Digitalisierung

Diese Vorteile bietet die Blockchain bei einem Maklerwechsel

Das Thema Blockchain ist derzeit in aller Munde. Zu den erweiterbaren dezentralen Datenbanken gibt es aktuell in verschiedenen Branchen Pilotprojekte, die die Vorteile dieser neuen Technologie auszunutzen suchen. Auch die Versicherungen probieren hier einiges aus. Kamil Bieder, verantwortlich für das Technologie- und Innovationsmanagement beim BiPRO e.v., geht in seinem Gastbeitrag daruf ein, welche Vorteile eine Blockchain bei einem Maklerwechsel hat.
© dpa/picture alliance
Das Logo der virtuellen Währung Bitcoin am Schaufenster eines Burgerladens in Berlin Kreuzberg: Immer mehr Geschäfte akzeptieren die Internet-Währung Bitcoins, die auf der Blockchain-Technologie beruht.

Blockchain ist eines der meist gehypten Themen unserer Zeit. Diese Technologie soll unser Verständnis der Datenverwaltung revolutionieren, heißt es. In mehreren Branchen gibt es derzeit Pilotprojekte, die die Vorteile dieser dezentralen Datenbank auszunutzen suchen.

In der Logistikbranche gibt es etwa Pilotprojekte, die eine Nachverfolgung von Containern sicherstellen. In der Textilbranche hilft Blockchain beim Schutz vor Piraterie. 3D-Drucker werden direkt für einen Druck bezahlt (nicht ihre Besitzer) und kaufen eigenständig Material nach. Dies ist nur die Spitze des Eisberges der Anwendungsbeispiele aus der Wirtschaft.

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Doch was hat das eigentlich mit einem Maklermandat zu tun?

Ein Maklermandat oder eine Maklervollmacht ist eine schriftliche Bevollmächtigung des Kunden, dass ein Makler in seinem Auftrag handeln darf. Mit diesem Schriftstück in der Hand bekommt ein Makler beim Versicherer Zugang zum Versicherungsvertrag seines Kunden und kann im Prinzip alle Geschäftsvorfälle im Namen des Kunden einleiten.

Der Prozess, einen neuen Makler zu bevollmächtigen, gestaltet sich in der Realität aber oft als äußerst kräftezehrend für Makler und Versicherer. Viele manuelle Tätigkeiten gepaart mit der Angst der Umdeckung durch den Makler, lassen Bearbeitungszeiten von bis zu sechs Monaten durch den Versicherer entstehen.

Nicht vergessen sollte man die Frage, was im Schadenfall passiert. An wen wendet sich der Versicherungsnehmer? An den alten Makler, dem die Vollmacht entzogen wurde? Oder an den neuen Makler, der noch keine Einsicht in den Vertrag hat? Auch hier wird der Kunde oft im Unklaren gelassen. Am besten er wendet sich direkt an die Versicherung – aber wofür braucht der Kunde dann einen Makler, wenn er das selber machen soll?

Diese Vorteile bietet die Blockchain bei einem Maklerwechsel

Einen interessanten Ansatz könnte hier die Blockchain-Technologie bieten. Wie das Internet eine Plattform für den Austausch von Informationen bietet, so ist Blockchain die Basistechnologie für den Austausch von Werten im Internet.

Stellen Sie sich Blockchain bitte nicht als eine, sondern als ganz viele verteilte Datenbanken vor. Alle Beteiligten eines Systems besitzen eine Datenbank – dies könnten zum Beispiel Versicherer sowie Maklerhäuser sein.

Aufgrund eines ausgeklügelten Mechanismus synchronisieren sich alle Datenbanken untereinander, das heißt ändert sich nun der Maklervertrag, bekommen dies alle Datenbanken mit. Der Unterschied zu konventionellen Datenbanken besteht darin, dass diese Änderung nun nicht nur dem Versicherer bekannt wird, sondern alle Beteiligten sehen, dass etwas passiert ist.

Bei einem Maklermandatswechsel also, würden alle sehen, dass ein Vertrag einen Makler gewechselt hat. Welcher Makler und welcher Kunde betroffen sind, können aber nur autorisierte Teilnehmer sehen. Dies könnte zum Beispiel auch eine Werkstatt sein, die gerade einen Schaden bearbeitet, welche der Makler beauftragt hat.

