„Dabei unterstützen, gesund zu bleiben“

Warum Makler jetzt die bKV voranbringen sollten

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) legt stetig zu. Zugleich deutet sich in der Corona-Krise an, welch wertvollen Nutzen das betriebliche Gesundheitsmanagement den Unternehmen und ihren Mitarbeitern noch bieten kann – und das eröffnet auch Maklern große Chancen.
© picture alliance/Peter Kneffel/dpa
Das Hauptgebäude der Firma Webasto im bayerischen Stockdorf. In Deutschland wurde dort Ende Januar 2020 erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg habe sich infiziert, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München damals mit. Der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland hatte sich demnach bei einem chinesischen Gast seiner Firma angesteckt. Die Frau aus China sei zu einer Fortbildung bei Webasto gewesen. Der Ausbruch konnte mit Unterstützung eines Versicherers eingedämmt werden.

Als Peter Joneitis und sein Bruder Stefan gemeinsam beschlossen, den Mitarbeitern ihres erfolgreichen Familienunternehmens ein Geschenk zu machen, das ihnen helfen sollte, gesund zu bleiben, lag der verheerende Ausbruch der Corona-Pandemie noch endlos lange sieben Jahre in der Zukunft. 2013 entschieden sich die Brüder dafür, eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) in der Otto Bitzer GmbH zu installieren. Der Mittelständler, beheimatet in Albstadt-Ebingen auf der Schwäbischen Alb, ist auf den Vertrieb hochwertiger Werkzeuge für verschiedenste Branchen spezialisiert.

„Der Antrieb war, dass wir überlegt hatten, wie wir unsere Attraktivität als Arbeitgeber steigern können“, sagt Peter Joneitis rückblickend. Die Besonderheit an „ihrer“ bKV ist, dass sie komplett arbeitgeberfinanziert ist, das heißt, die Mitarbeiter zahlen für ihren zusätzlichen Krankenversicherungsschutz keinen Cent. Das Konzept kam in der Belegschaft sehr gut an. Nur ein Jahr später, im Jahr 2014, setzten die Brüder noch einen drauf und führten ein betriebliches Gesundheitsmanagement (bGM) ein. Das Konzept heißt „Gesundwerker“ und stammt vom privaten Krankenversicherer SDK. Dort hatte die Otto Bitzer GmbH auch schon die bKV abgeschlossen.

„Sowohl die bKV als auch das betriebliche Gesundheitsmanagement wirken sehr vorteilhaft auf unsere Unternehmenskultur und das Teamgefüge. Sie zielen darauf ab, das Bewusstsein unserer Mitarbeiter für ein gesundes Leben zu schärfen und ihnen schlicht etwas Gutes zu tun“, schildert Peter Joneitis. „Wenn sich die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, wirkt sich das letztlich positiv auf ihre Gesundheit aus.“

Joneitis konnte natürlich nicht ahnen, in welch ungeheurem Ausmaß die Fürsorgepflicht der Betriebe in Deutschland für ihre Mitarbeiter auf die Probe gestellt werden sollte, nämlich zu einer viel späteren Zeit: im Frühjahr 2020. Und in dieser Zeit, die alle nur noch als „Corona- Krise“ wahrnehmen, zeigt sich, dass ein betriebliches Gesundheitsmanagement eben viel mehr ist als „ein bisschen Wellness für zwischendurch“, wie manche Spötter argwöhnen.

„Wir unterstützen unsere Versicherten dabei, gesund zu bleiben“

Das macht vor allem das Beispiel des oberbayerischen Autozulieferers Webasto deutlich. Dort kam es Mitte Januar 2020 zum ersten Mal in Deutschland zu einer Infektion mit dem Corona-Virus Covid-19. Hier war die Gothaer Krankenversicherung für das betriebliche Gesundheitsmanagement zuständig – und dort erhoffte sich dann auch der Krisenstab des Webasto-Managements Unterstützung, um die Lage in den Griff zu bekommen. Und die Gothaer lieferte. Wie das „Handelsblatt“ berichtete, wurde kurzfristig ein Intranet-Portal geschaffen, in dem sich die Belegschaft zum Umgang mit dem Virus informieren konnte. Zudem wurde eine ärztliche Beratung via Videotelefonie ermöglicht. Durch die schnelle Reaktion aller Kräfte und intensive Kommunikation gelang es schließlich, die Ausbreitung des Virus auf neun Kollegen sowie fünf weitere Personen aus deren Umfeld zu begrenzen – die Eindämmung funktionierte also zum damaligen Zeitpunkt.

