Digitalisierung

Krankenkassen finden Pläne des Gesundheitsministers übereilt

Spätestens ab 2021 sollen gesetzliche Krankenversicherte auf ihre Patientenakte in digitaler Form zurückgreifen können. So steht es im Terminservice- und Versorgungsgesetz des Gesundheitsministeriums. Doch die Krankenkassen sehen den Termin als nicht realisierbar an.
© Siemens-Betriebskrankenkasse
Hans Unterhuber, Vorstand der Siemens-Betriebskrankenkasse, hält den Zeitdruck zur Umsetzung einer digitalen Patientenakte für kontraproduktiv.

Der Zeitdruck im Aufbau einer elektronischen Patientenakte sei kontraproduktiv, befand der Vorstandschef der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK), Hans Unterhuber, im Tagesspiegel. Ähnlich wie mit der elektronischen Gesundheitskarte werde „wieder viel Geld in den Sand“ gesetzt. Zudem würden die Versicherten schwer enttäuscht.

Das Angebot sei dann erstens hochkompliziert und zweitens nur eingeschränkt nutzbar. „Und für diese Enttäuschung unserer Versicherten werden wir immens viel Geld ausgeben“, heißt es in einem internen Papier von mehr als 90 gesetzlichen Kassen, das der Zeitung vorliege.

Warum sich die Krankenkassen nicht in der Lage sehen, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzubringen, sind dem Bericht zufolge vielfältig. Insbesondere die Vorgaben für die technische Umsetzung seien demnach nicht mehr aktuell.

SBK-Chef Unterhuber verstehe, dass die Politik den Druck bezüglich der Digitalisierung erhöhe, insbesondere weil schon die Einführung der Gesundheitskarte nach 15 Jahren nicht gelungen sei. Doch die Eile sei nicht zielführend, so Unterhubder. Auf ein Jahr mehr oder weniger dürfe es nicht ankommen.

„Zum ersten Mal in meinem Kassen-Leben ist sich der Großteil der Beteiligten im Gesundheitswesen einig, wo die Reise hingehen soll. Jens Spahn bringt deshalb zurecht Dynamik in das Thema. Allerdings müssen wir den ersten Schritt vor dem zweiten tun“, so Unterhuber im Tagesspiegel.

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Autorin

Manila Klafack war bis März 2024 Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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