Unübersichtliche Gemengelage

Warum Vermittler wichtige Lotsen für Gewerbekunden sind

Die Herausforderungen für Gewerbetreibende sind vielfältig und unübersichtlich. Vermittler spielen hier eine entscheidende Rolle. Sie müssen Bewusstsein schaffen und die Risiken ihrer Gewerbekunden vernünftig absichern.
© Westend61/Freepik.com
Einer geht voran: Vermittler müssen ihre Gewerbekunden aktuell durch viele Unwägbarkeiten leiten.

Cybervorfälle wie Attacken mit Erpresser-Software (Ransomware), Datenpannen und IT-Ausfälle bergen für Unternehmen hierzulande in diesem Jahr das größte Risiko. Die damit eng verknüpften, generellen Betriebsunterbrechungen folgen auf dem zweiten Platz.

Das geht aus dem diesjährigen „Allianz Risk Barometer“ hervor, für das die Allianz mehr als 3.000 Risikoexperten aus 92 Ländern nach ihren Top-Unternehmensrisiken befragte. Veränderte Gesetze und Vorschriften – etwa Zölle, Sanktionen oder Protektionismus – landen auf Platz 3.

„Extreme Wetterereignisse, Ransomware-Attacken oder regionale Konflikte strapazieren die Widerstandskraft von Lieferketten und Geschäftsmodellen auch in diesem Jahr“, sagt Petros Papanikolaou, Chef von Allianz Commercial. „Makler und Kunden von Versicherungen sollten daher wachsam sein und ihre Deckungen entsprechend anpassen.“

Auffällig im Vergleich zu anderen Ländern ist, dass in Deutschland der Fachkräftemangel als großes Risiko wahrgenommen wird: Hierzulande liegt er auf Platz 4, das sind zwei Positionen höher als im Vorjahr. Weltweit erreicht der Fachkräftemangel als Risiko nur Platz 10.

Knappe Ressource Arbeitskraft

Das liegt vermutlich daran, dass 53 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hierzulande im vergangenen Jahr Schwierigkeiten dabei hatten, Arbeitskräfte zu finden und an ihr Unternehmen zu binden. Das geht aus der aktuellen KMU-Studie der Gothaer hervor. Das sind 7 Prozentpunkte mehr als 2022 und 13 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2021. Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren sicher noch verschärfen wird.

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Gleichzeitig treffen immer neue regulatorische Anforderungen auf die knappe Ressource Arbeitskraft. Ein Beispiel: das Hinweisgeberschutzgesetz, das 2023 in Kraft getreten ist. Unternehmen müssen nun Wege etabliert haben, über die Personen mögliche Compliance-Verfehlungen melden können. Das soll etwa illegale Absprachen oder sonstiges Fehlverhalten verhindern, die unsere Volkswirtschaft nach Berechnung der Linzer Johannes-Kepler-Universität immerhin mehr als 200 Milliarden Euro pro Jahr kosten.

Unternehmen müssen also handeln, falls sie das nicht schon getan haben. „Aber längst nicht alle sind dazu auch in der Lage“, sagt Stefan Sievers, Underwriting Manager Special Risks von Hiscox Deutschland. „Ihnen fehlen die personellen Ressourcen, Strukturen und oft genug auch die Kompetenz, um Vergehen innerhalb der Firma nachvollziehen, aufklären und zur Anzeige bringen zu können.“ Sievers sieht hier eine große Chance für Vermittlerinnen und Vermittler, denn der Beratungsbedarf sei enorm.

„Informationen über die Umsetzung der neuen rechtlichen Bedingungen können ein Türöffner für Beratungsgespräche sein“, sagt der Fachmann. Auf der anderen Seite stelle das Gesetz aber auch eine Herausforderung für die Branche dar. Sievers: „Im Jahr 2022 musste die deutsche Versicherungswirtschaft etwa 200 Millionen Euro an Entschädigungen zahlen. Dieser Wert könnte nun deutlich steigen.“

Bewusstsein schaffen

Eine wichtige Rolle könnten Vermittler auch bei der Beratung zu Cybergefahren spielen. Im Jahr 2023 hat nach einer Umfrage des Datenportals Statista mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen mindestens einen Cyber­angriff erlebt. Und trotzdem halten 80 Prozent der Entscheider ihr Unternehmen für ausreichend geschützt, stellt der Versichererverband GDV im Rahmen einer repräsentativen Forsa-Umfrage fest.

