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PKV oder GKV – Knifflige Beratungsfrage für Makler

Privat oder gesetzlich krankenversichern? Viele tun sich mit der Entscheidung schwer. Makler sollten in der Beratung deshalb genau hinschauen: Für wen lohnt sich die PKV? Und welche Zielgruppen versprechen eine erfolgreiche Akquise?
Patient bei der Ultraschalluntersuchung: Bei der Systemfrage PKV oder GKV ist eine saubere Aufklärung durch Makler gefragt.
© picture alliance / dpa-tmn | Benjamin Nolte
Patient bei der Ultraschalluntersuchung: Bei der Systemfrage PKV oder GKV ist eine saubere Aufklärung durch Makler gefragt.

Gesundheit, liebe Beamte! Über die Frage „GKV oder PKV?“ müssen sich die rund 1,9 Millionen Staatsdiener innerhalb Deutschlands keine Gedanken machen. Zwar können sie sich theoretisch auch gesetzlich krankenversichern, mehr als 90 Prozent nutzen aber die Vorteile der privaten Anbieter.

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Wenig überraschend, angesichts der großzügigen Beihilfe von mindestens 50 Prozent, die der Staat ihnen bei Behandlungskosten gewährt; in manchen Fällen, etwa bei Pensionären, sind es sogar 70 Prozent oder mehr. Der Rest lässt sich über eine private Krankenversicherung günstig und passgenau abdecken. Selbst stets kritische Geister wie die Fachjournalisten vom Verbraucherportal „Finanztip“ kommen nicht umhin zu sagen: Da lohnt sich die PKV!

Bei Beamten ist die Sache also klar. Bei (fast) allen anderen muss man etwas genauer hinschauen. „Natürlich gibt es Personengruppen, die für die private Krankenversicherung mehr oder minder geeignet sind“, sagt Makler und PKV-Experte Sven Hennig. „Pauschal kann man die Frage, wer in die PKV sollte und wer besser gesetzlich versichert bleibt, aber nicht beantworten. Meine Kernaussage in der Beratung lautet immer: Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen.“

Wer darf in die PKV wechseln?

Und natürlich muss man zu einem Personenkreis gehören, der überhaupt in die PKV wechseln darf. Außer Beamten sind das (nur zur Erinnerung) Angestellte mit einem Jahreseinkommen über der Versicherungspflichtgrenze (Stand 2025: 73.800 Euro), Selbstständige und Freiberufler sowie Studierende. Doch unter welchen Umständen „lohnt sich“ für Angehörige einer dieser Gruppen die private Absicherung? Für wen ist sie geeignet?

Viele Fachleute glauben, dass die traditionelle Zielgruppenbeschreibung „jung, gesund, gutverdienend – oder eben Beamter“ heute zu kurz greift. „Die private Krankenversicherung ist längst kein Modell mehr, das nur für bestimmte Berufsgruppen oder Einkommensklassen interessant ist“, sagt beispielsweise Anja Glorius, Geschäftsführerin von KVoptimal.de. „Viel wichtiger als die Berufsbezeichnung oder das Alter ist die grundsätzliche Einstellung zur eigenen Gesundheitsversorgung.“

Als eigentliche Zielgruppe nennt die KVoptimal-Chefin daher „Menschen, die Wert auf eine hochwertige medizinische Versorgung legen und sich nicht auf ein überlastetes Gesundheitssystem verlassen wollen. Kurz gesagt: Der ,klassische‘ PKV-Kunde ist für uns jemand, der sich fundiert informiert, der strategisch denkt und dabei auch ein Einkommen hat, das eine nachhaltige Absicherung ermöglicht.“

PKV ist nichts für Sparfüchse

Definitiv nicht lohnenswert ist die private Krankenversicherung für Kunden, deren Hauptmotiv es ist, Kosten zu senken. „Zum Geldsparen, egal ob lang-, mittel- oder kurzfristig, eignet sich eine private Krankenversicherung sicher nicht“, bekräftigt Sven Hennig. Klar: Wer jung und gesund ist, kann eine leistungsfähige PKV abschließen, deren Beiträge womöglich sogar unter denen der GKV liegen. Der Grund: „Je jünger man beim Eintritt ist, desto günstiger fallen üblicherweise die Beiträge aus und desto länger können Altersrückstellungen gebildet werden“, erklärt Stefan Huhn, Vorstand der R+V Krankenversicherung. „Zudem haben junge Menschen meist einen besseren Gesundheitszustand. Dadurch profitieren sie länger von günstigen Konditionen und umfassendem Versicherungsschutz.“

