Der Ucits-ETF-Markt setzt seinen Wachstumskurs fort und verzeichnete 2025 mit Nettozuflüssen von rund 325 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Für 2026 lassen sich fünf Trends erkennen, die die Weiterentwicklung des Marktes prägen und Investoren neue Perspektiven eröffnen:
70 Prozent der Asset Manager in Europa wollen in den nächsten 12 bis 18 Monaten neue aktiv gemanagte ETFs auflegen. Diese Entwicklung unterstreicht das Bestreben, die Vorteile flexibler Portfoliosteuerung mit der Kosteneffizienz und Transparenz börsengehandelter Fonds zu verbinden.
Gleichzeitig schaffen die regulatorischen Rahmenbedingungen klare Vorgaben für die Offenlegung und die tägliche Nachvollziehbarkeit der Portfoliostruktur. Damit etabliert sich aktives Management zunehmend als fester Bestandteil des ETF-Segments.
40 Prozent der Wealth Manager in Europa erwägen, in den kommenden zwei Jahren eigene White-Label-ETFs zu lancieren. Diese Produkte ermöglichen es Vermögensverwaltern, individuelle Anlagestrategien unter eigener Marke umzusetzen, ohne eine eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen.
Die sinkenden Mindestvolumina machen White-Label-Lösungen auch für mittelständische Anbieter attraktiv. Partnerschaften zwischen etablierten ETF-Anbietern und neuen Marktteilnehmern fördern die Vielfalt und Individualisierung der Produktlandschaft.
36 Prozent der europäischen Erwachsenen zeigen Interesse an ETF-Sparplänen. Besonders bemerkenswert: Ein Viertel dieser Gruppe hat bislang noch nie am Kapitalmarkt investiert. Damit wächst die Zahl der Privatanleger kontinuierlich. In Deutschland nutzt bereits die Hälfte der privaten Investoren digitale Plattformen für ihre ETF-Investments. Die Automatisierung von Sparplänen senkt Transaktionskosten und erhöht die Nutzerfreundlichkeit, während digitale Beratungstools und mobile Anwendungen den Erwartungen der jungen und technikaffinen Zielgruppe entsprechen.
52 Prozent des Wachstums am deutschen ETF-Markt zwischen 2022 und 2025 entfallen auf die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen. Auch die 35- bis 44-Jährigen tragen mit 41 Prozent wesentlich zu diesem Wachstum bei. Diese Generationen bevorzugen transparente, kosteneffiziente und digital zugängliche Anlageprodukte. Zudem gewinnen Nachhaltigkeitsaspekte bei ihren Investmententscheidungen zunehmend an Bedeutung.
ESG-Investments bleiben ein zentraler Treiber im ETF-Markt. Besonders gefragt sind dabei Lösungen mit niedrigem Tracking Error (TE), da sie eine klare ESG-Positionierung mit einer engen Indexnähe verbinden. Low-TE-Aktienfonds verzeichneten im vergangenen Jahr Zuflüsse von 24,4 Milliarden Euro, was 45 Prozent der ESG-Zuflüsse und 70 Prozent der ESG-Aktienzuflüsse ausmacht.
ESG bleibt insbesondere bei großen institutionellen Kunden, vor allem in Europa, eine bevorzugte Anlageform. Parallel dazu setzt sich die globale Ausweitung des Angebots an Anleihe-ETFs fort, was die Breite und Tiefe der nachhaltigen ETF-Landschaft weiter stärkt.
Die aktuellen Trends stehen für eine konsequente Weiterentwicklung des ETF-Marktes. Bewährte Prinzipien wie Kosteneffizienz, Transparenz und Liquidität bleiben erhalten. Innovation zeigt sich in der Anpassung an veränderte Anlegerbedürfnisse, demografische Verschiebungen und technologische Fortschritte.
Claus Hecher ist ETF-Vertriebschef in der Dach-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und die nordischen Länder bei der Investmentgesellschaft BNP Paribas Asset Management.
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