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„Wir unterstützen unsere Versicherten dabei, gesund zu bleiben“, brachte Oliver Schoeller, Chef der Gothaer Krankenversicherung, den Sinn der Aktion auf den Punkt. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Gothaer aus diesem Best-Practice-Beispiel Kapital schlagen kann, wenn der betriebliche Ausnahmezustand in Deutschland irgendwann wieder zurückgekehrt sein wird und der Vertrieb wieder in geordneten Bahnen verläuft.

Zumindest scheint der Kölner Versicherer auch in der bKV einiges richtig gemacht zu haben. „Die Kundennachfrage steigt stetig“, sagt Rainer Ebenkamp, Experte für bKV bei der Gothaer Krankenversicherung. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 liege man über Vorjahresniveau. Auch in der Entwicklung der versicherten Personen habe die Gothaer von 2018 auf 2019 über dem Durchschnitt des Marktes gelegen.

Und schon die Durchschnittszahlen des Marktes können sich sehen lassen – zumindest sieht das die Branche selbst so: „bKV weiterhin heiß begehrt“, jubelte der PKV-Verband im Januar 2020. Die Zahl der Beschäftigten, die von einer bKV profitierten, stieg demnach um 8 Prozent von 757.500 im Jahr 2018 auf rund 820.000 Personen 2019.

Das klingt zunächst eindrucksvoll – gemessen an hierzulande über 45 Millionen Erwerbstätigen 2019, stellt sich die bKV doch eher als überaus zartes Pflänzchen dar, oder nicht? „Die betriebliche Krankenversicherung ist noch nicht so etabliert wie beispielsweise die betriebliche Altersversorgung“, räumt Sascha Marquardt vom Kompetenzcenter Firmenkunden der Hallesche Krankenversicherung ein. Dennoch rücke das Thema immer mehr ins Bewusstsein moderner Arbeitgeber.

„Sie können mit einer bKV eine sofort nutz- und erlebbare Lohnnebenleistung anbieten, die während der Zeit der aktiven Beschäftigung ihre Wirkung entfaltet.“ Dieses Argument scheint zu ziehen. Denn die Hallesche konnte für das vergangene Jahr bärenstarke Zuwächse für ihren „Feelfree“-Tarif verbuchen. „Mit Feelfree entscheidet sich der Firmenkunde lediglich für die Höhe des jährlichen Budgets – die Auswahl der Leistung liegt dann allein bei demjenigen, der am besten weiß, welche Leistung er benötigt: dem Mitarbeiter“, erklärt Marquardt das Konzept. Darüber hinaus können Mitarbeiter weitere Services wie die ärztliche Videotelefonie und einen Facharztservice beliebig oft in Anspruch nehmen.

bKV bleibt „ein Push-Angebot“

644 Neuabschlüsse verzeichnete die Hallesche 2019. Zur Einordnung: Bis Ende 2019 hatte der Versicherer 1.042 Unternehmen unter Vertrag. Bedeutet also: Binnen eines Jahres konnte der Kundenbestand um mehr als das Doppelte ausgebaut werden. Die Zahl der Beschäftigten mit bKV-Vertrag kletterte entsprechend um 32.000 auf mehr als 67.000 Personen. Etwas größer aufgestellt ist die SDK mit „derzeit über 3.000 Gruppenverträgen und weit über 100.000 versicherten Personen“, wie SDK-Vertriebsvorstand Olaf Engemann sagt. Er setzt darauf, dass der Verkauf von Zusatzversicherungen für Versicherungsvermittler immer wichtiger wird und somit auch die bKV profitiere. Letztere bleibe „ein Push-Angebot“, das immer wieder beworben und aktiv vorgestellt werden müsse, so Engemann. Dabei seien die Zahntarife und die stationäre Zusatzabsicherung weiterhin am stärksten gefragt.

Gothaer-Experte Ebenkamp bestätigt das: Die höchste Nachfrage gebe es in den Bereichen mit dem größten Kostenrisiko für die Mitarbeiter. „Dies gilt insbesondere für Tarife der Leistungsbereiche Stationär und Zahnersatz und gilt sowohl für die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerfinanzierung.“ Dabei steige der Anteil der Arbeitgeberfinanzierung stetig – die Otto Bitzer GmbH aus Albstadt-Ebingen gehört schon dazu.

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Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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