Aminosäuren, welche der Körper selbst nicht bilden kann und bei denen wir deshalb auf deren externe Zufuhr angewiesen ist, werden essenziell genannt. Davon gibt es acht: Isoleucin, Tryptophan, Threonin Methionin, Leucin, Valin, Phenylalanin und Lysin. Eine weitere namens Histidin hat eine kleine Sonderrolle. Dabei handelt es sich um eine semi-essenzielle Aminosäure. In bestimmten Situationen ist der Körper auf eine externe Zufuhr angewiesen.
Eine unzureichende Zufuhr von Lysin kann zu Wachstumsstörungen und einer reduzierten Immunfunktion führen (Burgerstein: Handbuch der Mikronährstoffe, 2002). Außerdem erhöht ein Mangel an dieser Aminosäure die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens von Herpes simplex. Dabei handelt es sich um das Virus, welches beispielsweise für die typischen Lippenbläschen bei vielen Menschen verantwortlich ist. Oft treten diese auf, wenn das Immunsystem, beispielsweise durch einen Infekt, anderweitig beschäftigt ist.
Im Stoffwechsel spielt Lysin eine wichtige Rolle beim Carnitin- und Fettstoffwechsel. Carnitin hilft dabei, dass Fettsäuren in Zellen eingeschleust und damit in den Mitochondrien, den Zellkraftwerken, verbrannt werden können. Einige Enzyme, welche bei der Krebsabwehr zum Einsatz kommen, sind ebenfalls lysinabhängig (Dr. Strunz: Frohmedizin 11/2009). Sowohl Arginin, als auch Lysin sind wichtige Aminosäuren für die Produktion des Human Growth Hormone HGH, welches als „Jungbrunnenhormon“ im Anti-Aging Bereich bekannt geworden ist (Dr. Spitzbarth: Das Blut der Sieger, 2, Auflage 2001).
Zusammen mit Vitamin C ist Lysin wichtig bei der Biosynthese von Kollagen und Elastin und kann sich damit auch positiv auf die Wundheilung auswirken. Das ist nicht nur wichtig für gesunde Gefäßwände. Bei Kollagen handelt es sich um ein Strukturprotein. Dieses kommt nicht nur in unseren Gefäßwänden vor, sondern auch in der Haut, den Knochen, Knorpeln, Sehnen und Bändern. Kollagen hat im menschlichen Körper einen Anteil von über 30 Prozent an der Gesamtmasse aller Proteine.
Zusammen mit der Aminosäure Prolin wird vermutet, dass Lysin die Wände der Blutgefäße vor atherosklerotischen Schäden bewahren kann. Hintergrund hierzu ist, dass die beiden Aminosäuren die Bindung von Lipoprotein an den Gefäßwänden verhindern können soll. Bei Lipoprotein a handelt es sich um ein Fett-Transportprotein, welches einen eigenständigen Risikofaktor für die Gefäßgesundheit darstellt. Es kann entzündliche Prozesse in den Blutgefäßen verursachen.
Jedoch ist zu berücksichtigen, dass Lysin die Aminosäure Arginin verdrängt. Darauf kommen wir unten im Zusammenhang mit Herpes noch genauer zu sprechen. Arginin wiederum steht im Zusammenhang mit der Produktion von Stickstoffmonoxid, welches gefäßerweiternde Eigenschaften hat.
Damit jedoch noch nicht genug. Auch beim Knochenstoffwechsel spielt das Mutitalent Lysin eine wichtige Rolle. Ein Teil des in der Nahrung enthaltenen Calciums wird über einen Transportmechanismus im Darm aufgenommen. Liegt nun ein Lysin-Mangel vor, kommt dieser Vorgang zum Stillstand und kann zu einer verminderten Calciumaufnahme auch in den Knochenzellen führen (Dietl H., Ohlenschläger G. 2003: Handbuch der orthomolekularen Medizin. Prävention und Therapie durch körpereigene Substanzen).
Hinzu kommt, dass Lysin die Wiederaufnahme von Calcium in den Nieren erhöht und somit dessen Ausscheidung reduziert. Auch Vitamin D verbessert übrigens die Aufnahme von Calcium im Darm.
Das Herpesvirus, welches bei vielen Menschen die typischen Lippenbläschen verursacht, benötigt zu seiner Vermehrung die Aminosäure Arginin. Wie oben bereits ausgeführt, verdrängt Lysin Arginin. Damit wird dem Herpesvirus die Vermehrung erschwert. In einem doppelblinden und placebokontrollierten Versuch konnte mit einer Behandlung von dreimal täglich einem Gramm Lysin die Schwere der Erkrankung reduziert und die Heilungsdauer deutlich verkürzt werden.
Entscheidend hierfür scheint aber die rechtzeitige Einnahme in der richtigen Dosierung zu sein. Gleich bei den ersten Anzeichen einer auftretenden Fieberblase sollten argininhaltige Lebensmittel weggelassen werden und mit der Einnahme von Lysin sofort begonnen werden. Arginin findet sich beispielsweise in Schokolade und Nüssen. Jedoch auch in vielen anderen Lebensmitteln. Dazu finden sich gute Übersichtsseiten im Internet.
Die prophylaktische Einnahme von Lysin kann die Perioden zwischen dem Auftreten erneuter Folgen des Herpesvirus verlängern. Das funktioniert aber nicht bei jedem Menschen gleich gut. Selbst wenn es bei einem selbst nicht hilft, bleiben noch immer die oben genannten positiven Effekte von Lysin.
Der tägliche Bedarf liegt bei etwa 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht bei Frauen und bei 9 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht bei Männern. Ein erhöhter Bedarf besteht bei Neugeborenen, Kleinkindern, Personen, welche eine Restriktionsdiät durchführen, und bei einer wiederauftretenden Herpes-Infektion. (Gröber U.: Orthomolekulare Medizin. Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte). Als therapeutische Dosis bei Herpes-Simplex-Infektionen kommen 3 Gramm am Tag zum Einsatz.
Zur Steigerung einer geschwächten Immunantwort, bedingt durch einen Lysin-Mangel, werden zwischen 1 bis 3 Gramm am Tag empfohlen. Augrund mangelnder Datenlage wird von einer Lysin-Zufuhr in therapeutischen Dosen bei einer bestehenden Schwangerschaft abgeraten (Burgerstein: Handbuch Nährstoffe 13. Auflage). Die maximale langfristige tägliche Dosis, bei der in Studien keine negativen Einflüsse auf die Gesundheit zu erwarten sind (UL), wurde mit 300 bis 400 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht angegeben.
In der Nahrung findet sich Lysin vor allem im Parmesan-Käse (3 Gramm Lysin pro 100 Gramm), in Thunfisch und Schweinfilet (jeweils 2,2 Gramm pro 100 Gramm), sowie in Sojabohnen (1,9 Gramm pro 100 Gramm) und Haferflocken (0,5 Gramm pro 100 Gramm).
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