Auf welche Bereiche konzentrieren sich die meisten Vorbeugungsprogramme der Krankenversicherer in den Beamtentarifen?
Folke Tedsen: Beamte können alle Programme nutzen, die wir im Rahmen unserer Gesundheitsservices für vollversicherte Kunden anbieten. Das gilt übrigens nicht nur für fest verbeamtete Kunden, sondern auch für Beamtenanwärter. Dazu zählen Programme zur Gewichtsreduktion und zur Veränderung des Lebensstils, Angebote zur Stressreduktion, zur körperlichen Fitness oder kostenfreie Früherkennungsuntersuchungen beim Arzt.
Bitte nennen Sie einige aktuelle Beispiele, wie versicherte Beamte und Anwärter konkret durch Vorbeugungsprogramme profitieren können.
Zunächst einmal erhält jeder Versicherte in einem Beamtentarif alle zwei Jahre unsere Formulare für die Durchführung kostenfreier Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt. Das betrifft den Gesundheits-Check zur Früherkennung von Stoffwechsel- und Herzkreislauf-Erkrankungen, sowie die Krebsvorsorge beim Frauenarzt, Urologen und den Hautarzt. Dann bieten wir im Rahmen des Gesundheitsservices vielfältige und umfangreiche Maßnahmen an. Dazu gehören Broschüren, die zu Themen wie gesunder Ernährung, Stress, Rückengesundheit bis zu Zahnvorsorge kurz und kompakt informieren und unser umfangreiches mobiles Gesundheitsportal unter www.diegesundheitsprofis.de. Besonders beliebt gerade bei jüngeren Kunden ist unser online-Fitnessstudio, wo HanseMerkur Versicherte einen Vorteilspreis erhalten oder digitale Kurse zur Stärkung der psychischen Gesundheit.
Welche Rolle spielen entsprechende Angebote für Beamte bei der Wahl der PKV?
Nach unserer Erfahrung eine sehr wichtige. Neben dem Produkt und dem Preis spielen Serviceaspekte eine große Rolle im Beratungsgespräch und bei der Auswahl des richtigen Krankenversicherungsprodukts. Schließlich geht es um eine langfristige, manchmal lebenslange Entscheidung und der Kunde will sich im Gesundheits- aber insbesondere im Krankheitsfall gut betreut wissen. Die HanseMerkur ist ein bestens aufgestellter und verlässlicher Partner mit einem breiten Produktangebot für jeden Bedarf, das auch von unabhängigen Rankingagenturen und Verbraucherschutzagenturen geschätzt wird. Unsere Beihilfetarife kassieren regelmäßig Bestnoten in den bedeutenden Rankings; Servicevalue und Focus Money hat uns Ende Januar 2020 basierend auf einer Umfrage bei Kunden jeweils die Bestnote „sehr gut“ für das Produktangebot, die Leistungsabwicklung und das Preis-Leistungs-Verhältnis attestiert.
Welche Rolle spielen dabei Vorsorgeuntersuchungen zur Vermeidung von Herzinfarkt/Diabetes/Schlaganfall?
Eine wichtige Rolle, denn gerade in diesem Bereich ist Vorsorge effizient und lässt schlimme Folgeerkrankungen verhindern. Eine Basis bieten unsere kostenfreien Vorsorgeuntersuchungen, für die jeder Kunde in regelmäßigen Abständen die entsprechenden Formulare per Post erhält. Damit gleichzeitig eine gute Erinnerung, die Untersuchungen auch durchführen zu lassen. Zusätzlich gibt es spezielle Aktionen: So wollen wir die Erkennung von Vorhofflimmern fördern. Vorhofflimmern ist einer der Hauptrisikofaktoren für Schlaganfall und besonders tückisch, weil es oft unerkannt bleibt und auch bei einer EKG-Kontrolle beim Hausarzt oder Internisten nicht ohne weiteres zu erkennen ist. Wir haben ein telemedizinisches Programm in Vorbereitung, bei dem relevante Kunden mit einem EKG-Pflaster ausgestattet werden. Damit lassen sich die Messungen über einen längeren Zeitraum und komfortabler durchführen als mit dem konventionellen 24-Stunden-EKG. Studien zeigen, dass so bis zu dreimal mehr Fälle von Vorhofflimmern erkannt und entsprechend behandelt werden können.
