110 gesetzliche Krankenkassen gibt es aktuell. Klammert man die regional geöffneten sowie betriebsinternen Kassen aus, bleiben immer noch genügend Anbieter, um leicht den Überblick zu verlieren. Ende vergangenen Jahres erreichte die Zahl der Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein neues Rekordhoch. Mit nahezu 73 Millionen Versicherten sind mehr als 90 Prozent der Deutschen auf diese Weise krankenversichert.
Für die einen ist sie nur eine unscheinbare Pflichtversicherung, anderen hingegen ist sie regelrecht ein Dorn im Auge. Dabei bietet die Krankenversicherung viel Optimierungspotenzial, sowohl in Bezug auf die Leistungen, als auch auf die Kosten.
Was vielen nicht bekannt ist: Eine gesetzliche Kasse darf niemanden aufgrund des Alters oder eventueller Vorerkrankungen ablehnen, wie es etwa in der privaten Krankenversicherung der Fall ist. Auch fürchten einige unberechtigterweise Nachteile, wenn sie die eigene Kasse nach langjähriger Zugehörigkeit verlassen. Motive wie Unwissenheit und Intransparenz halten Verbraucher immer noch davon ab, die Krankenkasse wechseln zu wollen.
Positiver Nebeneffekt durch paritätische Finanzierung
Verbraucher dürfen sich jedoch auf das kommende Jahr freuen. Jüngst wurde das Versichertenentlastungsgesetz von Gesundheitsminister Spahn (CDU) im Bundeskabinett verabschiedet. Das wiederum bedeutet, dass die paritätische Beitragsfinanzierung in der GKV ab dem 1. Januar 2019 wieder eingeführt wird.
An dem aktuell allein von Versicherten finanzierten Zusatzbeitrag, werden sich künftig auch die Arbeitgeber zur Hälfte beteiligen. Derzeit beträgt dieser im Durchschnitt ein Prozent vom Bruttoeinkommen. Mit der paritätischen Finanzierung werden Verbraucher bis zu 37 Euro monatlich sparen – und das ganz automatisch. Doch ist es im Zuge dessen überhaupt notwendig, die Krankenkasse aus Kostengründen zu wechseln?
Zwei positive Effekte der Parität
Tatsächlich erzielt die Parität, neben zahlreicher Kritik, zwei positive Nebeneffekte: Erstens reduziert sich automatisch der monatliche Beitrag. Zweitens können Verbraucher künftig verstärkt das Augenmerk auf die Zusatzleistungen legen, da die finanziellen Unterschiede zwischen den Krankenkassen nur noch gering ausfallen werden. Es wirkt nicht mehr abschreckend, beispielsweise in eine teurere Kasse zu wechseln, die dafür aber bessere Leistungen bietet.
Versicherte haben die Freiheit, eine Krankenkasse allein anhand der Leistungen zu bewerten, ohne Angst haben zu müssen, einen finanziellen Nachteil zu erleiden. Letztlich bekommt der Wettbewerb unter den gesetzlichen Krankenkassen dadurch einen erneuten Schub.
Genauer hinschauen und Leistungen vergleichen lohnt sich
Durch die verschieden hohen Zusatzbeiträge, die Versicherte noch allein tragen, ist der finanzielle Unterschied zwischen den Kassen zwar derzeit noch höher. Doch bringt, vor allem für Normalverdiener, ein Wechsel in eine günstigere Kasse, nicht immer den erhofften Kostenvorteil. Die Ersparnis beträgt unter Umständen nur ein paar Euro. Von einem Wechsel wird dann meist abgesehen. Warum aber lohnt ein Wechsel der Krankenkasse dennoch?
Obwohl sich die Kassen in den Leistungen nur zu etwa 5 Prozent voneinander unterscheiden, kann das bei der Suche nach der besten Krankenkasse aber enorm viel ausmachen. Niemand wird es schaffen, die eine Kasse zu finden, die alles abdeckt. Aber jeder wird seine Krankenkasse finden – die Kasse, die abdeckt, was einem selbst am wichtigsten ist.
Die eine Krankenkasse, die passt
Familien beispielsweise entscheiden nach anderen Kriterien als junge Singles – und das kann sich richtig lohnen. Wer großen Wert auf Osteopathie legt, kann bis zu 200 Euro jährlich mehr bekommen. Sportler können eine Kasse ins Auge fassen, die Bewegung und eine gesunde Lebensweise überdurchschnittlich fördert. Auch gibt es Krankenkassen, welche die sportmedizinische Untersuchung vollständig übernehmen.
Während einige Anbieter die professionelle Zahnreinigung gar nicht bezuschussen, tragen andere die Kosten zu 100 Prozent. Und auch Familien tun gut daran, die Krankenkassen zu vergleichen: So übernehmen einige sämtliche Kinder- und Jugenduntersuchungen oder fördern die künstliche Befruchtung weit über das gesetzliche Maß hinaus. Selbst beim Bonusprogramm können Verbraucher mehrere hundert Euro zusätzlich erhalten.
Verbraucher sollten also stets anhand ihrer eigenen Situation und Lebenslage sowohl die paritätische Finanzierung als auch die Krankenkasse bewerten. Ein zweiter Blick kann sich lohnen, um aus der gesetzlichen Absicherung noch mehr herauszuholen.

Über die Autorin
Vivian Körl ist Online-Redakteurin der Krankenkassen-Zentrale, die Verbrauchern Informationen rund um die gesetzliche und private Krankenversicherung sowie den gesamten Gesundheitssektor bietet.
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