Versicherungsvermittler kennen die Sorgen der Eltern, wenn es um ihre Kinder geht – wittern das große Geschäft und beuten die Sorgen schamlos aus. Von wem kommen solche verleumderische Behauptungen? Natürlich vom Bund der Versicherten (BdV) – siehe einen Beitrag in der Wirtschaftswoche vom 23. August 2016.
Der BdV – vertreten durch Bianca Boss – entscheidet über den Sinn und Unsinn von Versicherungspolicen, und unterstellt indirekt den Eltern, dass sie unmündig sind.
Unbestritten gibt es Versicherungen, die man infrage stellen kann. Zum Beispiel Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen. Wenn aber Oma oder Opa darauf bestehen, weil doch sichergestellt werden soll, dass das Enkelchen mit 17 Jahren den Führerschein machen kann, ist es doch nicht verwerflich, einen derartigen Vertrag zu installieren. Geht dieser Opa zur Bank, bekommt er womöglich auch einen fragwürdigen Sparvertrag angeboten.
Anders ist es bei den Risikoversicherungen wie Unfall, schwere Krankheiten oder Schulunfähigkeit. Diese Versicherungen, ausgenommen der Schulunfähigkeit, sind nicht mit der Einschulung erst zu empfehlen. Kinder sollten so früh wie möglich gegen Unfälle versichert sein. Ein schwerer Unfall mit einer dauerhaften Schädigung, kann das ganze Familienleben in einen Ausnahmezustand versetzen. Das gilt auch für schwere Krankheiten.
Dieser Versicherungsschutz ist für rund 200 Euro im Jahr zu erhalten. Hier ist es aber tatsächlich vielfach so, dass die gutsituierten Familien über einen solchen Unfallschutz verfügen, während sich einkommensschwache Familien diesen Schutz nicht leisten können.
Aber dieser Versicherungsschutz ist nicht nötig, denn zumindest für den Schulweg, auf dem Schulgelände oder unter Schulaufsicht (zum Beispiel auf Klassenfahrten) greift die gesetzliche Unfallversicherung.
Das Statistische Bundesamt hat für das Jahr 2013 folgende Zahlen veröffentlicht: 28.143 Unfälle mit unter 15-Jährigen im Straßenverkehr. 58 Todesopfer. Wohlgemerkt, nur im Straßenverkehr. Waren diese Kinder alle auf dem Schulweg?
Schwere Krankheiten: Jährliche erkranken rund 1.800 Kinder an Krebs. Wie viele andere schwere Krankheiten Kinder dauerhaft schädigen, müsste recherchiert werden. Solche Erkrankungen führen zu extremen Belastungen in den Familien. Wenn dann auch noch das Geld knapp wird, Krankenhausbesuche, Arbeitsausfall und so weiter ist diese schreckliche Lage kaum zu bewältigen.
Die Entscheidung, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist, liegt einzig und allein bei den Eltern. Erkrankt das Kind – hier sind auch psychische Erkrankungen zu beachten – wird das Kind im Arbeitsleben keinen Versicherungsschutz gegen dieses Risiko finden.
Haftpflicht hat nichts mit dem Alter zu tun
Was die Haftpflichtversicherung mit der Einschulung zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Eine Haftpflichtversicherung hat nichts mit dem Alter, Geschlecht und Familienstand zu tun. Will der Verbraucher nicht riskieren, dass er durch einen von ihm verursachten Großschaden ruiniert wird, wird er zu keinem Zeitpunkt auf eine private Haftpflichtversicherung verzichten können.
Aber hier wieder ein nicht nachvollziehbarer Rat. Achten sie darauf, dass die Deliktunfähigkeit mit eingeschlossen ist. In der Regel werden Kinder im Alter von sechs Jahren eingeschult. Deliktunfähig sind Kinder bis einschließlich dem siebten Lebensjahr. Ausnahme gibt es im fließenden Straßenverkehr, hier gilt bis einschließlich des zehnten Lebensjahr.
Ausfalldeckung ist sehr wichtig
Auf die wichtige Ausfalldeckung im Haftpflichtversicherungsvertrag wird nicht hingewiesen. Hier leistet der Versicherer, wenn der Verursacher eines Schadens nicht versichert ist, und auch selbst nicht finanziell in der Lage ist, den Schaden zu regulieren. Bei einem kleinen Schaden keine Existenz bedrohende Situation. Was ist aber, wenn ein Kind durch einen Dritten so verletzt wird, dass es dauerhaft geschädigt ist? Keine Unfallversicherung, nicht auf dem Schulweg und keine Ausfalldeckung.
Die Ausfalldeckung sollte insofern erweitert sein, dass der Versicherer auch leistet, wenn ein nicht versicherter Wagen den Schaden verursacht hat. Täglich sind rund 80.000 nicht versicherte Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs. Glück, wenn ich von solchen Zeitgenossen nicht geschädigt werde.
Nun liebe mündige Eltern, entscheiden Sie selber, welchen Versicherungsschutz Sie für Ihre Kinder haben wollen.
Über den Autoren
Hubert Gierhartz ist seit 1985 als Versicherungsmakler tätig. Er hat sich insbesondere auf die Beratung der Zielgruppe 60plus spezialisiert.
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