Pfefferminzia: Inwiefern ist es aus deiner Sicht wichtig, dass Finanzbildung im Kindesalter anfängt?
Celine Nadolny: Wir alle müssen uns früher oder später mit unseren Finanzen auseinandersetzen – ob wir wollen oder nicht. Je länger wir das Thema aufschieben, desto unangenehmer holt es uns eines Tages wieder ein. Genau deshalb finde ich es so wichtig, dass Kinder schon früh ein Gespür für den Umgang mit Geld entwickeln. Das gilt sowohl für ihr Taschengeld, aber auch in Bezug auf Geschenke und kleinere Nebenjobs.
Das bedeutet natürlich nicht, dass sie Bilanzen lesen können müssen. Aber Kinder sollten lernen, was Geld bedeutet, dass es nicht vom Himmel fällt, wie Sparen funktioniert und warum es sinnvoll ist, über Einnahmen und Ausgaben nachzudenken. So wachsen sie zu selbstbewussten und verantwortungsvollen Erwachsenen heran. Und natürlich können wir als Eltern oder Bezugspersonen mit gutem Beispiel vorangehen und schon früh gemeinsam mit unseren Kindern ein Vermögen aufbauen.
Inwiefern eignen sich vor allem Bücher dafür?
Nadolny: Bücher sind für mich eine der schönsten und nachhaltigsten Möglichkeiten, Wissen zu vermitteln – und das gilt ganz besonders für Kinder. Ein gutes Kinderbuch schafft es, komplexe Themen wie Geld, Sparen oder Investieren so zu erklären, dass sie verständlich, spannend und gleichzeitig spielerisch leicht aufgenommen werden können. Gerade beim gemeinsamen Lesen entsteht dann häufig ein besonderer Moment: Man taucht gemeinsam in eine Geschichte ein, stellt Fragen, lacht, denkt nach. Und genau das bleibt im Kopf – und im Herzen.
Was ich außerdem beobachte: Vielen Eltern fehlt schlichtweg das eigene Finanzwissen. Viele sind auch unsicher, wie sie solche Themen kindgerecht vermitteln können. Ein gut gewähltes Buch kann da die perfekte Brücke schlagen. Es hilft Kindern beim Einstieg und Eltern beim Vermitteln. Es nimmt Hemmungen und schafft einen positiven Zugang zum Thema Geld – für die ganze Familie.
Auf der folgenden Seite lesen Sie, welche 5 Finanzbücher Celine Nadolny Eltern für ihre Kinder empfiehlt.
Was sind deine Top-5-Finanzbücher für Kinder?
Nadolny: Hier sind meine absoluten Favoriten – Bücher, die Kindern nicht nur finanzielle Bildung näherbringen, sondern auch Spaß machen, motivieren und zum Nachdenken anregen.
Ein richtig gut strukturierter Einstieg in die Welt der Finanzen, der sowohl klassische Themen wie Sparen, Inflation und Aktien als auch moderne Themen wie Kryptowährungen verständlich macht. Mit vielen Reflexionsfragen und interaktiven Aufgaben lädt es Kinder zum Mitmachen und Nachdenken ein – perfekt für den Einstieg ab etwa zehn Jahren.
Ein Klassiker – und das zu Recht. Die Geschichte rund um das Mädchen Kira und den sprechenden Hund „Money“ ist spannend erzählt. Sie vermittelt ganz nebenbei grundlegende Finanzprinzipien. Es geht um Ziele, den Umgang mit Geld, Investitionen und das richtige Mindset – kindgerecht, aber tiefgründig.
Millemaus ist ein herzerwärmendes Buch für die Kleinsten, das mit liebevollen Illustrationen und einer fantasievollen Geschichte zeigt, wie Kinder verantwortungsvoll mit Geld umgehen können. Besonders gelungen finde ich das Drei-Spardosen-Prinzip und die digitalen Bastelvorlagen – ein echtes Mitmachbuch!
Zwar kein klassisches Finanzbuch, aber unglaublich wertvoll im Bereich Persönlichkeitsentwicklung. Es erzählt die Geschichte von Marcus Aurelius. Das Buch bringt Kindern Tugenden wie Mut, Weisheit und Gerechtigkeit näher – eine wunderbare Ergänzung, um das „Warum“ hinter Geldentscheidungen zu verstehen.
Ein spannender Roman mit viel Witz und Tiefgang. Er erzählt wirtschaftliche Zusammenhänge durch die Augen von Kindern. Felix und sein Freund Peter wollen reich werden – und erleben dabei viele Abenteuer, Missgeschicke und Lernmomente. Besonders gut gefällt mir, dass dieses Buch auch Erwachsene zum Schmunzeln bringt und ganz nebenbei Finanzwissen vermittelt.
Auf der kommenden Seite lesen Sie, was Celines Nadolnys erstes Finanzbuch war und welches ihr liebstes Finanzbuch ist.
Wie war das bei dir? Was hat dein Interesse am Unternehmertum und Büchern geweckt und seit wann beschäftigst du dich mit deiner Finanzbildung?
Nadolny: Lesen war schon immer ein fester Bestandteil meines Lebens. Als Kind habe ich alles verschlungen, was nach Abenteuer, Magie oder Spannung klang – Harry Potter, Twilight, Thriller und Jugendromane. Bücher waren für mich wie ein Portal in eine andere Welt. Sie waren mein Rückzugsort, meine Fantasie.
Doch mit 16 kam plötzlich ein ganz anderes Buch in mein Leben – „Rich Dad, Poor Dad“ – und es veränderte meine Sicht auf die Welt komplett.
Zum ersten Mal begriff ich, dass finanzielle Bildung nicht nur ein trockenes Pflichtthema ist, sondern ein Schlüssel zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung sein kann. Es war wie ein Weckruf – plötzlich wollte ich alles darüber wissen – auch, weil mir sonst nirgendwo etwas dazu vermittelt wurde.
Und so begann eine Reise, die bis heute andauert: Ich las ein Buch nach dem anderen, hinterfragte vieles, entwickelte mein eigenes Finanzverständnis und fing an, andere daran teilhaben zu lassen. Die Leidenschaft für Finanzen war geweckt – und mit ihr auch der Wunsch, später einmal selbst Unternehmerin zu sein und Wissen weiterzugeben.
Was war dein Lieblings-Finanzbuch als Kind oder Jugendliche?
Nadolny: Mein erstes Finanzbuch war – wie schon erwähnt – „Rich Dad, Poor Dad“ von Robert T. Kiyosaki. Es war der Auslöser. Aber mein absolutes Lieblingsbuch wurde später „Der reichste Mann von Babylon“ von George S. Clason. Die Geschichten aus dem alten Babylon, die dort erzählten Lektionen über Geld, Sparen und Investieren – sie sind so zeitlos, dass ich sie immer wieder lesen kann. Ich liebe die Art, wie auf einfache Weise große Weisheiten vermittelt werden. Und ich bin überzeugt: Wer dieses Buch früh liest, bekommt ein solides Fundament für ein finanziell selbstbestimmtes Leben.
Celine Nadolny zählt mit ihrem Unternehmen Book of Finance zu den bekanntesten Sachbuchkritikerinnen im deutschsprachigen Raum. Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten, gleichnamigen Blog vermittelt sie fundiertes Finanzwissen und analysiert hochwertige Wirtschaftsliteratur.
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