Neues Start-up Kahado

„Mischung aus gutem Sachbuch und einer Prise bestem Freund“

Versicherungsvermittler Klaus Hermann hat mit Kahado einen neuen, unabhängigen Dienstleister für die Versicherungsbranche gegründet. Was hinter dem Start-up steckt und warum es nicht jedem gefällt, was er macht, erklärt Hermann im Interview.
Klaus Hermann ist Versicherungsmakler und war davor 28 Jahre in der Ausschließlichkeit.
© KH Versicherungen
Klaus Hermann ist Versicherungsmakler und Gründer und Geschäftsführer von Kahado.

+++ Dieses Interview wurde der Redaktion freundlicherweise zur Verfügung gestellt. +++

Sie arbeiten seit über 30 Jahren in der Versicherungsbranche, sind Keynote-Speaker, vierfacher Familienvater, Umweltaktivist, Entwicklungshelfer, Buchautor, Kabarettist und schlagen auch schon mal den Raab. Warum nun noch ein Projekt?

Klaus Hermann: Das hat mich meine Frau auch gefragt (lacht). Im Ernst. Ich hatte seit langer Zeit diese Idee und Anfang des Jahres kam der Punkt, an dem ich gesagt habe. Ich muss das jetzt machen. Sonst macht es ein anderer und dann ärgere ich mich darüber.

Wofür steht Kahado?

Hermann: Es sind meine ausgeschriebenen Initialen „Ka“ und „Ha“ für Klaus Hermann. Das „do“ am Ende hat mit meiner Affinität zum Kampfsport zu tun –über 30 Jahre Taekwondo – und steht für den geistigen Weg, sein Ziel zu erreichen. Es bedeutet also, dass Kahado dabei hilft, Ziele zu erreichen.

Wen wollen Sie mit dem neuen Unternehmen ansprechen?

Hermann: Zunächst einmal alle, die in der Versicherungsvermittlung tätig sind oder sich dafür interessieren. Im zweiten Schritt werden wir bei Kahado Dienstleistungen für die gesamte Assekuranz anbieten. Im dritten Step kommt dann der Kunde dazu. Hier werden wir ebenfalls etwas auf die Beine stellen, das es so noch nicht gibt. Dazu möchte ich im Moment aber noch nicht mehr sagen.

Was genau macht Kahado?

Hermann: Kahado muss man als unabhängigen Dienstleistungsmakler für Versicherungsvermittler aller Vertriebswege verstehen und bedient zwei Bereiche. Auf unserer Homepage findet man kostenlos jede Menge nützliche Infos zu den alltäglichen Herausforderungen und Fragen unserer Branche. Darüber hinaus bieten wir zu speziellen Themen auch persönliche Beratungen an. Ich sage immer, diese Beratungen sind eine Mischung aus einem guten Sachbuch und einer Prise bestem Freund. Wir helfen den Kolleginnen und Kollegen, die richtigen Partner, Lösungen und Dienstleister für deren Ideen und Geschäftsmodell zu finden.

Was ist der Nutzen für die Kunden von Kahado?

Hermann: Nehmen Sie mal den Fall, dass jemand Versicherungsmakler werden will. Wo kann sich aktuell ein Interessent wirklich unabhängig Unterstützung suchen, um den passenden Pool, Verbundpartner, das richtige Maklerverwaltungsprogramm oder die geeignete Beratungssoftware zu finden? Nahezu alle bisherigen Dienstleister sind mehr oder weniger dazu da, einem Anbieter zuzuarbeiten und somit nicht unabhängig. Wer hilft Ausschließlichkeitsvertretern, die Angebote einzelner Versicherer zu vergleichen? Welche Allfinanzberatung bietet die besten Arbeitsbedingungen? Wir machen im Prinzip nicht mehr und nicht weniger als der Versicherungsmakler, der für seinen Mandanten aus dem großen Teich der Möglichkeiten die passenden Angebote fischt.

Wie finanziert sich das neue Unternehmen?

Hermann: In der Startphase sind es im Wesentlichen Werbekosten-Zuschüsse von Unternehmen, die auf unserer Seite auftauchen. Dazu kommen Einnahmen aus den Beratungen. Allerdings sind die Honorare hier so günstig wie möglich angesetzt und mehr ein Aufwandsersatz. Wir wollen ganz bewusst einen Gegenpol zu den vielen Coaches bilden, die Social Media mit Anzeigen fluten und versprechen, in einem Monat den Bestand zu verdoppeln oder 1.000 qualifizierte Leads zu generieren. Dazu soll man dann drei Videos für 5.000 Euro kaufen.

Wir wollen für die Versicherungsvermittler da sein und lassen uns von den Produktgebern und Dienstleistern bezahlen. Auch hier wie der Versicherungsmakler, der seinem Kunden unabhängig die besten Angebote heraussucht und sich dann von den Versicherern vergüten lässt, die er vermittelt.

Wie unabhängig ist Kahado, wenn Sie sich von Dienstleistern bezahlen lassen?