Vermittler können hier verdeutlichen, wie hoch die Gefahr tatsächlich ist – und das Thema zusammen mit dem Unternehmen angehen. Über Cybersicherheitschecks, die Betonung der Wichtigkeit von Back-ups und Mitarbeiterschulungen und mehr können Makler für Schutz und Versicherbarkeit sorgen.

Auf Seite der Versicherungen haben sich die Ergebnisse der Cyberanbieter seit 2020 übrigens verbessert oder sind stabil geblieben, stellt der Versicherungsmakler Aon in einer Marktprognose für 2024 fest. Das kommt laut den Analysten daher, dass sich die organisierte Cyberkriminalität seit 2019 auf Industrie- und Konzernunternehmen fokussiert habe. Und die Versicherer hier „eine positive Risikoauslese“ schafften. In allen Marktsegmenten wachse seit 2023 der Risikoappetit etablierter Cyberversicherer.

„Gleichzeitig steigt die Anzahl neuer Risikoträger am Cyberversicherungsmarkt, was den Anbieterwettbewerb zu Gunsten der Versicherungseinkäufer weiter anregt“, heißt es im Marktausblick. Und weiter: „Während im KMU-Segment kaum Prämienreduzierungen ohne Deckungseinschränkungen zu erwarten sind, kann im Bereich der Industrie- und Konzernunternehmen von differenzierten Ansätzen der Versicherer ausgegangen werden.“

KI als Helferlein

Eine wichtige Rolle bei alldem kann auch die künstliche Intelligenz (KI) spielen. „KI kann Versicherern helfen, gewerbliche Policen schneller zu zeichnen, Risikofaktoren exakt zu interpretieren und maßgeschneiderte Deckungsoptionen für Versicherte vorzuschlagen“, heißt es in einem Blog-Beitrag der Transformations-Plattform „Easy-Send“. Sie könne auch zur Analyse von Kundendaten, zur Aufdeckung von Betrug und zur Vorhersage künftiger Schadenfallkosten eingesetzt werden. Durch immer bessere Daten und immer ausgefeiltere Algorithmen werde die KI „einen immer größeren Einfluss auf das Underwriting von gewerblichen Versicherungen haben“.

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Was viele Unternehmen aktuell auch umtreibt, ist das Thema Nachhaltigkeit. „ESG ist ein sehr breites Feld und rückt insgesamt zunehmend nach oben auf der Unternehmensagenda“, sagt Reiner Schwinger, Leiter Mitteleuropa für Willis Towers Watson (WTW). „Umweltverschmutzung, Diskriminierung oder Menschenrechtsverstöße können ei­nen schwerwiegenden Reputationsschaden nach sich ziehen, nicht nur in den Augen der Öffentlichkeit, sondern auch in denen wichtiger Investoren oder Versicherer, die die Einhaltung von ESG-Kriterien vorschreiben. Unternehmen müssen sich dieser weitreichenden Folgen bewusst sein und sich ausreichend absichern.“

Das sieht auch der Versicherungsmakler Aon so und greift noch einmal den Makler als Schlüsselperson heraus: „Makler können mit ihrer zentralen Stellung, ESG-geschulten Mitarbeitenden und einer Vielzahl von Daten eine wichtige Rolle bei der Implementierung und Risikoabsicherung spielen. Es geht einerseits um moderne, maßgeschneiderte Versicherungs- und Risikotransferlösungen, die den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen“, heißt es im Report. Unternehmen sollten aber auch in die Lage versetzt werden, sich qualifiziert mit und für ESG­Themen im Wettbewerb zu positionieren.

Insgesamt prasseln derzeit einige Probleme auf Gewerbetreibende in Deutschland ein. Wohl dem, der einen kompetenten Vermittler an der Seite hat, der ihm die Risiken aufzeigt und passende Versicherungslösungen anbietet.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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