Kommentar zur Krankenversicherung

„Jens Spahn hat eine herausfordernde Aufgabe vor sich“

Der Chef der Monopolkommission und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Achim Wambach, wünscht sich mehr Wettbewerb im deutschen Gesundheitssystem. Weil dieser aktuell fehle, sei das deutsche System im internationalen Vergleich nur durchschnittlich. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht für ihn nun in der Pflicht, das Thema anzugehen.
© dpa/picture alliance
Achim Wambach, Chef der Monopolkommission und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, wünscht sich mehr Wettbewerb im deutschen Gesundheitssystem.

Das Gesundheitssystem in Deutschland könnte mehr Wettbewerb vertragen. Das meint Achim Wambach, Chef der Monopolkommission und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), in einem Kommentar für die Online-Ausgabe der „Welt“.

Wambach bezieht sich auf den aktuellen Gesundheitsbericht der OECD, in dem Deutschland eher durchschnittlich abschneidet. Er zeigt sich verwundert, „dass die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland – das in der Gesundheitstechnologie und -forschung Spitzenleistungen erbringt und dessen Ärzte gut ausgebildet und international gefragt sind – krankt.“

Dieser Umstand erklärt sich für ihn unter anderem wegen eines unzureichend funktionierenden Wettbewerbs zwischen den Krankenversicherungen. Das wirke sich auf die Qualität der Versorgung aus. Als Argument seiner These führt er den Wechsel in der privaten Krankenversicherung an. „Dadurch, dass ein PKV-Versicherter in jungen Jahren Prämien anspart und diese später nur teilweise bei einem Versicherungswechsel mitnehmen kann, ist ein Versicherungswechsel im Alter so gut wie ausgeschlossen. Damit fehlt aber ein wesentlicher Anreiz für die privaten Krankenversicherungen, sich für den Versicherten einzusetzen, da dieser bei Missfallen nicht einfach den Anbieter wechseln kann“, so Wambach.

Jens Spahn soll für mehr Wettbewerb sorgen

Zwar könnten Versicherte im gesetzlichen System problemloser wechseln. Hier gebe es jedoch eher einen Wettbewerb über Prämien denn über Leistungen. Das sei darin begründet, dass die Kassen für die Verbesserung ihres Services keinen geldwerten Vorteil sähen. Für sie spiele es finanziell gesehen keine Rolle, ob beispielweise durch technologische Lösungen der Herzinfarkt eines Versicherten vermieden werden könne oder sie erst nach Eintreten der Krankheiten die Behandlungskosten übernähmen.

Wambach empfiehlt dem neuen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn daher, sich für mehr Wettbewerb im System einzusetzen. Immerhin mache der Gesundheitsmarkt mehr als 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Deutschlands aus.

„Wenn dann noch die Beobachtung hinzukommt, dass das deutsche Gesundheitswesen bei der Digitalisierung im europäischen Vergleich hinterherläuft, dann wird klar, dass Jens Spahn, der neue Gesundheitsminister, eine herausfordernde Aufgabe vor sich hat“, so Wambach weiter.

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