Hermann: Genauso unabhängig, wie ich als Makler agiere. Wir haben den gesamten Markt zur Auswahl und sind auf keine Angebote begrenzt. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mich vor keinen Karren spannen lasse und das wird auch so bleiben. Das gefällt nicht jedem, wie sich gerade wieder gezeigt hat.

Was genau meinen Sie damit?

Hermann: Ich habe vor einigen Wochen ein öffentliches Statement zu den Umstrukturierungen des Allianz-Vertriebes und der Kündigung von 500 Agenturverträgen abgegeben und darauf hingewiesen, dass der HGB-84er kein echter Unternehmer und nur zum Schein selbstständig ist. Fakt, wie die Allianz eindrucksvoll bewiesen hat, wenn der Versicherer einseitig entscheidet, mehrere hundert Vertretungsverträge zu kündigen.

Meinen Kommentar hat das Unternehmen zum Anlass genommen und mich nach einer erfolgten Einladung zu einem Spiel in der Allianz-Arena kurz vorher wieder ausgeladen. Das Spiel ist mir nicht wichtig, allerdings zeigt es, dass es unbedingt Stimmen geben muss, die sich von solchen Einschüchterungsversuchen nicht abhalten lassen und einen Gegenpol zu einer fehlerhaften Kultur in unserer Branche bilden.

Auch der LVM-Vorstand nimmt es mir nach über 1,5 Jahren immer noch übel, dass ich im Januar 2023 deren „Veganuary Debakel“ kommentiert habe. Ich könnte weitere Beispiele aufzählen. Es gibt immer noch zu viele Manager in der Assekuranz, die keinen Widerspruch dulden und Fehler überall, jedoch nicht bei sich selbst suchen.

Als Geschäftsführer von Kahado werde ich auch hier die Unabhängigkeit unterstreichen und mich weiterhin auch kritisch zu Themen der Assekuranz äußern. Nicht, um der Branche zu schaden, sondern um auf Missstände hinzuweisen und Fehlentwicklungen zu kommentieren. Ob das allen gefällt, ist mir dabei weniger wichtig. Mir geht es um die Sache.

Mir sind zu viele Berichterstattungen und Kommentierungen zu vorsichtig und zurückhaltend. Kritik bedeutet, dass man sich mit einer Sache auseinandersetzt. Andere Meinungen, auch wenn ich diese manchmal satirisch überspitze, mit Sanktionen zu unterlegen, ist für mich allenfalls ein Zeichen von Schwäche oder Unnahbarkeit.

Wie waren die Reaktionen der ersten Tage von Kahado?

Hermann: Überwältigend. Das Interesse ist größer als erwartet. Wir hatten in den ersten Wochen bei Facebook und Instagram 213.000 Zugriffe auf unsere Videos, zehntausende Klicks auf Linkedin und mehrere tausend Besucher auf unserer Homepage. Die ersten Beratungen bekamen sehr gutes Feedback und mein ganzes Team und ich sind happy, dass wir einen so guten Start hingelegt haben.

Wie geht es nun weiter?

Hermann: Wir wollen und werden Kahado jeden Tag verbessern, genau zuhören, was den Vermittelnden noch fehlt, bereiten uns im Moment auf die DKM in Dortmund vor, auf der wir mit einem Stand vertreten sind und werden in den nächsten Wochen intensiv an weiteren Themen arbeiten. Unter anderem einem Stellenmarkt nur für die Versicherungsbranche.

Weckt das nicht Begehrlichkeiten? Es gibt nicht wenige Investoren, die sich für solche Geschäftsmodelle interessieren könnten.

Hermann: Tatsächlich gab es schon erste Anfragen. Allerdings verfolge ich mit der Verwirklichung dieser Idee ein ganz anderes Ziel. Die Erträge des Unternehmens werden zu einem großen Teil für gemeinnützige Zwecke verwendet werden. Gerade wurden die ersten 5.000 Euro gespendet. Mittelfristig ist auch die Umwandlung von einer GmbH in eine gGmbH geplant, um den Zweck des Unternehmens auch nach außen klarzumachen. Wir wollen mit Kahado im dreifachen Sinn Gutes tun: Den Vermittelnden helfen, die richtigen Partner zu finden und Fehler zu vermeiden, den Dienstleistern die passenden Vermittler empfehlen und mit dem Ertrag ein Stück dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort umzugestalten.

Über den Interviewpartner

Klaus Hermann, 52, ist seit 1988 in der Assekuranz, Geschäftsführer der KH Versicherungen in Münster, viel gebuchter Redner und Kabarettist in der Branche und auch außerhalb sehr aktiv. Der zweifache Deutsche Meister im Taekwondo engagiert sich mit seinem Verein tree4tree e.V. für die Umsetzung der 17 Ziele der Vereinten Nationen zu einer nachhaltigeren Welt und ist unter anderem in Malawi persönlich in verschiedenen Projekten aktiv.

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