Dreimal höhere Aufwendungen nötig

Mini-Zinsen verteuern Pensionsverpflichtungen

Niedrige Zinsen und steigende Lebenserwartung machen den Unternehmen in Deutschland zu schaffen. Immer mehr Geld müssen sie für künftige Betriebsrentner zurücklegen. 2015 aber konnten die Dax-Konzerne aufatmen, ihre Pensionsverpflichtungen sind um 2,4 Prozent auf 364 Milliarden Euro gesunken.
© Willis Towers Watson
Die Grafik zeigt die verschiedenen Ausfinanzierungsgrade bei den Dax-Unternehmen.

„Pensionsverpflichtungen sind erst in Jahren fällig. Je stärker der Zinssatz für ihre Bewertung sinkt, desto mehr müssen Unternehmen, die nach internationaler Rechnungslegung bilanzieren, für ihre Pensionsverbindlichkeiten zurücklegen“, sagt Thomas Jasper, Leiter Ruhestandslösungen bei der Unternehmensberatung Willis Towers Watson. „Umgekehrt gilt: Ein Anstieg beim Rechnungszins bringt Entlastung.“ Und genau für diese Entspannung sorgte der Rechnungszins. Er war im Median um 25 Basispunkte auf 2,4 Prozent gestiegen.

Die Studie „Dax-Pensionswerke 2015“ basiert auf den Geschäftsberichten der Dax-Unternehmen. Per 21. März 2016 hatten 26 Indexmitglieder ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2015 vorgelegt. Bei den anderen berücksichtigten die Unternehmensberater die Vorjahreswerte.   

1,3 Prozent Rendite auf das Pensionsvermögen

Auf der Kapitalanlageseite konnten die Dax-Unternehmen einen leichtes Plus verbuchen: Das Planvermögen legte um 2,9 Prozent auf 235 Milliarden Euro zu. Für Auftrieb sorgten Kursgewinne am Aktienmarkt. Der Dax schloss das Börsenjahr mit einem Plus von 9,6 Prozent ab. Trotz ihres vergleichsweise niedrigeren Aktienanteils erzielten die Dax-Unternehmen für ihre Pensionsvermögen eine Rendite von 1,3 Prozent.

Erholung auch beim Ausfinanzierungsgrad: Er zeigt das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen und den Finanzmitteln, die zu ihrer Erfüllung zurückgestellt werden. 2015 stieg der Deckungsgrad im Dax auf durchschnittlich 65 Prozent (2014: 61 Prozent). Die Bandbreite bleibt jedoch unverändert groß (Deutsche Bank: 101 Prozent, Vonovia: 4 Prozent) und reflektiert die Vielfalt der Geschäftsmodelle und der damit verbundenen Finanzierungsstrategien.

„Seit jeher investieren ausländische Pensionsfonds ihr Pensionsvermögen ungleich stärker in den Aktienmarkt als deutsche Unternehmen. Zugleich besteht im Ausland eine Pflicht zur Ausfinanzierung, wodurch dort traditionell höhere Ausfinanzierungsgrade erzielt werden“, erklärt Alfred Gohdes, Chefaktuar bAV bei Willis Towers Watson, die wesentlichen Unterschiede.

bAV bleibt wichtige und gefragte Nebenleistung

Durch Dotierungen in Höhe von 9,9 Milliarden Euro (2014: 10,6 Milliarden Euro) haben die Dax-Unternehmen auch 2015 ihre Verantwortung für die Alterssicherung dokumentiert. Gleichzeitig sind aber die erwarteten Kosten für einen Euro Rente seit 2008 in der privaten und betrieblichen Altersversorgung dramatisch gestiegen, erklärt Gohdes am Rechenbeispiel für eine 35-jährige Person: „Vor zehn Jahren beliefen sich die erwarteten Kosten für eine kaufkraftgesicherte jährliche Altersrente von 1.000 Euro ab Rentenbeginn noch auf etwa 300 Euro pro Jahr. Heute muss ein 35-Jähriger dafür schon mehr als das Dreifache aufwenden.“

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