Wie gut sind Versicherte über diese Präventionsmöglichkeiten aufgeklärt?
In der Regel sehr gut. Wir achten darauf, dass wir alle Kommunikationskanäle nutzen, um unsere Kundinnen und Kunden zu erreichen. Gerade bei jüngeren Kunden sind digitale Kanäle und unsere RechnungsApp sehr gefragt. Auch Newsletter verschicken wir regelmäßig digital und unsere Homepage bietet jederzeit einen aktuellen Überblick über alle unsere Angebote. Daneben gibt es natürlich noch die etablierten Printmedien und telefonische Services, zum Beispiel unseren regelmäßig verschickten Kundenbrief, Briefbeileger und Mailings sowie die Servicehotline und das Gesundheitstelefon. Wir wollen aber noch besser werden und haben verschiedene Weiterentwicklungen in der Pipeline.
Es heißt, dass Krankheiten vermieden werden können, indem die Menschen präventiv handeln. Ist dieser Effekt messbar?
Ja, Prävention zahlt sich aus, denn Folgeerkrankungen und chronische Leiden können so vermindert und gelindert werden. Besonders deutlich ist dies bei Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hierzu haben wir eigene Programme, die regelmäßig evaluiert werden. Mit unserem Vorsorgeprogramm „Aktiv gesund bleiben“ werden Versicherte bei der Gewichtsreduktion unterstützt. Neun von zehn Teilnehmern schaffen es, ihr Körpergewicht nachhaltig zu reduzieren, dieser Effekt lässt sich auch nach 24 Monaten noch messen. Dadurch sinkt das Diabetesrisiko: Das liegt nach 24 Monaten bei 90 Prozent der Programmteilnehmer unter dem Ausgangswert, obwohl es aufgrund des um zwei Jahre gestiegenen Alters rein statistisch höher sein müsste, wenn sich nichts im Lebensstil verändert hätte. Ein anderes Beispiel in diese Richtung ist die OP-Vermeidung. Deutschland liegt ja weltweit an der Spitze bei orthopädischen Eingriffen. Wir bieten einen ärztlichen Zweitmeinungsservice, durch den sich bei über 60 Prozent der Patienten bessere Alternativen als zur angeratenen Behandlung ergeben. Durch gezielte, intensive konventionelle Therapien und Krankengymnastik lassen sich Schmerzursachen oft ebenso gut vermindern, manchmal sogar besser und Komplikationen vermeiden.
Wie weit sind E-Health-Angebote beim Thema Prävention mittlerweile fortgeschritten? Inwieweit nehmen die Versicherten solche Angebote tatsächlich an?
Wir sind bei E-Health-Angeboten bereits gut aufgestellt und treiben die Entwicklungen in diesem Bereich mit Hochdruck voran. Seit zwei Jahren gibt es beispielsweise unseren Online-Arzt, der in allen Gesundheitsfragen per Videochat und bei vielen medizinischen Fachfragen berät. Im Präventionsbereich beliebt gerade bei jüngeren Kunden ist unser Online-Fitnessstudio, wo HanseMerkur Versicherte einen Vorteilspreis erhalten oder digitale Kurse zur Stärkung der psychischen Gesundheit. Darüber hinaus übernehmen wir für bestimmte medizinische Apps die Kosten, wenn sie einen therapeutischen Nutzen versprechen, beispielsweise für eine Tinnitus-App oder eine Online-Sehschule. Konkrete Nutzungszahlen können wir heute noch nicht benennen, da die Kooperationen zum Teil noch neu sind.
Haben Sie eine Prognose, wie sich diese Angebotspalette weiter entwickeln wird? Welche Rolle spielt dabei der Gesetzgeber?
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind natürlich wichtig. Sie hinkten in den letzten Jahren der digitalen Entwicklung deutlich hinterher. Durch die neuen Digitalisierungsgesetze, primär aus dem Gesundheitsministerium, werden die Entwicklungen endlich beschleunigt und gefördert. Ich erwarte, dass der Markt für Angebote aufblüht, sich in einer gewissen Zeit aber wiederum konsolidiert. Wie gesagt, wir treiben das Angebot mit Hochdruck voran.