Wer kümmert sich schon gerne um die eigene Vorsorge? Eine Berufsunfähigkeitsversicherung mögen viele haben – ebenso eine Bankvollmacht für den Partner. Aber ist man damit wirklich gewappnet für den Fall der Fälle? Wohl kaum. Hier sind die zehn größten Fehler der Vorsorge und jeweils der Rat, wie es besser geht.
Erstens: Der innere Schweinehund
Die Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Bevor sie sich für eine Ausgabe entscheiden, investieren sie viel Zeit, lesen Testberichte, wägen ab. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Natürlich ist die eigene Vorsorge kein angenehmes Thema. Da müssen wir aber durch! Oftmals ist es nur der erste Ruck, den wir uns geben müssen. Dann merken wir, dass die eigene Vorsorge gar nicht so schlimm ist, sondern im Gegenteil sogar ein gutes Gefühl von Sicherheit gibt.
Zweitens: Lückenhafte Vorsorge
Natürlich gilt: Sich um einen Teil der Vorsorge zu kümmern, ist besser, als es gar nicht zu tun. Doch wirklich abgesichert ist man erst, wenn alles steht. Zur bisherigen Altersvorsorge kommen folgende vier Säulen hinzu: 1) individuelle Vorsorgevollmacht, 2) Patientenverfügung, 3) Klärung der Finanzen im Pflegefall, 4) Testament. Sind alle vier Punkte geklärt, kann man sicher in die Zukunft zu blicken.
Drittens: Die falschen Berater
Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal. Denn nur ausgebildete Finanzberater können auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren. Voraussetzung für die Haftung: Eine Rechtsschutzversicherung inklusive Vertragsrechtsschutz.
Viertens: Vorsorge ist nicht gleich Vorsorge
In der Altersvorsorge gibt es keinen allgemeingültigen Masterplan. Jede Familiensituation ist individuell, jeder Mensch hat andere Wünsche und Bedürfnisse. Die Tipps und Pläne von Freunden lassen sich daher nicht einfach auf das eigene Leben übertragen. Und auch Berater, die einen vorgefertigten Vorsorgefahrplan aus der Schublade ziehen, erscheinen nicht sehr seriös. Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge. Darauf sollte individuell eingegangen werden.
Fünftens: Schwarze Schafe der Finanzbranche
Finanzmakler und -berater haben oftmals einen schlechten Ruf, denn immer wieder sorgen schwarze Schafe der Branche dafür, dass Verbraucher verunsichert sind. Sie sind allesamt Profis auf ihrem Gebiet, treten professionell auf, sind freundlich und vermitteln ein Gefühl von Sicherheit. Doch auf die Feinheiten kommt es an. Wenn der Berater ein bestimmtes Produkt geradezu aufdrängt, keine Bedenkzeit gibt und nicht auf die persönliche Situation eingeht, dann ist äußerste Vorsicht geboten.
Sechstens: Sich auf andere verlassen
Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Dieser weise Spruch gilt in der Vorsorgeplanung mehr denn je. Wer sich blind auf die Ratschläge anderer verlässt, könnte ein böses Erwachen erleben. Daher gilt immer: Recherchieren, lesen, die Meinung anderer einholen. Wer gut informiert ins Beratungsgespräch geht, der läuft seltener Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden. Und das hat einen weiteren Vorteil: Wer sich mit der persönlichen Vorsorge beschäftigt, weiß oftmals schon, was er möchte und was überhaupt nicht infrage kommt. Das erleichtert die Aufstellung des persönlichen Konzeptes ungemein.
Siebtens: Vorsorge-Flickenteppich
Im Laufe der Jahre schließen wir alle mehr oder minder viele Verträge zur Vorsorge ab – und zwar meist von verschiedenen Maklern, Banken und Versicherungen. Aufeinander abgestimmt sind allerdings die wenigsten. Dabei ist ein fein aufeinander abgestimmter Krisenplan wichtig, um im Ernstfall alle Eventualitäten abzudecken. Ein guter Berater geht auf die individuelle Situation seiner Kunden ein, ist empathisch und sensibel. Schließlich geht es um hochemotionale Themen.
Achtens: Sinnlose versus sinnvolle Versicherungen
Es gibt Versicherungen, die nicht notwendig sind und solche, die jeder haben sollte. Doch welche sind wirklich vonnöten? Zu den wichtigsten Versicherungen zählen die Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Unfallversicherung und eine Privathaftpflicht. Wer seinen Kindern später nicht auf der Tasche liegen möchte, sollte auch den Pflegefall unbedingt absichern.
Neuntens: Hochriskante Anlagen
Die eigene Altersvorsorge sollte Sicherheit bringen. Anlagen in hochriskante Produkte des sogenannten Grauen Kapitalmarktes sind da der falsche Weg – auch wenn Berater hohe Renditen versprechen. Finger weg von Unternehmensbeteiligungen, Diamantenhandel oder Termingeschäften. Denn deren Seriosität ist sehr unterschiedlich.
Zehntens: Alles auf eine Karte setzen
Anlagen sind nicht per se schlecht. Nur die richtigen sollten es sein. Und keinesfalls nur auf eine Anlageart setzen. Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge sollten Verbraucher etwa auch in offene Fonds oder Immobilienwerte investieren. So sinkt das Risiko, Vermögen zu verlieren und die Chancen auf hohe Renditen steigen.
Margit Winkler (Foto) ist Inhaberin des Instituts Generationenberatung. Als unabhängige Finanz- und Marketingfachfrau ist sie für Banken oder deren Verbundpartner im Vorsorgebereich tätig.
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