Wegen abgesagter Wiesn 2020

Axa-Tochter muss „Ochsenbraterei“ 513.000 Euro zahlen

Die Axa-Tochter XL Insurance Company muss der Traditionsgastronomie „Ochsenbraterei“ 513.000 Euro zahlen. Das hat das Landgericht München entschieden. Grund ist der coronabedingte Wiesn-Ausfall im Jahr 2020. Hier kommen die Details zum Urteil.
© picture alliance / imageBROKER | Hans Lippert
Festzelt der „Ochsenbraterei“: Die Wirtin Antje Schneider hat vor Gericht Recht bekommen.
Was war geschehen?

Wegen der Corona-Pandemie fällt das Münchner Oktoberfest 2020 aus. Diese Entscheidung trifft sowohl Wiesn-Schausteller als auch -Gastronomen hart – so auch die Traditions-Location „Ochsenbraterei“. Wirtin Antje Schneider hat jedoch mit dem Abschluss einer Ausfallversicherung bei der Axa-Tochter „XL Insurance Company“ vorgesorgt, wie die „TZ München“ berichtet. Dafür zahlt sie rund 60.000 Euro im Jahr.

Wegen des coronabedingten Wiesn-Ausfalls macht sie gegenüber ihrem Ausfalldeckungsversicherer als auch gegenüber drei weiteren Versicherungen einen Gesamtschaden von 2 Millionen Euro geltend. Der Ausfalldeckungsversicherer weigert sich jedoch, zu zahlen. Es sei bereits im April 2020 klar gewesen, dass die Wiesn nicht stattfinden würde, erklärte die Versicherung gegenüber ihrer Kundin. Außerdem sei nicht von vorneherein davon auszugehen, dass die Ochsenbraterei auch dabei gewesen wäre. Antje Schneider lässt das nicht auf sich sitzen und zieht vor Gericht.

Das Urteil

Die Richter des Landgerichts in München geben der Klägerin Recht. Die Begründung der Versicherung, die Ochsenbraterei hätte auf den Wiesn 2020 auch nicht dabei sein können, lassen die Richter nicht gelten. „Ich kenne kein Oktoberfest, wo die Ochsenbraterei nicht dabei war“, zitiert TZ München Richter Martin Scholz. „Die Klägerseite hat ein umfangreiches Schadensgutachten vorgelegt, das in sich schlüssig ist“, sagte er. „Es nur pauschal zu bestreiten, reicht nicht aus.“ Die Axa-Tochter muss Antje Schneider nun rund 513.000 Euro zahlen.

Noch ist das Urteil zwar nicht rechtskräftig. Sollte es das jedoch werden, dann müssten sich wohl auch die anderen Versicherer, von denen Schneider Geld verlangte, daran halten. Peter Inselkammer, Sprecher der Wiesnwirte und Betreiber des Armbrustschützenzelts, sagte gegenüber der TZ: „Die Versicherungen sind definitiv in der Leistungspflicht.“ Sich dagegen zu wehren, sei „unredlich“.

Schneider ist jedoch nicht die einzige, die wegen des Wiesn-Ausfalls Geld von ihren Versicherern verlangt hat. Laut übereinstimmender Medienberichte laufen aktuell mindestens zwei weitere Gerichtsverfahren. So habe unter anderem Fischer Vroni geklagt und über 400.000 Euro gefordert. Dass sie im Recht ist, sei ihr schon zugesichert worden – der Versicherer sei jedoch in Berufung gegangen.  

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Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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