Ein Gläschen in Ehren…

Ist Alkoholkonsum gesund?

Wie ist das nun mit Alkohol? Ist sein Genuss grundsätzlich schädlich, oder ist ein Gläschen Rotwein am Tag nicht doch eher der Gesundheit zuträglich? Gibt es Schwellenwerte, an denen man sich orientieren kann? Hier kommen die Antworten.
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Alkohol sollte so wenig wie möglich genossen werden und wenn, dann in entspannter und geselliger Runde.

Alkohol wird häufig als legale Gesellschaftsdroge bezeichnet. Dass er in größeren Mengen genossen gesundheitlich bedenklich ist und abhängig machen kann, ist bekannt. Häufig finden sich jedoch auch Hinweise auf gesundheitlich positive Auswirkungen. Zeit, sich einmal dem Thema Alkohol aus verschiedenen Blickwinkeln zu widmen.

Wie entsteht Alkohol?

Alkohol entsteht durch die Vergärung von Kohlenhydraten. Bei natürlichen Prozessen wird ein Alkoholgehalt von maximal rund 15 Volumenprozent erreicht. Gesteigert werden kann dies durch Destillation. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass eine Fehlbesiedlung des Darms zu einer verstärkten Ansiedelung mit Hefepilzen führen kann. Diese sind ebenfalls in der Lage, Kohlenhydrate zu Alkohol vergären. Der Mensch produziert in diesem Fall seinen Alkohol selbst, weshalb dies auch Eigenbrauer-Syndrom (Auto-Brewery-Snydrome) genannt wird. Auch dieser Alkohol wird primär über die Leber abgebaut. Da nun praktisch ständig im Körper Alkohol erzeugt wird, belastet dies das Organ sehr stark.

Liegt eine moderate Hefepilzbesiedlung vor, so kann sich das in Abgeschlagenheit und Müdigkeit äußern. In schlimmeren und langanhaltenden Fällen können die gleichen Schäden wie bei Alkoholmissbrauch entstehen: Leberverfettung bis hin zur Leberzirrhose. Sollten bei einer Blutuntersuchung schlechte Leberwerte vorgefunden werden, obwohl Sie kaum,oder nur wenig Alkohol trinken, dann sollten folgende Punkte geklärt werden: Liegt eine Fehlbesiedlung mit Hefepilzen im Darm vor, oder verzehren Sie viel Fruktose, vor allem durch Säfte und gesüßte Getränke? Denn auch ein zu hoher Fruktosekonsum kann zu einer Fettleber führen. Eine mögliche Hefepilzbesiedlung kann mit entsprechenden Stuhl-Tests festgestellt und im Falle eines positiven Befunds therapiert werden.

Das französische Paradoxon

Obwohl in Frankreich vergleichbar viel Käse, also gesättigte Fettsäuren, verzehrt und Rotwein getrunken wird, ist die Rate für Herz-Kreislauf-Erkrankungen niedriger, als in anderen Ländern. Dies wird als das französische Paradoxon bezeichnet. Meist wird das in Zusammenhang mit Polyphenolen gebracht, welche in der Traube vorhanden sind. Resveratrol ist beispielsweise solch ein Pflanzenstoff, welcher antioxidative Wirkung hat. Vor allem in der Haut von roten Trauben ist es enthalten. Dieses Antioxidans kommt jedoch auch in alkoholfreiem Rotwein vor.

Vermutlich sind jedoch eher andere Effekte der Hintergrund für die niedrigeren Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Frankreich. Zum einen ist inzwischen bekannt, dass nicht primär Fett das Risiko erhöht, sondern ein übermäßiger Verzehr von schnellen Kohlenhydraten die Blutfettwerte (Triglyceride) ansteigen lassen. Hinzu kommt, dass Weintrinker das Getränk meist in entspannter Atmosphäre genießen und das häufig in geselligen Runden mit guten Freunden oder Familienangehörigen. Niedrige Stresswerte und positive soziale Interaktion senken das Risiko für Herzkrankheiten.

Das soll jedoch kein Freifahrtschein für täglichen Alkoholkonsum sein. Zum einen wird beispielsweise auch grüner Tee häufig in Ruhe genossen, zum anderen braucht es natürlich keinen Alkohol, um gute Gespräche mit Freunden und Familie zu führen und sich zu amüsieren. Denn eines ist klar: Alkohol ist ein stark suchterzeugender Stoff. Etwa jeder Zehnte, der regelmäßig Alkohol trinkt, wird körperlich davon abhängig.

Folgen des Alkoholabbaus

Bei Alkohol handelt es sich um ein Zell- und Nervengift. Ist dieses im Körper vorhanden, muss es schnellsten abgebaut und ausgeschieden werden. Deshalb werden andere Stoffwechselprozesse, wie beispielsweise der Zuckerstoffwechsel, gehemmt und heruntergefahren und der Fokus auf die Entfernung dieses Giftes gelegt.

