Dass die Bruttoprämie mit Gewinnbeteiligung um 10 Prozent zurückging, ließ auch die Bruttoprämien in der Lebensversicherung insgesamt sinken. Ein Ergebnis des Niedrigzinsumfelds, das den Schwerpunkt von traditionellen Produkten mit Garantien schneller zu fondsgebundenen Versicherungen verlagert.
Während Verbraucher dadurch höhere Renditen erreichen können, beobachtet die Eiopa noch eine Reihe von Verhaltensproblemen. Insbesondere verstehen Verbraucher nach wie vor diese Produkte nicht gut genug, beziehungsweise sind einige Produkte sehr komplex. Darüber hinaus sind manche fondsgebundenen Produkte teuer und komplex und kommen mit hohen Provisionen daher. Was die Bedenken hinsichtlich möglicher Fehlverkäufe und des Preis-Leistungs-Verhältnisses weiter verstärkt.
Die Digitalisierung in der Branche hat sich weiter beschleunigt. Nationale Wettbewerbsbehörden berichteten über mehr Innovationen über den gesamten Produktlebenszyklus. Wobei Verkauf und Vertrieb die am stärksten betroffenen Teile sind:
Bei der Schadenbearbeitung hat sich einiges verbessert. Fortschritt durch Technik scheint die wichtigste Triebkraft zu sein, die mehr Vorgänge vereinfacht und automatisch ablaufen lässt. Insbesondere bei geringen und häufig auftretenden Schadenfällen.
Seite 2: Neue Lücken im Versicherungsschutz und Versicherer, die an Preisen schrauben
Nichtsdestotrotz werden weiterhin Probleme gemeldet, wobei neun nationale Wettbewerbsbehörden Schadenregulierung als Problembereich bezeichneten. Dabei geht es um: niedrigere Zahlungen als erwartet, langwierige und komplizierte Abwicklungsverfahren und unzureichende Begründungen, weshalb der Versicherer nicht zahlt. Das betrifft vor allem Auto-, Reise- und Haushaltsversicherungen.
Die Pandemie und mehr Naturkatastrophen werfen die Frage auf, ob einige Produkte nicht zu kompliziert sind. Nachdem die Schaden- und Kostenquoten für Betriebsunterbrechungs- und Reiseversicherungen stark stiegen, führten viele Versicherer weitere Ausschlüsse bei bestimmten Produkten ein. Oder sie nahmen Produkte vom Markt, wodurch sich Schutzlücken vergrößerten. Dem steht gegenüber, dass Verbraucher nach der Pandemie mehr Reiseversicherungen abschließen wollten und neue Produkte auf den Markt kamen, die mit Covid-19-Deckung warben.
Die Zunahme der systemischen Risiken macht deutlich, dass es nach wie vor Probleme mit unklaren Ausschlüssen, dem dafür nur begrenzten Verständnis der Verbraucher und einseitigen Änderungen der Bedingungen gibt, die über Reise- und Betriebsunterbrechungsprodukte hinausgehen.
Die nationalen Aufsichtsbehörden berichten über Probleme in der Hausrat- und Krankenversicherung. Dort stieg die Zahl der abgelehnten Schadenersatzforderungen in den Sparten Krankheitskosten (über 25 Prozentpunkte) sowie Feuer und sonstige Sachschäden (fast 30 Prozentpunkte).
Dieser Trend ist zwar noch nicht in ganz Europa verbreitet, aber mehr als die Hälfte der nationalen Wettbewerbsbehörden stellte fest: Versicherer berechnen die Prämien verstärkt mithilfe von Techniken, die das Risikoprofil der Verbraucher nicht berücksichtigen. Das ist auch unter dem Namen Preisoptimierungspraktiken bekannt und betrifft hauptsächlich Kfz (59 Prozent der gemeldeten Fälle) und Haushalt (29 Prozent der gemeldeten Fälle).
Die Praktiken sind in erster Linie Ergebnis starker Konkurrenz und neuer Techniken, die durch moderne Datenverarbeitung und Analytik möglich werden.
Wichtigste Folge sind höhere Prämien für alte, loyale und schutzbedürftige Verbraucher. Es wurden auch Fälle von unrechtmäßiger indirekter Diskriminierung beobachtet, was längerfristig mehr Verbraucher finanziell ausgrenzen könnte.
Seite 3: Private Altersvorsorge greift weiter um sich
Nicht alle Mitgliedstaaten in der EU haben gut entwickelte und ausgewogene Pensions- und Rentensektoren, die Staatliches (erste Säule), Betriebliches (zweite Säule) und Persönliches (dritte Säule) kombinieren.
Aufgrund von Wirtschaft und Politik in den Mitgliedstaaten verlagern sich Lasten von den staatlichen Renten auf die privaten Rentenanbieter, die infolgedessen oft eine wichtigere Rolle spielen, um ein angemessenes Alterseinkommens zu sichern:
Langfristiges Sparen für die Rente kann die Realwirtschaft finanzieren und ermöglicht es den Rentensparern, am Wirtschaftswachstum teilzuhaben. Darüber hinaus kann die Altersvorsorge eine wichtige Quelle für nachhaltige Finanzierungen sein. Doch wegen der langfristigen Anlageperspektive müssen Umweltrisiken und ESG-Faktoren eine Rolle spielen.
Marktteilnehmer passen derzeit ihre internen Anlagestrategien und Offenlegungsunterlagen an die im Mai 2021 in Kraft getretene Offenlegungsverordnung (SFDR) an. Außerdem überarbeiten sie ihr Produktangebot, um dem wachsenden Interesse an nachhaltigen Anlagen gerecht zu werden. Es ist allerdings noch zu früh, um zu bewerten, wie sich das alles weiter auswirkt, auch in Bezug auf das sogenannte Greenwashing, bei dem sich Anbieter nachhaltiger darstellen als sie eigentlich sind.
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