Neue Routen suchen?

Krieg in Nahost legt Lieferketten lahm

Vor Maklern und Versicherern von Lieferketten liegt offenbar einige Arbeit. Weil die Straße von Hormus derzeit dicht ist, stornieren Unternehmen im großen Maßstab Transporte. Doch wie die Unternehmensberatung Dun & Bradstreet auch mitteilt, suchen sie schon nach Alternativen.
Handelsschiff ankert vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate, weil die Straße von Hormus unterbrochen ist
© picture alliance / Anadolu | Stringer
Handelsschiff ankert vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate, weil die Straße von Hormus unterbrochen ist

Der Krieg im Iran hat Lieferketten im großen Stil unterbrochen. Ablesen lässt sich das daran, wie viele Transportcontainer gebucht werden – und wie viele storniert. Denn dieses Verhältnis ist in den ersten Tagen im März komplett gekippt, meldet die Unternehmensberatung Dun & Bradstreet.

Sie beobachtete: Vom 1. bis 3. März brachen die Buchungen für Containertransporte durch die Straße von Hormus im Vergleich zur Vorwoche um 59 Prozent ein. Zugleich zogen die Stornos um 364 Prozent an.

Besonders heftig schlug das Pendel am 3. März aus. An dem Tag stornierten Transportunternehmen 21.762 TEU (Twenty-foot Equivalent Units = 20-Fuß-Standardcontainer) für Importe. Neu hinzu buchten sie nur 1.915 TEU.

Laut Dun & Bradstreet betrifft das Phänomen vor allem Transportdienstleister (18,0 Prozent) und den Großhandel (27,5 Prozent). Was jetzt auch nicht wirklich verwundert. Insgesamt erkannte man, dass 3.373 Unternehmen in den erwähnten drei Tagen mindestens eine Lieferung in Zusammenhang mit der Straße von Hormus storniert haben. 80 Prozent davon sind Mikro- oder Kleinunternehmen mit weniger als 50 Leuten.

Betroffen sind insbesondere diese Warengruppen:

  • Maschinen und mechanische Anlagen
  • Fahrzeuge und Fahrzeugteile
  • Kunststoffe, Gummi, Papier und Holzprodukte
  • Lebensmittel wie Obst, Nüsse, Milchprodukte und Getreidezubereitungen
  • Metalle und chemische Produkte, etwa Aluminium, Kupfer und organische Chemikalien

Weitere Indikatoren legen nahe, dass sich Transportunternehmen intensiv nach alternativen Routen umsehen. Zum Beispiel in den Vereinigten Arabischen Emiraten über große Häfen wie Dschabal Ali in Dubai.

Für Makler und Versicherer sieht man deshalb Handlungsbedarf. „Wenn Stornierungen über mehrere Tage hinweg die Neubuchungen übersteigen, ist das ein klares Signal dafür, dass Unternehmen ihre Lieferketten kurzfristig neu kalibrieren“, sagt Dirk Radetzki, Leiter Zentraleuropa bei Dun & Bradstreet. „Für Risikomanagement- und Lieferketten-Teams wird es deshalb immer wichtiger, Handelsdaten, Unternehmensinformationen und Risikokennzahlen zusammenzuführen, um Störungen frühzeitig zu erkennen.“

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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