Wer abnehmen möchte, sollte allein schon deshalb auf Alkohol möglichst verzichten. Der primäre Abbau findet in der Leber statt. Lediglich rund 5 Prozent werden über die Nieren oder die Lunge ausgeschieden. Das wird bei Verkehrskontrollen eingesetzt. Beim Alkoholabbau spielen Enzyme eine große Rolle, beispielsweise die Alkoholdehydrogenase. Diese kann erblich bedingt nur reduziert vorhanden sein. Das ist der Grund, weshalb Asiaten in der Regel Alkohol schlechter vertragen als Europäer. Zur Zeit des Oktoberfestes in München ist das täglich zu beobachten.

Die enzymatischen Prozesse benötigen unter anderem Zink als Co-Faktor, weshalb dieses Mineral durch Alkoholkonsum stark verbraucht wird. Zink ist an 200 bis 300 Stoffwechselprozessen beteiligt. Wird es für den Alkoholabbau stark verbraucht, stehen für andere Prozesse zu wenig, oder gar kein Zink mehr zur Verfügung. Wie gut das Immunsystem einen vor Infekten schützen kann, steht beispielsweise im engen Zusammenhang damit, wie gut der Körper mit Zink versorgt ist.

Dieses Mineral sorgt auch dafür, dass sich Erreger schlechter in Schleimhäuten einnisten können, wodurch die Infektanfälligkeit sinkt. Durch die Abbauprozesse und den verstärkten Harndrang werden außerdem folgende weitere Mikronährstoffe verbraucht beziehungsweise deren Aufnahme gehemmt:

  • B-Vitamine
  • Selen
  • Magnesium

Beim Alkoholabbau entsteht Acetaldehyd, ebenfalls ein giftiger Stoff. Dieser kann sich auch bei PET-Flaschen lösen und so in den Körper geraten. Vor allem bei kohlensäurehaltigen Getränken. Außerdem entsteht dabei oxidativer Stress. Um diesem zu begegnen muss der Körper Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E einsetzen.

Folgeschäden durch regelmäßigen Alkoholkonsum

Alkohol liefert mit 7 Kalorien/Gramm ziemlich viel Energie. Nur Fett mit 9 Kalorien/Gramm stellt dem Körper mehr zur Verfügung. Dennoch kann diese Energie im Körper nicht gespeichert und auch von den Muskelzellen nicht verwertet werden. Gleichzeitig enthalten alkoholische Getränke so gut wie keine Mikronährstoffe. Wie oben beschrieben, werden beim Alkoholabbau diese teilweise sehr stark verbraucht. Deshalb ist Alkohol ein regelrechter Mikronährstoffräuber. Das schwächt den kompletten Körper.

Durch Alkohol erhöht sich die Permeabilität der Darmschleimhaut. Keine gute Nachricht, sollte man bereits einen Leaky Gut haben. So können Erreger und Giftstoffe in den Blutkreislauf eintreten. Dies führt zu einer zusätzlichen Belastung der Leber. Weiterhin fördert der Konsum eine Fehlbesiedlung des Darms mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen. Auch bei moderatem Konsum gibt es deshalb keinen kritischen Schwellenwert.

Besonders belastet durch den Alkoholkonsum werden Speiseröhre, Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse und die Leber, aber auch das Skelett, die Muskulatur, Haut, das Nerven-, Immun- und Herz-Kreislauf-System können in Mitleidenschaft gezogen werden. Alkoholbedingte Leberschäden sind Fettleber, alkoholbedingte Hepatitis, Leberzirrhose und Leberkrebs. Auch bei der Speiseröhre, dem Magen und dem Darm kann das Krebsrisiko steigen.

Richtwerte für Alkoholkonsum?

Es ist deshalb verständlich, dass es eigentlich nur einen Richtwert für Alkoholkonsum geben kann: 0,0. Als akzeptabel werden meist rund 10 Gramm Alkohol pro Tag für Frauen und maximal 20 Gramm für Männer angegeben. Diese Werte sind jedoch relativ schnell erreicht. So liefert ein kleines Glas Bier (0,3 Liter – das gibt es in Bayern in der Regel nicht) mit 5 Prozent Alkohol bereits 12 Gramm. Ein Glas Rotwein, 12 Prozent Alkoholgehalt, rund 14 Gramm. Ein Glas Sekt mit 10 Prozent rund 8 Gramm. Bereits mit zwei Gläsern Rotwein wäre die gerade noch akzeptable Menge also überschritten.

Fazit

Alkohol sollte so wenig wie möglich genossen werden und wenn, dann in entspannter und geselliger Runde. Wer regelmäßig bis täglich Alkohol konsumiert, sollte immer wieder mehrere Wochen (mindestens sechs) komplett darauf verzichten. Die anstehende Fastenzeit ist zum Beispiel eine gute Gelegenheit dafür. Gelingt dies ohne Probleme, spricht nichts gegen ein Gläschen ab und an. Gelingt dies jedoch nicht, besteht dringender Handlungsbedarf.!

 

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Autor

Joachim Haid ist Gründer des Gesundheitsprogramms PaleoMental®, zudem Gesundheitscoach und Heilpraktiker in Ausbildung.

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