Im ersten Teil dieser Reihe hatten wir uns mit L-Lysin beschäftigt und erkannt, dass diese Aminosäure für mehr als nur die Prävention und Therapie von Herpes wichtig ist. Vergleichbar ist es mit L-Tryptophan. Viele werden die Aminosäure Tryptophan im Zusammenhang mit der Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Depressionen kennen. Bei Patienten, die darunter leiden, werden häufig niedrige Serotoninspiegel festgestellt. Dabei handelt es sich um ein Hormon, welches auch als Glücks- und Chefhormon bezeichnet wird.
Ist Serotonin im zentralen Nervensystem (ZNS), also im Gehirn, reichlich vorhanden, sorgt es für innere Ruhe, Ausgeglichenheit und hilft bei der Stressregulation. Serotonin selbst kommt jedoch nicht durch die Blut-Hirn-Schranke und muss deshalb im ZNS gebildet werden. Hier ist die Aminosäure Tryptophan die Ausgangssubstanz. Serotonin selbst ist wieder die Vorstufe von Melatonin. Einem anderen Hormon, das nicht nur für guten Schlaf sorgt, sondern auch Alterungsprozesse verlangsamen kann. Grob vereinfacht schaut die Stoffwechselkette wie folgt aus: Tryptophan à 5-HTP à Serotonin à Melatonin.
Die Bedeutung der Aminosäure Tryptophan geht jedoch weit über psychische Themen und Depression hinaus. Erniedrigte Tryptophanspiegel werden beispielsweise auch bei einer überforderten Körperabwehr, wie sie durch Aids oder rheumatische Erkrankungen auftreten kann, festgestellt (Dr. Strunz, Frohmedizin). Das aus Tryptophan hergestellte Serotonin senkt den Blutdruck, hat Einfluss auf Schmerzempfinden und Sexualität, ist an der Temperaturregelung beteiligt und ist wichtig für unsere Muskelbewegungen (Dr. Spitzbart, Das Blut der Sieger).
Das meiste Serotonin kommt im menschlichen Körper im Darm vor und spielt dort unter anderem eine wichtige Rolle für die Peristaltik, also die Darmbewegungen, welche den Verdauungsbrei durch den Darm befördern. Bei einem bestehenden Vitamin-B3-Mangel kann der Körper dieses Vitamin auch aus Tryptophan herstellen. Der Verbrauch von Tryptophan ist in diesem Fall jedoch sehr groß. Um ein Milligramm B3 herstellen zu können, werden etwa 60 Milligramm dieser Aminosäure verbraucht (Dr. Strunz und Andreas Jopp, Geheimnis Eiweiß). Vitamin B3, das auch Niacin genannt wird, kann den Blutdruck senken –ebenfalls den Cholesterinspiegel.
Ein Mangel an Niacin äußert sich in Reizbarkeit bis hin zu Depressionen und geistigen Störungen (Dr. Spirtzbart, Das Blut der Sieger). Außerdem kann die Umwandlung von Vitamin B6 in seine aktive Form beeinträchtigt werden, weiterhin Schwäche, Appetitverlust, Schafprobleme und Gedächtnisschwierigkeiten auftreten (Dr. Christina Schmidbauer et. al., Mikronährstoff-Coach®). Tryptophan wirkt also nicht nur direkt auf die Psyche, sondern auch indirekt, da bei Mängeln an dieser Aminosäure andere Stoffwechselprozesse nicht ablaufen können, beziehungsweise andere Mängel, wie B3, nicht durch Tryptophan ausgeglichen werden können.
Wie oben bereits erwähnt, gelangt Serotonin nicht durch die Blut-Hirn-Schranke. Deshalb ergibt es keinen Sinn, dieses Hormon direkt zuzuführen. Häufig wird deshalb empfohlen, Tryptophan einzunehmen, da dieses durch die Blut-Hirn-Schranke gelangt. Hierfür ist die Aminosäzre Tryptophan jedoch auf einen Transporter angewiesen und konkurriert um diesen mit anderen Aminosäuren wie Phenylalanin, Tyrosin und den als BCAA, beziehungsweise verzweigtkettigen Aminosäuren, bekannten Leucin, Isoleucin und Valin.
