Bewertung von Berufsunfähigkeits-Tarifen

„Versicherungsdaten müssen plausibel sein“

Welche Faktoren fließen in ein BU-Rating ein und wie wenden Makler die Bewertungen in ihrem Beratungsalltag richtig an? Pfefferminzia hat bei den Experten von Morgen & Morgen nachgefragt.
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Sterne auf dem Walk of Fame in Hollywood: Wie werden die Sterne in der Versicherungsbranche vergeben?

Wer nach einer geeigneten Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sucht, verwendet zur Recherche meist Online-Vergleichsportale oder entsprechende Softwaretools. Dort werden passende BU-Tarife verschiedener Anbieter mit ihren wesentlichen Merkmalen, in der Regel nach Preis, aufgeführt. Ein wesentlicher Informationsbestandteil jedes Tarifs sind dabei die Bewertungen unabhängiger Institutionen. Die Analysehäuser Morgen & Morgen, Franke & Bornberg und das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) stellen regelmäßig aktualisierte Ratings der gängigen BU-Tarife möglichst vieler Anbieter zur Verfügung.

Wie kommt ein solches Rating zustande? Betrachten wir dies am Beispiel von Morgen & Morgen (M&M), deren Rating seit 1996 durchgeführt wird. Wurden anfangs nur die Vertragsbedingungen der Versicherer erhoben, ist die Bewertung seit 2004 um die Teilratings BU-Kompetenz, BU-Solidität und BU-Antragsfragen erweitert worden. Wichtigstes Kriterium bleibt jedoch das Bedingungswerk, das zu 50 Prozent in die Bewertung eingeht. Die Kompetenz zählt 30, die Faktoren Solidität und Antragsfragen jeweils 10 Prozent zum Gesamtrating.

Drei der vier Teilratings basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen wie dem Bedingungswerk, Anträgen und Geschäftsberichten. „Dies hat den Vorteil, dass alle Tarife und Versicherer bewertet werden können. Lediglich für das Teilrating BU-Kompetenz sind wir auf Zulieferungen der Versicherer mit detaillierten Angaben zu den BU-Beständen angewiesen“, erläutert Peter Schneider, Geschäftsführer von Morgen & Morgen.

Wie werden Daten der Versicherer überprüft?

„Alle Teilratings werden im Zeitverlauf weiterentwickelt. Bei der Kompetenz etwa konnten wir mit sukzessiver Erweiterung und Spezifikation der Abfrage immer tiefergehende Qualitätsaussagen treffen. Aktuell unterziehen wir unsere Ratingkriterien wieder einer Überprüfung“, sagt Schneider. Lehnt ein Versicherer eine Antwort ab, so wird „keine Teilnahme“ ausgewiesen. „Rechnerisch entspricht dies null Sternen, das heißt es erfolgt eine Abwertung im Gesamtrating. Da das M&M-Rating jedoch etabliert ist, liefern uns 90 Prozent der Gesellschaften Angaben“, so Schneider.

Inwieweit kann sich der Makler auf Aktualität und Validität verlassen? Das Teilrating der Bedingungen wird stets aktualisiert, sobald neue Bedingungen eines Tarifs vorliegen. Die anderen Bereiche erhalten jährlich ein Update. Dabei verifiziert M&M die vom Versicherer gelieferten Daten und prüft auf Plausibilität: „Zunächst werden Schwankungen im Zeitverlauf analysiert und hinterfragt. Außerdem erfolgt eine Verifizierung im Vergleich zum restlichen Markt. Auch innerhalb der Daten eines Versicherers gibt es Querverbindungen zwischen den verschiedenen zu befüllenden Tabellen, die für die Glaubwürdigkeitsprüfung genutzt werden“, erläutert Schneider. Bei Schwankungen wird beim Anbieter nachgefragt und notfalls abgewertet.

Ein Rating ersetzt jedoch keine ausführliche Marktanalyse eines Maklers. Es unterstützt bei der Tarifwahl und gibt eine Einschätzung über die Qualität des Tarifs und des Versicherers ab, ohne dass der Vermittler sich ausführlich mit Versicherungsbedingungen und Kennzahlen beschäftigen muss. Natürlich spielt die individuelle Situation des Kunden auch eine Rolle. „Sofern der Kunde spezielle Anforderungen an einen Tarif hat oder er aufgrund seines Berufs oder seines Gesundheitszustands spezielle Bedürfnisse hat, muss der Makler in die Details schauen“, betont Schneider.

Leistungsquoten zählen zur BU-Kompetenz

Manche Versicherer werben aktiv mit Leistungs- und Prozessquoten einer BU. In der Branche werden diese Daten wegen unterschiedlicher Definitionen und der reinen Vergangenheitsbetrachtung kontrovers beurteilt. Sie haben aber auch Einfluss auf Ratings. Beide Quoten zusammen betrachtet vermitteln ein gutes Bild von der Regulierungspraxis des Versicherers, betont M&M. Sie gehen daher wesentlich in das Teilrating BU-Kompetenz mit ein.

Die Grenzen eines Ratings

Nicht bewertet werden bei M&M die Bearbeitungsdauern von Leistungsfällen, da Verzögerungen oft nicht nur beim Versicherer selbst liegen. „Zum Beispiel dauert es oft mehrere Wochen bis Monate, bis dem Versicherer alle Unterlagen von Seite des Kunden zur Verfügung gestellt werden können. Falls ein ärztliches Gutachten angefordert wird, dauert dies zusätzlich“, so Schneider.

Kein Rating kann zudem höchst individuelle Kundenansprüche an einen BU-Tarif abbilden. „Wenn etwa aufgrund seines Berufsbildes oder des Gesundheitszustandes eine BU für den Kunden zu teuer ist, kann ein Tarif mit eingeschränkten Leistungen und mit einem schlechteren Bedingungsrating eine gute Alternative sein“, nennt Schneider ein Beispiel. Oder: Beamte sollten stets auf eine Dienstunfähigkeitsklausel in ihrem BU-Tarif achten, für andere ist das nicht von Bedeutung. Solche individuellen Ansprüche kann ein allgemeingültiges Rating nicht abbilden. Dafür gibt es schließlich den Makler, der das Rating stets in den richtigen Zusam

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Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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