Fakt ist aber auch: Gesundheitskosten werden in Zukunft weiter steigen. Gründe sind unter anderem die steigende Lebenserwartung und der medizinische Fortschritt mit neuen, besseren, aber eben auch teureren Behandlungsmethoden. Damit das im Alter für Privatversicherte nicht ausufert, greifen zwar die bekannten Vorkehrungen (Altersrückstellungen, Entlastungstarife und so weiter). Das langt aber nicht, um den Kostenanstieg komplett auszugleichen.

Leistungsunterschiede zur GKV enorm

Diese Einsicht ist bei den meisten Kunden inzwischen auch angekommen (oder sie sollten in der PKV-Beratung darauf aufmerksam gemacht werden). In der Folge zieht der Spargedanke bei vielen nicht mehr. Anja Glorius: „Das Argument, mit der PKV Geld sparen zu können, ist für mehr als 95 Prozent der Interessenten, mit denen wir sprechen, nicht zutreffend. Die PKV ist keine günstige Alternative zur GKV, sondern eine Investition in die eigene Gesundheitsversorgung.“

Dazu ein einfacher Vergleich der Leistungsstandards im Überblick. Er zeigt die Vorteile einer privaten Vollversicherung gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung:

  • Beispiel ambulante Versorgung: Die freie Arztwahl in der PKV ist in der GKV auf Ärzte mit Kassenzulassung beschränkt. Bei Medikamenten übernehmen die Privaten die Kosten meist vollständig, GKV-Versicherte müssen 10 Prpzent (mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro) zuzahlen. Gleiches gilt für medizinische Hilfsmittel. In der PKV ist die Erstattung hier vom jeweiligen Tarif abhängig. Und: PKV-Kunden warten meist wesentlich kürzer auf einen Termin beim Facharzt.
  • Beispiel Krankenhaus: In der PKV ist die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer enthalten. GKV-Patienten werden im Mehrbettzimmer untergebracht, sofern sie nicht kräftig zuzahlen (Zweibettzimmer um die 70 Euro/Tag, Einzelzimmer mehr als 100 Euro/Tag). Gleiches gilt für die Behandlung durch den Chefarzt. Auch zahlen Privatversicherte nicht den Krankenhauszuschlag von 10 Euro/Tag, der bei der GKV fällig wird.
  • Beispiel Zahnarzt: Die GKV leistet hier lediglich eine Grundversorgung. Für teuren Zahnersatz wie Implantate müssen gesetzlich Versicherte tief in die Tasche greifen. Die PKV übernimmt dagegen je nach Tarif bis zu 100 Prozent der Kosten für hochwertigen Zahnersatz.

Hinzu kommen große Unterschiede bei Leistungen wie der Kostenerstattung von Brillen oder Behandlungen beim Heilpraktiker. Letztere übernimmt die GKV im Gegensatz zur PKV normalerweise gar nicht. Und was den Kundenservice betrifft – da hat das Analysehaus Fralytics im März dieses Jahres „alarmierende Ergebnisse“ eingefahren, so das Fazit der Untersuchung. Tempo und Inhalt der Antworten auf einfache Fragen ließen bei zahlreichen Kassen erheblich zu wünschen übrig.

PKV – sinnvoll für Existenzgründer?

Tendenziell werden die Leistungsunterschiede zwischen GKV und PKV immer größer. Während die privaten Anbieter vertraglich vereinbarte Leistungen nicht eigenmächtig streichen oder verändern können, passiert genau das bei den gesetzlichen Kassen immer wieder – in der Vergangenheit etwa durch die Streichung der Erstattung bei rezeptfreien Medikamenten oder die Senkung der Zuschüsse beim Zahnersatz.

Zusammengefasst: Die private Krankenvollversicherung ist sinnvoll für diejenigen, die eine erstklassige medizinische Versorgung wünschen und die auch bereit und in der Lage sind, dafür Geld auszugeben. Das sind in der Regel Gutverdiener mit langfristig sicherem Einkommen, also Angestellte mit einem Jahreseinkommen über der Versicherungspflichtgrenze – aber auch Selbstständige mit einer sicheren Einkommensperspektive.