Um nun die Konkurrenz um den Transporter zu vermeiden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann das Verspeisen von Kohlenhydraten dabei helfen. Durch deren Verzehr steigt der Blutzuckerspiegel und damit der Insulinspiegel im Blut. Das Insulin lenkt nun die mit Tryptophan konkurrierenden Aminosäuren in die Muskeln um. So hat es freie Fahrt durch die Blut-Hirn-Schranke. Ein vergleichbarer Effekt ergibt sich, wenn vor der Einnahme von Tryptophan ein Muskeltraining absolviert wird.
Es gibt jedoch auch eine Alternative zur Aufnahme von Trypthophan, bei der kein Timing bezüglich der Nahrungsaufnahme notwendig ist. Statt direkt Tryptophan zuzuführen, kann auch das Stoffwechselprodukt zugeführt werden, in das Tryptophan bei Stoffwechselvorgang zu Sertonin umgewandelt wird: 5 HTP, auch Griffonia genannt. Dieses wird aus der afrikanischen Schwarzbohne hergestellt. Griffonia gelangt unabhängig des oben genannten Transporters durch die Blut-Hirn-Schranke. Außerdem spart dies den Stoffwechselschritt, erst aus Tryptophan 5-HTP (Griffonia) herstellen zu müssen. Das kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn der Körper nicht ausreichend mit Folsäure versorgt ist. Denn die Umwandlung von Tryptophan in 5-HTP ist von diesem B-Vitamin abhängig. Dabei ist zu beachten, dass Lagerung, langes Erhitzen und Aufwärmen den Folsäuregehalt von Nahrungsmitteln stark reduzieren kann.
Damit die nächsten Stoffwechselschritte (5-HTP à Serotonin à Melatonin) erfolgreich ablaufen können, sind weiterhin Vitamin B1, B6, Zink und Magnesium notwendig. Es verwundert also nicht, wenn es zur Wirksamkeit von Tryptophan bei der Therapie psychischer Erkrankungen und deren Prävention zu unterschiedlichen Studienaussagen kommt. Zum einen muss bei der Einnahme von Tryptophan sichergestellt sein, dass der Aminosäure der Transporter zur Verfügung steht, um überhaupt ins ZNS zu gelangen.
Zum anderen kann Tryptophan dort nur dann in angemessener Menge in die nächsten Stoffwechselschritte umgewandelt werden, wenn die dafür notwendigen Vitamine und Mineralien ebenfalls in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Ist das aufgrund von Mängeln nicht der Fall, funktioniert die Stoffwechselkette und die Umwandlung von Tryptophan nicht. Obwohl also vielleicht ausreichend Tryptophan im Körper vorhanden ist, kann dennoch in diesem Fall Serotonin und damit auch Melatonin nicht in der notwendigen Menge hergestellt werden. Dies ist vergleichbar mit einem Auto. Es nutzt nichts, nur den Tank mit Treibstoff zu befüllen. Auch andere Betriebsmittel mit Öl, Kühl- und Bremsflüssigkeit müssen in der richtigen Menge vorhanden sein, damit das Fahrzeug optimal funktioniert. Selbst wenn dies alles gegeben ist, braucht ein Verbrennungsmotor auch Sauerstoff, um den Treibstoff in Antriebsenergie umwandeln zu können. Ist dieser nicht ausreichend vorhanden, säuft der Motor ab.
Sind im Körper seit längerer Zeit stille Entzündungen vorhanden, so werden dadurch bestimmte Enzyme aktiviert, wie beispielsweise die Indolamin-2,3-Dioxygenase, kurz IDO genannt. Liegt eine erhöhte IDO-Aktivität vor, wird Tryptophan weniger in Serotonin, dafür mehr in Kynurenin, ebenfalls eine Aminosäure, umgewandelt. Gleiches kann bei einem Vitamin-B6-Mangel vorkommen.

(Quellle: www.inflammatio.de )
Eine Ansammlung von Kynureninsäure hat zur Folge, dass die Freisetzung von Glutamat und Dopamin im synaptischen Spalt gehemmt werden. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der bei depressiven Menschen und Personen mit Darmbeschwerden erniedrigt ist. Dopamin hat großen Einfluss auf das Belohnungszentrum (Nucleus accumbens) und ebenfalls auf das Essverhalten. Glutamat ist die Vorstufe des Neurotransmitters GABA (Gamma-Amino-Buttersäure). Diese wirkt im Gehirn beruhigend, angstlösend und dämpfend auf die Reizweiterleitung. Auch dieser Neurotransmitter spielt damit eine große Rolle im Kreislauf rund um das Belohnungszentrum des menschlichen Gehirns.
