Immer weiter nach oben: Die Zahl der Personen mit privaten Zusatztarifen zum GKV-Schutz ist nach Angaben des PKV-Verbandes innerhalb von zehn Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, nämlich von knapp 18 auf 23 Millionen im Jahr 2022. Und ein Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: „Es gibt derzeit keine Anzeichen dafür, dass dieser Trend nicht weiter anhält“, sagen Verbandsexperten. Für Maklerinnen und Makler heißt das: Hier ist noch einiges zu holen.
Am meisten achten die Deutschen bei ihrer Absicherung auf den perfekten Biss: Von allen privaten Zusatzversicherungen werden Zahnzusatzversicherungen am stärksten nachgefragt. Da decken sich Auskünfte von Versicherern mit den Angaben des PKV-Verbandes. „Immer mehr Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung setzen bei Zahnersatz, Kieferorthopädie und Prophylaxe auf die private Vorsorge“, so ein Verbandssprecher. Hintergrund: Der Bedarf an hochwertiger medizinischer Versorgung steigt, ohne dass die gesetzlichen Kassen die Kosten auch nur annähernd ersetzen.
Ein Beispiel: Etwa jeder zweite Deutsche geht inzwischen einmal im Jahr zur professionellen Zahnreinigung – eine Leistung, die die GKV nur anteilig oder gar nicht übernimmt. Ohne Zusatzversicherung sind die Kosten hier also zum größten Teil oder vollständig vom Patienten selbst zu tragen.
Auch beim Zahnersatz steigt offenbar die Einsicht in die Sinnhaftigkeit privater Zusatzversicherungen – mit gutem Grund: „Ohne Zusatzabsicherung müssen gesetzlich Versicherte selbst bei der einfachsten Zahnersatzvariante aktuell bis zu 40 Prozent der Kosten selbst tragen. Bei einer höherwertigen Versorgung steigt die selbst zu zahlende Summe noch weiter an“, so der PKV-Verband.
Dementsprechend geht der Trend im Zahnzusatzbereich zu qualitativ hochwertigen Produkten, wie Ulrich Mitzlaff, Vorstandssprecher der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK), feststellt: „Das sind vor allem Kombiprodukte, die sehr gute Leistungen für Zahnersatz, Zahnbehandlung und Prophylaxe erstatten. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten möchten sich Kunden vor Überraschungen absichern. Kaum jemand hat heutzutage mal eben ein paar Tausender für guten Zahnersatz frei herumliegen.“ Deshalb werde etwa bei der SDK vor allem der Premiumtarif mit 100 Prozent Erstattung sehr stark nachgefragt.
Barmenia-Experte Tobias Erdmann, Teamleiter der Produktentwicklung Kranken, weist darauf hin, dass bei guten Produkten neben Leistungen für hochwertige Kunststofffüllungen sowie Wurzel- und Paradontose-Behandlungen auch solche für schmerzlindernde Maßnahmen, etwa Akupunktur oder Hypnose, sinnvoll sein können. „Zudem sollten auch ausdrücklich Implantate eingeschlossen sein“, so Erdmann.
Abgesehen von Zahnzusatzversicherungen melden Versicherer hohe Abschlusszahlen auch im ambulanten und stationären Bereich, etwa zu Chefarztbehandlung und Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer. Wer vermeiden möchte, im Mehrbettzimmer mit drei schnarchenden Mitpatienten untergebracht zu werden, muss dafür selbst zahlen, im Einzelzimmer in der Regel eine dreistellige Summe pro Tag. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 7,2 Tagen (Stand: 2024, Quelle: Statistisches Bundesamt) kann da einiges zusammenkommen.
„Gerade stationäre Tarife erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, auch wenn sie nicht das Volumen der Zahnversicherung erreichen“, sagt denn auch SDK-Vorstandssprecher Mitzlaff. Seine Erfahrung, die Makler im Kundengespräch nutzen sollten: „Eine Leistung oberhalb des Höchstsatzes der Gebührenordnung für Ärzte, kurz: GOÄ, ist den Kunden zunehmend wichtig.“
Stephan Böhm, Hauptabteilungsleiter Markt, Produkte, Partner bei der Arag Krankenversicherung, nennt außer ambulanten und stationären Leistungen aber auch Auslandsreisekrankenversicherungen, wenn er nach beliebten Zusatzversicherungen gefragt wird.
Ebenfalls zunehmend im Fokus: Tarife zu Naturheilverfahren beziehungsweise Heilpraktikerbehandlungen. „Sie zählen zum Bereich der ambulanten Zusatzversicherung“, erklärt Böhm. „Hier sehen wir, dass Alternativen zu einer schulmedizinischen Heilbehandlung für Kunden von hoher und wachsender Bedeutung sind.“ Zwar spielen ambulante Tarife und speziell solche für Naturheilverfahren verglichen mit der Zahnversicherung noch „eine eher untergeordnete Rolle“, so SDK-Mann Mitzlaff. „Dennoch handelt es sich hier für die Versicherer und Vermittler um eine interessante und hochwertige Klientel. Denn dies sind meist gutverdienende Personen, die bereit sind, in eine optimale Gesundheitsversorgung auch entsprechend zu investieren.“
Zahnzusatz, Chefarztbehandlung, alternative Heilmethoden – Maklerinnen und Makler sind gefordert, die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden zu ermitteln und die besten Zusatzversicherungen für jeden Einzelfall zusammenzustellen. Einhelliger Rat aller Fachleute: „Jede Bedarfsermittlung muss den Kunden in seiner gesamten Lebenssituation abholen“, wie es Arag-Experte Böhm zusammenfasst. Das beinhalte auch die familiäre Situation. SDK-Vorstandssprecher Mitzlaff nennt ein Beispiel: „Wer etwa eine gute Zahnsubstanz geerbt hat und mit 40 Jahren noch keine größeren Probleme hatte, wird eine Zahnzusatzversicherung nicht als dringliches Problem ansehen – eventuell aber die Unterbringung im Krankenhaus, wenn es schon einmal negative Erfahrungen im Mehrbettzimmer gab. Auch die teure Zahnspange für die Tochter oder den Sohn bringen manchen zu der Überlegung, für die Zukunft besser eine Versicherung abzuschließen.“
Ebenfalls wichtig für die Beratung: „Makler sollten genau über die Leistungen der GKV aufklären und daraus den Bedarf des jeweiligen Kunden ableiten“, wie Tobias Erdmann von der Barmenia ergänzt.
In der Flut der Angebote an privaten Zusatzversicherungen ist es bisweilen eine Herausforderung, die besten Produkte zu identifizieren. Hilfreich können hierbei Ratings sein. So hat im Frühjahr 2024 das Analysehaus Franke und Bornberg seine neue Marktanalyse von Krankenzusatzversicherungen in den Bereichen Ambulant, Stationär und Zahn vorgelegt.
Knapp 700 Tarife von 40 Anbietern haben die Tester unter die Lupe genommen. Untergliedert waren die Bereiche noch einmal in die sechs Teil-Ratings Zahnersatz, Zahnbehandlung, Stationär, Sehhilfen, Naturheilverfahren und Vorsorge. Den Spitzenplatz belegte die SDK, die in jeder Kategorie für mindestens einen Tarif die Top-Bewertung FFF+ erhielt. Barmenia und Münchener Verein gelang das in fünf Teilbereichen.
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