GKV

Umlagerechner liefert Argumente für Makler

Wie können Makler bei Unternehmenskunden im bisher vernachlässigten Thema Umlagemanagement punkten? Wer die Sparmöglichkeiten plakativ und gleichzeitig die richtigen Verwendungsvorschläge macht, hat gute Karten.
© dpa/picture alliance
Ein Mann zählt während eines Gesprächs an den Fingern ab.

Viele Makler verfolgen einen ganzheitlichen Beratungsansatz und beraten folglich über eine breite Produktpalette. Versicherungsfragen, Vermögensaufbau und -anlage stehen dabei im Fokus. Bei Unternehmenskunden geht es um Gewerbeversicherungen und die betriebliche Altersvorsorge. Für Spezialthemen bleibt meist wenig Zeit. Es verwundert daher nicht, dass viele Makler kaum Berührung mit Fragen der gesetzlichen Krankenversicherung haben.

Dabei bietet das Beratungsfeld „Umlage in der GKV“ großes Potenzial für Makler. Arbeitgeber mit einer Belegschaftsgröße von bis zu 30 Vollzeitbeschäftigten nehmen prinzipiell am Umlageverfahren (Lohnfortzahlung) teil. Das heißt, sie führen eine Zwangsabgabe an die Krankenkassen ihrer Mitarbeiter ab. Diese sogenannten „U1“-Beiträge fallen je nach Kasse unterschiedlich aus. Erkrankt ein Arbeitnehmer, fließen Entschädigungszahlungen an den Arbeitgeber zurück, auch hier gibt es große Abweichungen durch teils sehr hohe Selbstbehalte. Weitere Pflicht-Umlagen gelten für die Fälle Mutterschaft (U2) und Insolvenz (U3).

Vielversprechendes Beratungsfeld für Makler

„Auf den ersten Blick wirken die Rahmenbedingungen des Umlagesystems wenig transparent, zumal es auch Ausnahmen gibt. Mit etwas Hilfe können sich Makler dieses Geschäftsfeld aber mit überschaubarem Aufwand erarbeiten“, weiß Dirk Leister, Versicherungsmakler und Unternehmensberater aus Heilbronn. Und der Bedarf ist da, insbesondere bei kleineren Betrieben – etwa 8 Millionen Arbeitsverhältnisse – besteht großes Einsparpotenzial, das Leister grob auf über 4 Milliarden Euro schätzt.

Wie können Makler das Sparpotenzial den Arbeitgebern mit einer Analyse plakativ veranschaulichen? „Kennt man das laufende Bruttomonatseinkommen, die aktuellen Krankenkassen der Mitarbeiter und die Einstufung in die jeweiligen U1-Tarife der Kassen, können mögliche Szenarien auf Knopfdruck berechnet werden“, sagt Leister. Er und sein Geschäftspartner Jürgen Walter, Marketingexperte und Unternehmensberater, haben dazu jüngst einen Umlagerechner auf umlage.de veröffentlicht. Besonders wichtig dabei: die Berücksichtigung von Krankheitstagen und die damit verbundenen Kosten für Arbeitgeber.

Alle Umlagetarife in einem Rechner

Der kostenfreie Rechner wird durch eine eigene Datenbank gespeist, die weitgehend alle bekannten Umlagetarife der gesetzlichen Krankenkassen enthält. Makler können für ihre Kunden eine Überschlagsrechnung im offenen Bereich der Website durchführen. Im geschlossenen Projektpartnerbereich der Website kann dann auch für jedes Belegschaftsmitglied individuell gerechnet werden.

„Es gibt drei wesentliche Szenarien – ein Kassenwechsel eines Mitarbeiters, der Wechsel des U1-Satzes innerhalb einer Kasse und ein Ausblick für den Fall, dass alle Mitarbeiter bei der günstigsten Kasse versichert wären“, sagt Walter und nennt ein typisches Beispiel. Eine Mitarbeiterin hat ein laufendes Bruttomonatseinkommen von 4.000 Euro und ist bei der AOK Bremen/Bremerhaven versichert. Sie erwägt zur mhPLUS BKK zu wechseln. Die Beitragssätze der beiden Kassen sind identisch. Beim selben Leistungs- oder Erstattungssatz (in diesem Fall in Höhe von 70 Prozent) liegt der Umlagesatz bei der AOK bei 3,6 Prozent und bei der mhPLUS bei 2,3 Prozent. Wenn die Mitarbeiterin die Kasse wechselt, errechnet der Umlagerechner eine Ersparnis für den Arbeitgeber von fast 700 Euro im Jahr.

„Sind die Leistungssätze unterschiedlich, können mit dem Umlagerechner auch Varianten in Abhängigkeit zu den individuellen Krankheitstagen der Mitarbeiterin berechnet werden“, betont Leister. Der Experte schätzt, dass er seinen Gewerbekunden durchschnittlich etwa 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter Ersparnis erbringt – in manchen Fällen auch vierstellig. Die ersparten Summen würden Kunden häufig dazu nutzen, die Versorgung der Mitarbeiter zu verbessern. Damit gewinnen sie eine bessere Positionierung als Arbeitgeber und haben Vorteile bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter.

Kassenwechsel ohne Zwang

Selbstredend kann ein Arbeitgeber nicht einfach anordnen, dass seine Mitarbeiter nach seinen Wünschen die Kasse wechseln. Wie also können Mitarbeiter motiviert werden, einen Kassenwechsel zu erwägen, ohne sie zu bevormunden? Eine Kernfrage, auf die Dirk Leister eine Antwort hat: „Wichtig ist es, der Belegschaft die Wahl zu lassen, denn die Hoheit über die Kassenwahl hat der Mitarbeiter. Ein Motivationspaket aus zum Beispiel mehr Netto, mehr Gesundheit und mehr Rente kann aber rasch dazu führen, dass sich Mitarbeiter und Chef die Ersparnisse teilen.“

Beim Arbeitgeber werden Makler mit diesem Vorgehen als Unternehmensberater und keinesfalls als Produktverkäufer wahrgenommen, berichtet Leister. Dazu müsse man jedoch rundum fit sein im Beratungsfeld Umlage. Die entsprechenden Kenntnisse könnten Makler im Selbststudium über die Zusatzinformationen auf umlage.de, oder über Informationen der Kassen wie der AOK erlangen. Leister bietet zudem kostenfreie Umlage-Workshops an. Dort werden alle inhaltlichen Voraussetzungen für die Beratung auf den Punkt genau erläutert. Die Termine sind im Projektpartnerbereich von umlage.de aufgelistet.

Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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