Wir sehen damit wieder psychische Zusammenhänge zum Tryptophanmangel. Auch in diesem Fall kann der Mangel an Tryptophan ernährungsbedingt und im Zusammenhang mit einem leaky Gut, dem löchrigen Darm und grundsätzlich einer Fehlbesiedlung im Darm stehen. Es gibt eine ganze Reihe von Zusammenhängen zwischen Darmbesiedlung, Psyche, Produktion von Neurotransmittern, Autoimmunerkrankungen und stillen Entzündungen. Im Falle einer erhöhten IDO-Aktivität kann eine Zufuhr von Tryptophan kontraindiziert sein, da damit nur der Stoffwechsel der Kynurine weiter angeregt wird und damit das Tryptophan nicht zu Serotonin verstoffwechselt werden kann. In diesem Fall ist zunächst nach den Ursachen der Entzündungen zu suchen und diese abstellen.

(Quelle: www.inflammatio.de )
Beim Vorliegen einer Fruktose-Malabsorption kann die verbleibende Fruktose die Aufnahme von Tryptophan ebenfalls hemmen. Auch in diesem Fall kann es vorteilhafter sein, auf Griffonia zurückzugreifen. Ein Stuhltest kann erste Hinweise auf eine Fruktose-Unverträglichkeit liefern. Ein anschließende H2-Atemgasanalyse kann den Verdacht erhärten.
Werden Antidepressiva in Form von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) eingenommen, sollte eine Tryptophan-Einnahme nur mit Rücksprache des behandelnden Arztes durchgeführt werden. Es droht ansonsten das Serotonin-Syndrom.
Wer aufhört, zu rauchen, beklagt häufig eine Gewichtszunahme. Auch hier kann Tryptophan helfen, das zu reduzieren. Hintergrund ist die Rolle im Bereich der oben genannten Appetitregelung durch Serotonin, sowie dessen positive Wirkung auf die Psyche im Gehirn. Das Gleiche gilt im Falle von Heißhunger auf Süßes. Beim prämenstruellen Syndrom (PMS) kann Tryptophan zusammen mit den Vitaminen B3 und B6 ebenfalls unterstützen. Durch die Hormonumstellung steigt der Verbrauch dieser Vitamine. Der Körper versucht den Mangel an B3 durch die Produktion aus Tryptophan zu kompensieren.
Das führt jedoch, wie oben erwähnt, zu einem massiven Verbrauch von Tryptophan. In der Folge entsteht hier nun ein Mangel, was zu Stimmungsschwankungen führen kann. Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von 50 bis 200 Milligramm Vitamin B6 am Tag, zusammen mit Tryptophan, zu einer deutlichen Reduktion der PMS-Symptome führen kann (Dr. Strunz und Andreas Jopp, Geheimnis Eiweiß). Eine weitere Studie hat gezeigt, dass dreimal täglich ein Gramm Tryptophan aggressives Verhalten reduziert, die Diskussionsbereitschaft erhöht und Konfliktsituationen eher als lösbar eingeschätzt werden.
Tryptophan findet sich beispielsweise in folgenden Nahrungsmitteln (Burgerstein, Handbuch Nährstoffe):

Einen erhöhten Bedarf an Tryptophan haben Kleinkinder, allgemein Kinder und Jugendliche im Wachstum, Personen, die Stress ausgesetzt sind, orale Verhütungsmittel nehmen und/oder an einer Fruktose-Intoleranz leiden.
Die empfohlene Zufuhr Tryptophan:

Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, geringe Stresstoleranz, Vorliebe für Süßes (Heißhunger), Verstopfung, Ein- und Durchschlafstörungen, Ängste, Aggressivität und Depressionen.
Bei Schlafstörungen erfolgt eine Einnahme von Tryptophan etwa 30 Minuten vor dem Schlafengehen. Bei depressiven Verstimmungen, Schmerzsyndrom, PMS und zur Appetitkontrolle wird Tryptophan verteilt über den Tag zu den Mahlzeiten eingenommen.
Bei schwerer Leberinsuffizienz und diversen Nierenleiden, während einer Schwangerschaft und der Stillzeit, bei Störungen des Aminosäurenstoffwechsels, bei der Einnahme von Antidepressiva, Parkinsonmedikamenten und Appetitzüglern sollte keine Einnahme erfolgen, beziehungsweise sollte diese mit den behandelnden Ärzten abgestimmt werden. (Quelle: Dr. Christina Schmidbauer et. al., Mikronährstoff-Coach®).
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