Pfefferminzia: Lassen Sie uns über das MultiRisk-Produkt Helvetia Business Pharma sprechen. Welche Zielgruppe soll sie ansprechen?
Michael Matysek: Sie ist für Apotheken in Deutschland gedacht, von denen es leider nur noch knapp über 17.000 gibt. Es ist eine schrumpfende Zielgruppe, die aber sehr wichtig ist.
Warum wollen Sie ausgerechnet Apotheken versichern?
Matysek: Wir haben schon vor längerer Zeit entdeckt, dass der Weg vom Arzt zur Apotheke sehr kurz sein kann, und auch sehr wichtig ist. Und Apotheken bieten viele Cross-Selling-Ansätze für andere Produkte, vor allem im Privatgeschäft.
Mit kurzem Weg meinen Sie, dass ich mir etwas verschreiben lasse und direkt über die Straße in die Apotheke gehe?
Matysek: Nehmen wir mal ein Gesundheitszentrum in Deutschland. Da liegt im Erdgeschoss immer die Apotheke, in der das Rezept eingelöst werden kann. Weiter oben befindet sich der Facharzt und ganz oben der Heilpraktiker oder der Physiotherapeut. Das sind die erwähnten kurzen Wege, die man nutzen kann.
Warum muss man denn Apotheken besonders versichern?
Matysek: Sie haben spezielle Ansprüche, zum Beispiel zur Aufbewahrung von Medizin. Wir reden von Haltbarkeitsdaten, die nicht überschritten werden dürfen. Es gibt auch verschiedene Haftpflichtansprüche, die über das tägliche hinaus auf Apotheken zukommen können.
Wann treten die ein?
Matysek: Die häufigsten Fälle sind gar nicht mal die Haftpflichtschäden, die im Geschäft eintreten können. Zum Beispiel wenn jemand stürzt oder nicht das passende Medikament bekommt. Es können auch Vermögensschäden entstehen, wenn die Apotheke mit den Krankenkassen abrechnet. Die können wir in einem gewissen Umfang versichern.
Nun wirft ziemlich sicher auch Ihre Konkurrenz ein Auge auf Apotheken. Wie wollen Sie sich davon abheben?
Matysek: Wir gehen mit einer Höchstentschädigung von 5 Millionen Euro für Sach- und Ertragsausfall für 24 Monate für die Durchschnittsapotheke an den Start. Damit dürften wir einen Großteil absichern können. Ausnahmen gibt es natürlich immer.
Wie hoch liegt denn der Branchenstandard?
Matysek: Die Höchstsummen sind unterschiedlich und richten sich teilweise nach klassischen Versicherungssummen. Oder es läuft über Höchstentschädigungen, die dann eventuell nur die Hälfte betragen. Dann kann es schon mal eng werden. Mit 5 Millionen Euro fährt man dagegen sehr gut. Auf jeden Fall rückt die Beratungsverpflichtung für den Makler oder den Vermittler in den Fokus.
Seite 2: Aut-idem-Deckung und Retaxation
Welche Themen sind noch wichtig?
Matysek: Zum Beispiel Kühlgut. Apotheker müssen gewisse Medikamente in speziellen Kühlschränken aufbewahren, und das sichern wir derzeitig mit bis zu 100.000 Euro ab. Darüber hinaus ist auch das schon vorhin erwähnte Thema der Vermögensschäden wichtig, ebenso wie die sogenannte Aut-idem-Deckung oder die Retaxation.
Was bedeuten diese Wörter?
Matysek: Aut idem bedeutet „das Gleiche“. Ärzte verschreiben also den Wirkstoff und Apotheker haben dann die Wahl, welches Medikament sie herausgeben. Wenn sie sich dann nicht an gewisse Spielregeln halten, kann es dazu führen, dass die Kasse das Honorar kürzt, wodurch dann der Vermögensschaden entsteht.
Kommen wir nun zu den Vermittlern. An wen richtet sich dort das Angebot?
Matysek: Es gibt im Großen und Ganzen drei Gruppen – den spezialisierten Vermittler, den Vermittler mit etwas Erfahrung und den Vermittler ganz ohne Erfahrung. Wir stehen sowohl dem Spezialvermittler als auch dem breiten Geschäft sehr offen gegenüber. Denn nach unseren Erfahrungen ist diese Zielgruppe nach wie vor sehr breit versichert und nicht alle haben schon passende MultiRisk-Lösungen. Viele haben noch klassische Einzelpolicen, was Vermittler zum Anlass nehmen können, sich mit den Kunden zusammenzusetzen.
Sozusagen ein Paket schnüren, weil ein normaler Makler auch Apotheken als Kunde haben kann und versichern will.
Matysek: Richtig, oder weil er diese vielleicht bisher nur als Privatkunden hat. Dann könnte er sagen: „Mensch du hast doch die Apotheke. Lass uns doch mal sprechen, ich habe da was.“
Dann schauen wir mal, ob das gelingt. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.