Existenzgründer zählen nach Ansicht von Sven Hennig eher nicht dazu: „Sie sollten nicht voreilig wechseln, denn gerade bei geringeren oder stark schwankenden Einkünften ist die PKV sicher nicht die richtige Wahl.“ Dennoch sollten Existenzgründer sich zu Beginn der Selbstständigkeit mit dem Thema beschäftigen und gegebenenfalls einen Optionstarif in Erwägung ziehen, um ihren Gesundheitszustand „einzufrieren“.

R+V-Vorstand Stefan Huhn verweist außerdem auf günstige Einstiegstarife für Gründerinnen und Gründer: „Menschen, die gerade in die Selbstständigkeit starten, brauchen eine Lösung, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kosten und Leistungen bietet. Unser Einstiegstarif beispielsweise geht in vielen Teilen über das gesetzliche Maß hinaus und ermöglicht es, den Schutz später ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erweitern.“

PKV – auch für Familien lohnenswert

In der Tat erschließen sich über günstige Tarife weitere Zielgruppen. Versicherungsberater Gerd Güssler, PKV-Beratung Freiburg, denkt dabei an sehr wohlhabende potenzielle Kunden, für die eine günstige PKV sinnvoll ist: „Wenn ich genug Geld habe und mir die Leistungsminderungen, die solche Tarife haben müssen, selbst finanzieren kann, dann kann das passend sein. Der Tarif deckt in so einem Fall die existenziellen Risiken ab, und den Rest bezahle ich aus dem eigenen Vermögen.“

Als weitere Zielgruppe nennt Güssler Ärzte und Zahnärzte, für die einige PKV-Unternehmen spezielle Tarife anbieten. Und schließlich kommen – entgegen der weitverbreiteten Meinung – auch Familien für eine private Krankenversicherung infrage. Zwar ist es richtig, dass es in der PKV – anders als in der GKV – keine Familienversicherung gibt und alle Angehörigen separat abgesichert werden müssen.

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Die beitragsfreie Familienversicherung der gesetzlichen Kassen ist aber manchmal gar nicht möglich. Sie kann nur genutzt werden, wenn die mitversicherten Personen kein oder nur ein geringes eigenes Einkommen haben. Und zum Einkommen zählen auch Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung. Außerdem wünschen sich viele Eltern gerade für ihre Kinder für den Fall der Fälle eine optimale medizinische Versorgung, die im GKV-Leistungskatalog oft nicht enthalten ist.

Statt im Krankheitsfall die Top-Versorgung selbst zu zahlen, fahren Eltern mit einem individuell vereinbarten PKV-Tarif oft besser. Ob die private Absicherung für Familien sinnvoll ist, hängt nach Güsslers Ansicht aber auch von der Größe der Familie ab. Und: „Ein weiterer Aspekt ist: Wie sieht meine künftige Rente aus? Zahle ich in die Deutsche Rentenversicherung ein, um den späteren Zuschuss zur PKV zu erhalten?“, so der PKV-Experte.

Fazit: Makler sollten bei jedem Kunden prüfen, welche Folgen ein Wechsel in die PKV hätte. Die Zielgruppe ist größer, als viele denken. Doch nicht immer ist die Frage „GKV oder PKV“ so leicht zu beantworten wie bei Beamten.

Autor

René Weihrauch arbeitet seit 35 Jahren als Journalist. Einer seiner Schwerpunkte sind Finanz- und Verbraucherthemen. Neben Pfefferminzia schreibt er für mehrere bundesweit erscheinende Zeitschriften und international tätige Medienagenturen.

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Eine Antwort

  1. Ein sehr schöner Artikel. Für Beamte ist die PKV so gut wie immer die bessere Lösung. Auch für Ärzte ist die PKV sehr attraktiv. Hier werden von einigen Gesellschaften auch Ärztetarife angeboten die nur Humanmedizinern und manchmal auch Zahnärzten exklusiv angeboten werden. Zudem gibt es bei den Ärzten und auch bei anderen Berufsgruppen die für die Rente in ein Versorgungswerk einzahlen die Besonderheit, dass im Alter alle Einkunftsarten zur Berechnung der GKV Beiträge herangezogen werden.
    https://www.versicherung-rechner.de/krankenversicherungen/private-krankenversicherung/versorgungswerk-krankenversicherung/

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