Erfolg beginnt im Darm

Warum guter Wille zum gesunden Leben oft nicht ausreicht

Fast jeder weiß heute, dass zu viel Zucker nicht gesund ist und wie eine ausgewogene Ernährung ausschauen könnte. Warum fällt es dann so vielen so schwer, ihre Ernährung nachhaltig zu verändern? Weshalb scheitern die guten Vorsätze zum Jahreswechsel regelmäßig? Weshalb sind immer mehr Menschen in den Industrieländern müde und bleiben unter ihrer Leistungsfähigkeit? Hier gibt es die Antworten.
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Eine falsche Ernährung kann sich negativ auf das seelische Wohlbefinden auswirken.

„Wenn du im Leben mehr erreichen willst, musst du groß denken – think big“. „Wenn du erfolgreich werden willst, musst du dir große Ziele setzen, diese schriftlich fixieren und dann jeden Tag ein Stückchen an der Umsetzung arbeiten“. „Stelle dir vor, dass du das, was du erreichen willst, bereits erreicht hast“.

Jeder von uns hat vermutlich schon einmal eine dieser Aufforderungen in dieser oder jener Variante gehört oder gelesen. Ob es nun darum geht, beruflich erfolgreicher zu werden oder ein gesünderes Leben zu führen. Kurzfristig mag es mit der Umsetzung bei einigen funktionieren. Langfristig fallen viele aber in alte Gewohnheiten zurück. Die Empfehlungen haben häufig keine nachhaltigen Wirkungen. Das gilt im Beruf und auch bei den guten Vorsätzen zum neuen Jahr.

Richtige Einstellung oder richtige Hormone? Was ist stärker?

Haben Sie schon einmal etwas von Serotonin gehört? Das ist ein Hormon, das häufig auch als Glücks- oder Chef-Hormon bezeichnet wird. Ist von diesem im Gehirn zu wenig vorhanden, ist man anfälliger für Stress, im schlimmsten Fall kann es zu Depressionen und Angststörungen kommen.

Bei Depressionen werden häufig zu niedrige Serotonin-Werte gemessen und deshalb oftmals Medikamente verschrieben, die den Spiegel dieses Hormons im Gehirn erhöhen sollen. Sogenannte Selektive-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Damit im Gehirn Serotonin hergestellt werden kann, ist als Vorstufe die Aminosäure Tryptophan notwendig. Ist davon nicht genug vorhanden, kann nicht ausreichend viel Serotonin produziert werden.

Eine gesunde Darmbesiedlung ist entscheidend

Was viele jedoch nicht wissen: 95 Prozent des im Körper vorkommenden Serotonins wird im Darm gebildet. Jedoch kann dies die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden! Die Vorstufe Tryptophan jedoch schon. Jetzt kommt ein spannender Zusammenhang.

Auch im Darm wird für die Serotonin-Produktion Tryptophan benötigt. Das kann durch Darmmikroben teilweise sogar selbst hergestellt werden (Bifidobacterium infantis). Ist nun aber die Darmbesiedlung, zum Beispiel durch eine Fehlernährung, aus der Balance geraten und sind damit in der Folge zu wenige dieser Bakterien vorhanden, kann auch weniger Tryptophan hergestellt werden.

Dieses fehlt nun auch im Gehirn, wo nun weniger Serotonin produziert werden kann. Man wird gereizter, ist weniger stressresistent, antriebslos und kann im schlimmsten Fall in eine Depression und/oder Angststörung rutschen. Bifidobacterium infantis ist damit ein gutes Beispiel (eines von vielen), wie die Darmbesiedlung indirekt und direkt Einfluss auf unsere Psyche haben kann.

Das richtige Mindset oder die richtigen Neurotransmitter?

Ein weiterer für die Stimmung wichtiger Neurotransmitter ist GABA (Gamma-Amino-Buttersäure). Dieser Botenstoff wirkt unter anderem dämpfend auf die Reizweiterleitung im Gehirn.

Auch GABA kommt, wie oben beim Serotonin ausgeführt, nicht, oder nur in geringen Mengen, durch die Blut-Hirn-Schranke. Es wird also, genau wie Serotonin auch, direkt im Gehirn produziert. Um nun einen weiteren Zusammenhang zwischen unserer Darmbesiedlung und der Psyche herstellen zu können, müssen wir einen kleinen Ausflug in die Biochemie machen.

