Pfefferminzia: Wann ist eine Gesundheitsprüfung beim Abschluss einer privaten Unfallversicherung notwendig?
Ienje Gatz: Jeder Versicherer entscheidet das anhand seiner Unternehmensphilosophie. Gesundheitsfragen in der Unfallversicherung liegen im Trend, denn sie ermöglichen es, mehr Menschen zu versichern. Ohne Gesundheitsfragen werden viele Personen abgelehnt, deren individuelles Risiko durchaus versicherbar wäre. Gerade bei Selbstständigen reicht der erhältliche Schutz oft nicht aus. Über Gesundheitsfragen kann die Branche individuellere und bessere Produkte anbieten.
Welche Vorerkrankungen führen in der Regel zur Ablehnung oder zu Risikozuschlägen?
Es gibt Erkrankungen, die sehr schadenträchtig sein können wie etwa Epilepsie. Erkrankte verlieren hier bei einem Anfall häufig spontan die Körperspannung und das Bewusstsein. Typischerweise sind das Erkrankungen, für die im sozial- und arbeitsmedizinischen Bereich ein Berufsverbot besteht, weil das Gefährdungspotenzial zu hoch wäre. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente etwa in Folge eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls kann das Unfallrisiko erhöhen. Es gibt keinen Branchenkonsens, auch hier agiert jeder Versicherer individuell.
Setzen Rückversicherer stets eine Gesundheitsprüfung voraus?
Insbesondere ab einer bestimmten Versicherungssumme – etwa in Millionenhöhe – ist dies unerlässlich, um das Risiko abzusichern. Wir stellen aber nicht automatisch ab Summe X pauschal die gleichen Fragen. Als Rückversicherer passen wir uns hier auch der jeweiligen Philosophie des Erstversicherungsunternehmens und des von ihm entwickelten Produkts an.
Wie beurteilen Sie die Verständlichkeit der Gesundheitsfragen?
Sie könnte besser sein. Die Fragen müssen vom Risikoprüfer der Erstversicherung, der Schadenabteilung, dem Rückversicherer und dem Endkunden gleichermaßen verstanden werden. Viele Fragen wurden über den Verbraucherschutz eingeführt oder modifiziert, sind dadurch aber nicht unbedingt verständlicher geworden. Die Verwendung von medizinischen Fachbegriffen etwa ist grundsätzlich problematisch. Es gibt zum Beispiel viele Formen von Epilepsie. Auch was man unter „chronisch“ versteht, erschließt sich einem Laien nicht zwangsläufig. Wir empfehlen daher, bei der Erstellung der Fragen möglichst alle betroffenen Seiten miteinzubeziehen und mit Menschen, die nicht in der Versicherungsbranche arbeiten, zu testen.
Worauf müssen Kunden bei den Gesundheitsfragen besonders achten?
Wenn Sie als Kunde ehrlich antworten, kann eigentlich nichts unter den Tisch fallen. Wer eine Frage nicht versteht, kann das im Fragebogen vermerken oder beim Versicherer nachfragen. Die meisten Versicherer bieten hierzu telefonischen Service an. Auch der Vertrieb ist durchaus in der Lage, zu unterstützen. Ich sehe auch immer wieder, dass Kunden von sich aus ihre Krankenakten einreichen, um Fehler zu vermeiden und die gewünschte Unfallversicherung zu erhalten.
Welche Ansätze aus der Verhaltensökonomie können dem Berater helfen?
Ganz klassische Dinge: Wenn ein Vermittler seinem Kunden die Fragen vorliest und dabei in der Frage abbricht, dann ist das Verständnis beim Kunden automatisch geringer. Der Kunde sollte daher stets einen zweiten Antragsbogen haben und die Fragen mit dem Berater mitlesen. Selbst lesen ist immer eingängiger.
Mit welchen Tools können mögliche Risiken für die zukünftige Lebensqualität des Kunden identifiziert werden?
Die Digitalisierung ist hier nützlich, denken Sie an Zusatzfragen, die nur dann im Display erscheinen, wenn der Kunde eine Frage auf eine bestimmte Art und Weise beantwortet. Die Information kann so viel gezielter und feiner abgefragt werden, ohne dass der Fragebogen immer länger wird. Online-Anträge stoßen in der Branche auf großes Interesse, insbesondere die junge Kundengeneration erwartet das auch.
Will man seine Antworten nicht lieber schriftlich in der Hand haben?
Doch, denn auf der anderen Seite vermitteln schriftliche Anträge auch Sicherheit. Viele Menschen bitten ihren Berater daher, den online ausgefüllten Fragebogen auszudrucken. Wichtig ist, dass der Versicherer heute verschiedene Wege anbietet. Etwa 30 Prozent der Gesundheitsfragen werden digital erfasst, die Mehrheit wird noch auf Papier beantwortet, das ist aber auch je nach Produkt recht unterschiedlich.
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