Sie beziehen Öko-Strom, kaufen Bio-Obst und spenden regelmäßig für Greenpeace. Die Gruppe der Verbraucher, die in ihrem Alltag auf ökologische und soziale Kriterien achtet, wächst stetig. Wenn es um grüne Versicherungen geht, ist es mit einem konsequent nachhaltigen Lebensstil aber meist vorbei.
Zwar haben einige Anbieter schon den nachhaltigen Trend in ihren Produkten aufgegriffen, trotzdem war das Thema bisher ein Randaspekt im Versicherungsmarkt. Das beginnt sich jetzt zu ändern.
Mehrheit der Kunden überzeugt von Nachhaltigkeit
Und zu Recht, denn Potenzial ist auf der Seite der Verbraucher eindeutig gegeben, hat die Strategieberatung Zeb Consulting in einer Umfrage herausgefunden. So würden über 85 Prozent der Kunden bei gleichem Preis und gleicher Leistung zu einem nachhaltigen Versicherer wechseln.
Viele Befragte lehnen es darüber hinaus generell ab, dass ihre Beiträge in bestimmte Branchen investiert werden: So meinen 87 Prozent der Teilnehmer, ihnen sei wichtig, keine Unternehmen zu fördern, die Raubbau an der Natur betreiben. Immerhin gut 50 Prozent sprachen sich gegen Investments in Atomenergie oder Kohlekraft aus.
„Trotz dieser Beispiele haben die meisten Versicherungen das enorme Potenzial nachhaltiger Policen noch nicht erkannt“, sagt Zeb-Partner Matthias Uebing.
Auch, was das günstige Profil nachhaltiger Kunden angeht, stellt Marcus Reichenberg fest: „Nachhaltige Kunden haben ein günstigeres Risikoprofil als nicht nachhaltige Kunden. Auch wenn ich das persönlich seit Jahren der Versicherungswirtschaft zeige, will sich die Branche der aktuarischen Betrachtung nur zögerlich annähern. Ich sehe das mit vollständigem Unverständnis“, so der Prokurist von Greensurance weiter. Ziel des Unternehmens ist es, den Klimawandel zu stoppen.
„Wir entwickeln in Zusammenarbeit mit der Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt eigene Tarifbausteine. Diese grünen Tarifinnovationen bieten wir der Versicherungsbranche – also Versicherern wie Beratern – an“, sagt Reichenberg. Dabei fließt ein fester Anteil jedes Greensurance-Vertrags der Greensurance-Stiftung zu, die Umwelt- und Klimaprojekte selbstständig umsetzt.
Einige wenige Versicherer haben sich diesem Thema aber doch schon geöffnet.
Die Stuttgarter etwa. Sie hat ihre nachhaltige „Grüne Rente“ schon vor vier Jahren gestartet. Das Produkt läuft gut, berichtet Klaus-Peter Klapper, Leiter Produkt- und Vertriebsmarketing der Stuttgarter Lebensversicherung. 2016 habe man 2.032 Verträge abgeschlossen, insgesamt sind es 7.626 Stück.
„Dabei erkennen wir, dass Kunden unsere fondsgebundenen Produkte auch als ,Grüne Rente‘ immer stärker nachfragen. Und viele unserer Geschäftspartner berichten uns, dass das Thema Nachhaltigkeit in ihren Kundengesprächen immer wichtiger wird“, sagt Klapper.
Mikrofinanz und Ökostrom
In einer klassischen, einer fondsgebundenen Variante sowie als Drei-Topf-Hybrid bietet die Stuttgarter die Grüne Rente an. Beim klassischen Produkt fließen die Sparbeiträge in grüne Anlagen im Sicherungsvermögen.
Dazu zählen etwa Aktien nachhaltiger Unternehmen – in diesem Fall der Ökostrom-Anbieter Innogy –, Mikrofinanzfonds, die Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern eine Möglichkeit bieten, Kredite zu erhalten, oder Green-Bonds – Anleihen, bei denen Banken und Unternehmen Mittel für nachhaltige Projekte wie Klima- und Umweltschutz einsammeln.
