Eva-Maria Trummer wurde mit 22 Jahren jüngste Augenoptikermeisterin Deutschlands. In ihrem eigenen Laden in Erlangen vertreibt sie heute mit sieben Angestellten nicht nur hochwertige Designerbrillen, sondern auch ihre eigene Meisterkollektion. Für den Handwerksverband sind Menschen wie Trummer ein Glücksfall.
In einem schick aufgemachten PR-Stück im Internet will sie jungen Leuten Lust auf die Alternative zum Studium machen. Das ist auch bitter nötig, denn die Branche hat ein erhebliches Nachwuchsproblem. Viele Ausbildungsplätze im Handwerk bleiben unbesetzt – immerhin hat es die Zunft der Augenoptiker noch vergleichsweise gut. Unter jungen Frauen steht der Lehrberuf, den Eva-Maria Trummer zu ihrer Berufung machte, an vierter Stelle (siehe Grafik).
Wesentlich prekärer ist es um das Backhandwerk bestellt. 2016 erlernten zwar 3.709 weibliche Auszubildende den Beruf der Konditorin – das ergibt Platz 5 der beliebtesten Lehrberufe bei Frauen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass immer mehr Jugendliche dem Aufstehen am sehr, ehr frühen Morgen nur sehr, sehr wenig abgewinnen können – der Bäcker taucht in den Top 10 der Männer-Lehrberufe gar nicht auf.

Andreas Fickenscher dürfte das bedauern. Er ist Bäckermeister in der elften Generation – 1625 haben seine Vorfahren im oberfränkischen Münchberg den vielleicht wichtigsten aller Handwerksberufe aufgenommen. Außer Bäcker- und Konditormeister ist Fickenscher noch studierter Betriebswirt und führt gemeinsam mit seiner Frau, seinem Bruder und dessen Frau den hochmodernen Familienbetrieb.
Die Meisterhandwerker Trummer und Fickenscher zeigen exemplarisch, wie facettenreich und schillernd das Handwerk sein kann. Was beide am Ende eint, ist das unternehmerische Risiko, das sie zu tragen haben. Die betriebliche Existenz durch einen Schaden zu verlieren – und im Falle Fickenschers obendrein das Vermächtnis an die zwölfte Generation –, wäre schlimm.
Für Vermittler ist die Absicherung von Handwerksbetrieben deshalb spannend, weil sie mit vielen verschiedenen Macher-Typen in Kontakt kommen. Zugleich kann der Job sehr fordernd sein – schließlich benötigt ein Dachdecker eine andere Art von Absicherung als ein Metzger, ein Elektroinstallateur oder ein Optiker.
Christopher Leifeld, Geschäftsführer des digitalen Maklers Gewerbeversicherung24 (GV24), hat sich seinen ganz eigenen Weg durchs Handwerkswirrwarr gebahnt: „Wir haben den Beratungsprozess individuell für jede Betriebsart aufgebaut. Das bedeutet, sowohl die Bedarfsanalyse als auch die abgefragten Risikodaten sind abhängig davon, um welchen Betrieb es sich handelt.“ Dabei ist die Vielfalt der Betriebslandschaft immens: „Wir unterscheiden knapp 1.500 verschiedene Fälle“, sagt Leifeld.
Vergleichsrechner stößt an Grenzen
Für einen Dachdecker weisen Leifeld und sein Team beispielsweise auf den Bedarf für eine Maschinenbruch- sowie eine Kautionsversicherung hin. Der Grund: Der Dachdecker führt in der Regel größere Maschinen, wie etwa eine Hebebühne oder einen Lastenaufzug. Außerdem werden für die Auftragserfüllung oft Kautionen verlangt. Beide Risiken sind für einen klassischen Metzger hingegen nicht relevant.
„Durch diese dynamische und spezifische Risikoerfassung erlaubt unser System eine sehr situationsgerechte Analyse der einzelnen Risikosituation“, sagt Leifeld, dessen Plattform in erster Linie von Vermittlern genutzt wird. Daneben stelle auch die Erstellung eines Angebots eine Herausforderung dar. Denn: „Viele Risiken für Handwerker sind anfragepflichtig und können nicht direkt über einen Vergleichsrechner bedient werden“, erklärt der GV24-Chef. Um dem Problem beizukommen, habe man eigens eine Ausschreibungsplattform integriert, die es erlaube, „für nahezu jede Risikosituation eine individuelle Deckung zu erhalten“.
René Werner, Abteilungsleiter Geschäftsfeldsteuerung Gewerbe im Provinzial-Nordwest-Konzern, charakterisiert das Anforderungsprofil für potenzielle Handwerkskenner im Vertrieb so: „Die Beratung von Gewerbekunden im Allgemeinen und Handwerksbetrieben im Speziellen setzt voraus, dass die Vertriebspartner neben ihrem klassischen Versicherungs-Know-how in der Lage sind, die betriebstypischen Risiken ihrer Kunden zu erkennen und zu bewerten.“ Weber empfiehlt Vermittlern, sich mit branchenspezifischen Risikofragebögen und Schadenbeispielen auf das Kundengespräch vorzubereiten.
Zusätzlich weist die Provinzial Nordwest ihre Vertriebspartner auf konzerneigene Weiterbildungen zum Thema hin. Zu den täglichen Baustellen, die die Vertriebsprofis im Gespräch mit Handwerksunternehmern abzuräumen haben, gehört vor allem die Tatsache, dass die Versicherungssummen nach Betriebserweiterungen oder Umbauten nicht mehr stimmen.
Regelmäßig überprüfen und anpassen
„Hier droht Unterversicherung“, warnt Andrea Frohrieb, Expertin SHUK-Marktmanagement der Nürnberger. „Teilweise haben wir es auch mit falschen oder veralteten Betriebsbeschreibungen zu tun. Dadurch sind in Haftpflicht nicht alle Tätigkeiten versichert“, erklärt die Expertin. GV24-Chef Leifeld beobachtet zudem immer wieder, dass selbst einige Makler glauben, „dass der Inhalt von Arbeitsfahrzeugen sowie Maschinen, Arbeitsmaterialien und Werkzeuge durch die Inhaltsversicherung oder sogar die Kfz-Versicherung abgedeckt sind“.
Dies sei jedoch meist nicht oder nur sehr eingeschränkt der Fall, da hier ein eigenständiger Baustein als Teil der Inhaltsversicherung abgeschlossen werden müsse. „Wir fragen deshalb Handwerker in der Inhaltsversicherung, ob weitere Bausteine wie die Autoinhaltsversicherung gewünscht sind“, erklärt Leifeld.
Auch der Versicherungsschutz entwickelt sich weiter
Wichtig sei, immer auf dem aktuellen Stand zu sein, ergänzt Frohrieb von der Nürnberger. Zumal auch der von der Branche angebotene Versicherungsschutz mit der Zeit immer besser werde, wie sie sagt. Die Nürnberger setzt nach eigenen Angaben auf sogenannte Zielgruppendeckungskonzepte in den Bereichen Haftpflicht und Sach mit branchenspezifischen Leistungen.
„Der Kunde muss keine Rundumabsicherung kaufen, die Leistungen enthält, die er gar nicht benötigt“, fasst Managerin Frohrieb das Konzept des Versicherers zusammen.
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