Wer darf einen Makler legitimieren?

Die Antwort ist ziemlich verblüffend, denn im Vergleich zum heutigen Verfahren würde sich ein Versicherer komplett aus dem Prozess der Legitimierung heraushalten. Er müsste keine Datenbanken intern pflegen, um die Legitimierung des Maklers vorzunehmen.

Viele Fragen sich an dieser Stelle, warum man Blockchain verwenden sollte und nicht eine einfache Datenbank, die von einer zentralen Stelle verwaltet wird. Die Antwort ist relativ ernüchternd: Eine zentrale Stelle würde zusätzliche Kosten verursachen. Ebenso müssten alle Teilnehmer dieser zentralen Stelle vertrauen. Durch die Blockchain-Technologie ist es möglich, sämtliche Intermediäre auszuschalten, das heißt man hat keine zentrale Stelle, die eine Datenbank verwaltet. Das System ist in der Lage, sich selber zu verwalten.

Unbedingt notwendig ist es dabei, sich auf fachliche und technische zu einigen. Deswegen ist Blockchain ein BiPRO-Thema. Hält ein Teilnehmer auch nur einen geringfügigen Teil des Standards nicht ein, so werden beispielsweise die Änderungen an der Blockchain per se vom restlichen System nicht akzeptiert.

Automatische Prüfung

Stellen Sie sich vor, Sie einigen sich als Makler mit Ihrem Kunden auf ein Mandat, zum Beispiel eine Vollmacht. Dieses Mandat würde auf die Blockchain gelegt werden und bei der Autorisierung des Maklers seitens des Versicherers würde der Versicherer jedes Mal automatisiert dieses Mandat prüfen und nach erfolgreicher Prüfung Zugang zu diesem Vertrag gewähren.

Dieser Prozess könnte in nahezu Echtzeit vorgenommen werden, sodass der Makler direkt Einsicht in den Vertrag des Kunden bekommt. Ebenso ist eine Historie der Zuordnung des jeweiligen Maklers zu einem Vertrag für den Mandanten sowie den Versicherer nachvollziehbar und lückenlos.

Fälschungen sind nicht möglich

Diese Historie ist nicht zu fälschen, es ist also nicht möglich, im Nachhinein etwas an dem Mandat zu verändern, wenn dieses einmal in der Blockchain niedergeschrieben wurde.

Das liegt daran, dass alle Teilnehmer des Netzwerks diese Datenbank simultan ändern müssten. Will nun jemand die Historie eines Mandats fälschen, so kann er dies zwar in seiner Datenbank machen, aufgrund der Synchronisation wird diese Änderung aber wieder überschrieben und der originale Zustand stellt sich wieder ein.

Schutz vor Hackerangriffen

Auch dies ist ein großer Vorteil gegenüber einer zentralen Stelle, denn Sie müssen dieser Stelle vertrauen, dass diese nichts ändert. Auch das Szenario, dass diese zentrale Stelle Ziel eines Hackerangriffs wird und Sie den durch den Hacker geänderten Daten vertrauen, ist nicht möglich, da ein Hacker die Systeme aller Teilnehmer des Ökosystems korrumpieren müsste.

Diese Idee weiter zu untersuchen und für die Assekuranz zugänglich zu machen, ist eines der Ziele des BiPRO-Blockchain-Labs. Wir haben unsere Mitglieder bereits bei einer Informationsveranstaltung auf diese Technologie aufmerksam gemacht. In einem Workshop am 14. September 2017 haben wir über konkrete Anwedungsfälle gesprochen. Einer war das Maklermandat auf Blockchain-Basis.

Wir streben nun an, einen dieser Fälle zusammen mit einem externen Partner auszuprobieren, der eine Blockchain-Plattform zur Verfügung stellt. Für dieses BiPRO-Lab werden noch Marktteilnehmer gesucht. Melden Sie sich dazu bei Herrn Kamil Bieder vom BiPRO e.V. Hier ist die Email-Adresse: bieder@bipro.net

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