Um GABA produzieren zu können, ist als Vorgängerstoff Glutamin notwendig. Allerdings kann GABA nicht direkt aus Glutamin hergestellt werden. Dafür muss es erst durch ein Enzym (Glutamat-Synthase) in Glutamat umgewandelt werden. Glutamat kann nun mit einem weiteren Enzym (Glutamat-Decarboxylase) in GABA umgebaut werden. Für diese Prozesse sind Mikronährstoffe notwendig, wie etwa Vitamin B6 und Co-Faktoren wie Zink. Die GABA-Produktion ist erst dann möglich, wenn diese Stoffe durch bestimmte Darmbakterien umgewandelt werden. Sind diese nun nicht ausreichend vorhanden, klappt’s eben nicht mit der GABA-Produktion im Gehirn.

Zu wenig GABA macht krank

GABA wirkt im Gehirn sogar noch stärker schlaffördernd als Melatonin. Das wiederum wird aus Serotonin hergestellt. Wissenschaftler haben festgestellt, dass bei einem Serotonin-Mangel auch die Wirkung von GABA eingeschränkt ist. Niedrige GABA-Konzentrationen werden mit folgenden Symptomen und Krankheiten in Verbindung gebracht:

  • Bluthochdruck
  • Heißhunger auf Süßigkeiten (hängt wieder mit Stress zusammen, der nicht runterreguliert wird)
  • Muskelverspannungen
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • nächtliches Schwitzen
  • chronische Schmerzen
  • Depressionen
  • Epilepsie
  • Schizophrenie
  • Impulsivität
  • Ungeduld
  • Ängste

GABA hat auch eine modulierende Wirkung auf das Immunsystem – es hilft, dass dieses nicht Amok läuft und sich gegen den Körper selbst wendet. Über bestimmte Rezeptoren auf den T-Zellen wird die Produktion von proentzündlichen Stoffen (Zytokinen) gehemmt. T-Zellen sind bestimmte Zellen des Immunsystems.

Selbst wenn nun alle Stoffe im Körper vorhanden sind, damit GABA produziert werden kann, klappt das nicht ausreichend, wenn bestimmte Darmbakterien fehlen, die diese Stoffe erst umwandeln müssen. Hier geht es um Stämme der Bifidobakterien und Lactobazillen.

Ist nun zu wenig GABA vorhanden, schläft der Mensch schlechter, ist stressanfälliger, wird unruhig, ungeduldig und hat eher Heißhunger auf Zucker und Süßes. Erhöhter Zuckerkonsum bringt wiederum das Darmmikrobiom aus der Balance – ein Teufelskreis.

Eine ungünstige Ernährung kann außerdem dazu führen, dass sich immer mehr Organfett (Viszeralfett) ansammelt. Dieses ist stoffwechselaktiv, kann ebenfalls zu einer erhöhten Ausschüttung proentzündlicher Zytokine führen. Dies belastet nicht nur das Immunsystem und kann so schwerwiegende Erkrankungen auf Dauer auslösen. Inzwischen ist auch bekannt, dass eine erhöhte Produktion dieser Stoffe die Ausschüttung von Serotonin senken kann.

Glück und Erfolg beginnen im Darm

Wer sich also wieder einmal fragt, weshalb es mit den guten Vorsätzen nicht klappt, sollte künftig daran denken, die Besiedlung seines Darmmikrobioms checken zu lassen. Bevor man also zum nächsten Motivations-, Erfolgs- oder Abnehmseminar geht, erst einmal prüfen, ob es nicht ein paar Milliarden Darmbewohner gibt, die das vermittelte Mindset im Anschluss permanent sabotieren. Sollte die Darmbesiedlung aus der Balance geraten sein, kann man diese durch Prä- und Probiotika, durch eine Ernährungsumstellung und Sport im individuell optimalen Umfang wieder herstellten. Die Saboteure werden zurückgedrängt und die Bakterien, die einem nun dabei helfen, die neue Lebensweise zu genießen, gestärkt. Fazit: Glück kann man essen und Erfolg beginnt im Darm.

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Autor

Joachim Haid ist Gründer des Gesundheitsprogramms PaleoMental®, zudem Gesundheitscoach und Heilpraktiker in Ausbildung.

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