Kolumne

Wenn die Ehe zur Kostenstelle wird

Die beitragsfreie Familienversicherung wackelt: Bankrocker Stephan Heider seziert die Berliner Reformpläne – und den Treppenwitz eines Trostpflasters, das noch gar nicht existiert.
Bankrocker Stephan Heider.
© Gregor Haase
Bankrocker Stephan Heider.

Der Sommer hat diese besondere Eigenschaft, selbst politische Debatten nach Grillkohle riechen zu lassen. Die Glut wird grau, und irgendjemand haut den Satz raus, der den ganzen Abend übernimmt: „Wenn das noch wegfällt, rentiert sich die Ehe ja gar nicht mehr.“

Gelacht haben alle. Ich nicht. Denn hinter dem Grillplatz-Spruch steckt eine Frage, die gerade in Berlin verhandelt wird, und die für Millionen Haushalte teurer wird als jede Currywurst der Saison.

Beitragsfreie Familienversicherung fällt teils weg

Gemeint sind die Pläne, die beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner ohne eigenes Einkommen zu kassieren. Rund 2,46 Millionen Haushalte wären betroffen, die Ersparnis für die Kassen läge bei 3,5 Milliarden Euro, die Mehrbelastung bei rund 225 Euro im Monat, macht über 2.700 Euro im Jahr. Ausnahmen soll es geben, etwa für Eltern von Kindern unter 13 Jahren und pflegebedürftige Gatten und Lebenspartner (ab Pflegegrad 3).

Gesundheit kostet eben, Krankheit noch mehr, und deshalb verstehe ich die Idee dahinter, auch wenn mir dabei die Bratwurst im Hals stecken bleibt: Die kostenlose Mitversicherung des Alleinverdiener-Ehepartners gilt vielen Arbeitsmarktökonomen als Beschäftigungshemmnis.

Treppenwitz der Reform

Übersetzt ins Deutsche: eine Jobverhinderungsprämie mit Trauschein. Ich nenne das die letzte warme Decke einer Nachkriegsfamilienidee, die inzwischen mehr Loch als Decke ist. Trotzdem friert niemand gern, wenn man ihm die Decke wegzieht und zum Dank noch erklärt, das sei jetzt Eigenverantwortung.

Irgendwann meldet sich derselbe Grillplatz-Philosoph noch mal zu Wort: „Na ja, vielleicht doch, wenn das Hinterbliebenensplitting kommt.“ Da ist er, der eigentliche Treppenwitz dieser Reform. Man nimmt der Ehe die eine Vergünstigung weg und verspricht als Trostpflaster eine andere, die noch gar nicht beschlossen, geschweige denn gegenfinanziert ist. Das ist, als würde man das Fundament verkaufen und den Bauplan fürs neue Haus gleich mitversprechen. Baubeginn offen. Architekt im Homeoffice. Bauherr ratlos.

Am Ende bleibt:

Wer heiratet, tut das hoffentlich aus Liebe, nicht aus Beitragsoptimierung. Aber wer heiratet, weil die Krankenkasse gerade günstiger ist, der hat spätestens jetzt ein Beratungsgespräch verdient. Bei mir, nicht beim Standesamt.

Über den Autor

Stephan Heider, MBA, bekannt als der „Bankrocker“, gilt als Deutschlands unkonventionellster Makler, ist seit 21 Jahren in der Finanzbranche, studiert immer irgendwo irgendwas und liest gern Philosophie.

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