitalisierungs- und Tech-Themen, Smart Home und IT.

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