Dabei überprüft das Institut für nachhaltiges, ethisches Finanzwesen – kurz Inaf – die Nachhaltigkeit der Anlage regelmäßig.
Jedes Jahr bekommen die Kunden außerdem einen detaillierten Anlagebericht über die nachhaltigen Investitionen im Rahmen der Grünen Rente. „Darin legen wir dar, in welche Projekte wir investiert haben“, sagt Klapper.
Bei den fondsgebundenen Tarifen hat der Versicherer auf die durchgängig nachhaltige Gestaltung geachtet. Neben nachhaltigen Fonds zur Kapitalanlage gibt es also auch für die Verrentungsphase eine nachhaltige Lösung.
Klapper: „Denn in dieser Phase fließt das Kapital meistens vollständig in das Sicherungsvermögen. Man kann aus unserer Sicht nur dann von einem durchgängig nachhaltigen Produkt sprechen, wenn es dafür auch Kriterien gibt.“
Eine steigende Nachfrage verzeichnet auch das Unternehmen „grün versichert“, das gemeinsam mit Versicherern nachhaltige Versicherungsprodukte entwickelt.
Worauf es dabei ankommt?
„Umfragen belegen, dass für Kunden bei einem nachhaltigen Versicherungsprodukt der wichtigste Punkt die Gewissheit ist, dass ihre Versicherungsbeiträge nicht in kritische Kapitalanlagen fließen und so keinen Schaden anrichten“, so Geschäftsführer Fabrice Gerdes.

Darüber hinaus zeichneten sich nachhaltige Versicherungsprodukte dadurch aus, dass sie im Leistungsfall nach Möglichkeit auch noch durch Mehrleistung eine nachhaltige Lebensweise belohnen.
„Beide Punkte werden bei den ,grün versichert‘-Tarifen erfüllt, sodass bei einer nachhaltigen Kapitalanlage gleichzeitig auch je nach Tarif eine Mehrleistung im Leistungsfall von bis zu 60 Prozent möglich ist“, sagt er.
Die „grün versichert“-Kfz-Versicherung hat die Itzehoer Versicherung aufgelegt.
Die „grün versichert“-Hausrat-, Unfall- und Wohngebäudeversicherung etwa liefern die NV Versicherungen.
Gerdes: „Darüber hinaus befinden wir uns in fortgeschrittenen Gesprächen mit einem Krankenversicherer und einem Lebensversicherer, sodass wir wahrscheinlich schon zur DKM ‚grün versichert‘-Krankenzusatz- und Lebensversicherungstarife vorstellen können.“
Wie sieht aber ein nachhaltiges Sachprodukt aus?
„Neben dem ‚grünen‘ Aspekt, dass für jeden neuen Vertrag ein Baum gepflanzt und dies transparent nachgewiesen wird, geht es bei unseren grünen Produkten vor allem darum, dass das gesamte Beitragsaufkommen und nicht nur ein Teil aus diesen grünen Produkten in nachhaltige Kapitalanlagen investiert wird“, sagt Arend Arends, Vorstandsvorsitzender der NV Versicherungen. „Das bedeutet, dass wir sicherstellen, dass dieses Kapital ausschließlich in Anlagen fließt, bei denen wir wissen, dass definierte Negativkriterien ausgeschlossen und ökologische und soziale Belange berücksichtigt werden.“
Ein nachhaltiges Versicherungsprodukt dürfe nicht einfach ein „normales“ mit grünem Anstrich sein, betont Arends. „Das merken Kunden schnell.“ Durchdacht muss es sein und auch konsequent „grün“.
So beteiligt sich die NV bei ihren Sachprodukten außerdem an den Mehrkosten für die Wiederbeschaffung von nachhaltigen Möbeln und Geräten – etwa Elektrogeräte mit der Zertifizierung „Der blaue Engel“ oder „Energy Star“.
Und bei der Unfallversicherung beispiels- weise erhöht sich die Invaliditätsleistung um 10 Prozent, wenn der Unfall im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit passiert ist.
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