Pfefferminzia: Was verstehen Sie bei der BDAE Gruppe eigentlich unter dem Begriff „Expat“?
Philipp Belau: Nach der Fachliteratur ist ein Expat eine Person, die beruflich motiviert für einen begrenzten Zeitraum ins Ausland geht. Ein großes Unternehmen entscheidet sich beispielsweise, Mitarbeitende nach China zu entsenden. Im allgemeinen Sprachgebrauch und auch in unserer internen Definition ist der Begriff heute aber deutlich weiter gefasst. Im Grunde wird fast jeder, der ins Ausland geht, als Expat bezeichnet. Viele sagen einfach: „Ich war im Ausland, also war ich Expat.“
Hat sich dieses Profil in den vergangenen Jahren verändert?
Belau: Ja, das kann man klar sagen. Der Begriff stammt ursprünglich aus einer Zeit, in der der berufliche Aspekt im Vordergrund stand. Ein Konzern entsendet Mitarbeitende – das war der klassische Expat. Heute haben Medien und TV-Formate das Bild stark verändert. Dadurch wird auch jemand, der privat motiviert ins Ausland geht, als Expat wahrgenommen. Am Ende ist es jedoch so, dass fast jeder im Ausland einer Tätigkeit nachgeht, um Geld zu verdienen. Der berufliche Aspekt ist also nach wie vor vorhanden, aber nicht mehr so klar abzugrenzen wie früher.
Warum ist diese Zielgruppe für Makler interessant?
Belau: Wenn wir uns den klassischen Maklermarkt anschauen, geht es bei Inlandskunden häufig um einzelne Anlässe: eine auslaufende Versicherung, eine neue KFZ-Police – und das vielleicht alle 20 Jahre einmal. Bei Expats ist das ganz anders. Sobald es ins Ausland geht, verlagert sich der Lebensmittelpunkt – und es braucht in der Regel eine komplett neue Absicherung. Ob es sich um betrieblich entsandte Expats oder um größere Gruppen aus Unternehmen handelt – für Makler ergeben sich hier ganz andere Potenziale, etwa durch Pooling. Neben der Krankenversicherung geht es um den gesamten Versicherungsschutz, den man aus Deutschland kennt, nun aber im Ausland abbilden muss.
Worin unterscheidet sich ein Expat von einem klassischen Inlandskunden?
Belau: Wir sagen unseren Kunden immer, dass man als Expat dreimal mehr mitdenken muss. Das gilt im Zweifel auch für Makler. Ein Expat benötigt praktisch alles neu, was bereits eine große Herausforderung darstellt. Gleichzeitig bewegt er sich in einem völlig anderen Rechts-, Gesundheits- und Versicherungssystem. Diese unterscheiden sich von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent erheblich von dem, was wir aus Deutschland kennen. Deshalb gibt es für alle Beteiligten – Makler wie Kunden – deutlich mehr zu beachten.
Das stellt hohe Anforderungen an Makler.
Belau: Absolut. Makler müssen sehr nah am Puls der Zeit sein, die richtigen Ansprechpartner und Versicherer kennen und wissen, wo sie sich Expertise holen können. Wenn man nicht regelmäßig große Expat-Gruppen oder Einzelpersonen in bestimmten Zielländern betreut, kann man nicht wissen, welche Anforderungen aktuell beispielsweise für Visa in Dubai oder Thailand gelten. Wer gut und haftungssicher beraten möchte, steht hier vor einer echten Herausforderung.
Wie hat sich der Markt für internationale Versicherungen zuletzt entwickelt?
Belau: Grundsätzlich hat sich der Markt weltweit stark verändert. Während wir in Deutschland eine zunehmende Professionalisierung sehen, gibt es im globalen Umfeld viele Spannungen, die großen Einfluss haben. Länder wie die USA und China sind weiterhin wichtige Expat-Zielländer, vor allem für beruflich motivierte Entsendungen. Gleichzeitig sind die Hürden für Entsendungen deutlich gestiegen – ebenso die Anforderungen an Versicherungen. Immer mehr Länder führen Pflicht- oder Mindestversicherungen ein, oft gekoppelt ans Visum. Während Versicherungsschutz für uns in Deutschland selbstverständlich ist, ist das in vielen anderen Ländern nicht der Fall.
Welche Produkte sind besonders gefragt?
Belau: Ganz klar steht die Krankenversicherung an erster Stelle. Die eigene Gesundheit ist das wichtigste Gut. Darüber hinaus gewinnen aber auch andere Produkte an Bedeutung, etwa der Rechtsschutz. Rechtliche Situationen können im Ausland völlig anders verlaufen als in Deutschland. In einigen Ländern kann ein Verkehrsunfall schnell zu sehr ernsten Konsequenzen führen. Deshalb ist es sinnvoll, auch solche Risiken abzusichern. Insgesamt ist der Wunsch nach einem vertrauten und umfassenden Versicherungsschutz im Ausland oft sogar größer als in Deutschland.
Wie unterstützt die BDAE Gruppe Makler bei diesen Anforderungen?
Belau: Die Anforderungen sind hoch, insbesondere im Hinblick auf haftungssichere Beratung. Wir unterstützen Makler vor allem durch gezielte Schulungen. Unsere Produkte unterscheiden sich deutlich von klassischen Inlandslösungen, daher ist ein intensives Onboarding wichtig. Darüber hinaus können Makler Kunden für die spezialisierte Beratung auch an uns übergeben, ohne die Betreuung zu verlieren. So stellen wir gemeinsam sicher, dass komplexe Themen wie Krankenversicherung, Sozialversicherung oder Anwartschaften korrekt gelöst werden – auch wenn der Makler selbst keinen Fokus auf Auslandsthematiken hat.
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