Umfrage

GKV-Kunden sehen sich vor allem als Kostenfaktor

Die Mehrheit der gesetzlich Krankenversicherten hierzulande erlebt sich im Umgang mit den Krankenkassen in erster Linie als wirtschaftlicher Faktor. Das hat eine Studie des privaten Klinikbetreibers Asklepios ergeben. Darüber hinaus herrsche große Unzufriedenheit mit Informationen und Transparenz der Krankenkassen, wie Asklepios mitteilt.
Arzt und Patientin
© picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose
Eine Ärztin berät eine Patientin: Viele GKV-Kunden haben das Gefühl, bei den Krankenkassen stehen die Kosten und nicht das eigene Wohl im Vordergrund.

Mit 77 Prozent hat die Mehrheit der gesetzlich Versicherten den Eindruck, Patienten werden von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor allem als wirtschaftlicher Faktor gesehen, bei dem nicht das Wohl, sondern die Kosten im Mittelpunkt stehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des privaten Klinikkonzerns Asklepios. Demzufolge sagen außerdem 86 Prozent der Befragten, dass lieber die behandelnden Ärzte über die beste Behandlung entscheiden sollten – und nicht die Krankenkassen.

Weitere 93 Prozent der Befragten finden zudem, dass die Prüfung von Qualität, Kosten und Leistungen durch eine unabhängige Instanz statt durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erfolgen sollte.

„Die überwältigende Mehrheit der gesetzlich Versicherten erlebt die Kostenträger in erster Linie als ökonomisch getriebene Institutionen, für die das Wohl der Mitglieder eine untergeordnete Rolle spielt“, interpretiert Kai Hankeln, Vorstandsvorsitzender der Asklepios Kliniken, die Studienergebnisse.

Gleichwohl wäre es an dieser Stelle interessant gewesen, zu erfahren, inwieweit die Befragten auch die deutschen Kliniken als „ökonomisch getriebene Institutionen“ wahrnehmen, wo doch die Krankenhäuser zunehmend unter finanziellen Schwierigkeiten leiden, aber das war naturgemäß nicht Gegenstand der Befragung durch den Asklepios-Konzern.

Aber zurück zu den tatsächlich vorliegenden Umfrage-Ergebnissen: Auch bei anderen Aspekten unterscheiden sich die Vorstellungen der Mitglieder deutlich von denen ihrer Versicherung, wie Asklepios weiter mitteilte. So ist jedem zweiten GKV-Kunden bei der Wahl eines Krankenhauses die Ergebnisqualität wichtiger als die Strukturqualität – also die Qualität der Ausstattung und der Personalbesetzung. Für 42 Prozent ist beides gleichermaßen wichtig. Bei der Ergebnisqualität zählt laut der Studienautoren, ob es zu Komplikationen kam oder ob Zweitoperationen notwendig werden. Doch auch bei diesen Zahlen ist der Kontext wichtig: Dass eine gute Ergebnisqualität in Zeiten des Fachkräftemangels in den Kliniken auf Dauer nicht ohne eine adäquate Strukturqualität zustande kommen kann, dürfte auch vielen Patienten der Asklepios-Kliniken einleuchten.

Ferner will die Studie große Defizite in den Bereichen Information und Transparenz aufgedeckt haben: So finden zwei Drittel der Befragten die Kosten für Behandlungen und Medikamente wenig transparent und 84 Prozent wünschen sich eine solche Info von ihrer Krankenkasse. Nur knapp jeder zweite Befragte gibt an, dass Zuzahlungen, die geleistet werden müssen, in seinen Augen von der Krankenkasse transparent und nachvollziehbar erklärt werden.

Weitere 57 Prozent der Umfrageteilnehmer wissen außerdem nicht, welche Informationen auf ihrer Versichertenkarte gespeichert sind. Und lediglich 19 Prozent haben jemals eine Einzelabrechnung angeschaut, 34 Prozent wissen nicht, dass das geht und bei 14 Prozent gibt es diese Möglichkeit bei ihrer Versicherung gar nicht.

Welche Leistungen Versicherte sinnvoll finden

Auf die Leistungen bezogen halten GKV-Versicherte vor allem Vorsorgeuntersuchungen (95 Prozent), Zahnzusatzleistungen (92 Prozent) sowie erweiterte Leistungen bei Schwangerschaft und Geburt (90 Prozent) für sinnvoll. Und: Jeder zweite Befragte findet, dass Behandlungen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt sind grundsätzlich gar nicht mehr übernommen werden sollten. 70 Prozent sind darüber hinaus dafür, dass Krankenkassen dazu verpflichtet werden sollten, Angebote, die augenscheinlich der Werbung und dem Marketing dienen – wie Wellness-Kurse – einzuschränken oder zu streichen.

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Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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