Interview

„Riesige Vertriebschancen im Umlagemanagement“

Bei Gewerbekunden kann das Umlagemanagement der Türöffner schlechthin sein. Diese Erfahrung zumindest macht Beraterin Ulrike Reith aus Stadtsteinach. Im Gespräch schildert sie ihren Beratungsalltag zum Thema Umlagen in der gesetzlichen Krankenkasse.
© Ulrike Reith
Beraterin Ulrike Reith

Pfefferminzia: Wie treten Sie an potenzielle Unternehmen heran?

Ulrike Reith: Mein Einstieg ist das Umlagemanagement. Haben Unternehmen bis zu 30 Mitarbeiter, müssen sie an die jeweiligen Krankenkassen ihrer sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer Beiträge, sowohl für die Umlagen U3 und U2, als auch für die Umlage U1, also insbesondere für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, abführen. Für Letztere müssen sie bei einigen Krankenkassen bis zu 3,9 Prozent vom Bruttolohn zahlen und bekommen im Ernstfall teilweise nur 50 oder 60 Prozent von den Kassen erstattet. Die Ersparnis, die ein Arbeitgeber durch ein paar Änderungen hier ganz schnell und einfach erzielen kann, liegt zwischen 5.000 Euro und 15.000 Euro pro Jahr.

Wie läuft eine Beratung unter diesem Aspekt üblicherweise ab?

Zunächst benötige ich drei konkrete Informationen vom Unternehmer. Dazu gehört, in welchen Krankenkassen die Mitarbeiter versichert sind und die Höhe des Bruttoeinkommens. Das ist selbstverständlich alles anonymisiert. Daraufhin kann ich eine erste Auswertung und Berechnung erstellen. Bei einem Bruttogehalt von 2.500 Euro und einer Rückerstattung von 60 Prozent, erhält der Arbeitgeber im Krankheitsfall dieses Arbeitnehmers 1.500 Euro von der Krankenkasse. Dafür muss er beispielsweise 2,0 Prozent, also 50 Euro jeden Monat zahlen. Wäre dieser Mitarbeiter in einer anderen Kasse versichert, würde der Arbeitgeber, nur 0,9 Prozent, also 22,50 Euro monatlich abführen, und für jeden einzelnen Krankheitstag auch noch eine um ein Drittel höhere Erstattung erhalten. So kommt für einen kleineren 15- Mann Betrieb schnell eine Ersparnis von mehreren Tausend Euro zusammen, natürlich in Abhängigkeit der Krankenstände. Nach dem Gespräch mit dem Chef oder Inhaber folgt eine Teambesprechung, in der ich das Thema präsentiere. Anschließend folgen die gewünschten Individualgespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Welcher Vorteil liegt denn beim Arbeitnehmer? Er müsste ja die Krankenkasse wechseln.

Das ist richtig. Dabei geht es um mehrere Vorteile und er gewinnt immer. Wirtschaftlich und inhaltlich. Die Entscheidung bei allen Vorteilen eine Kasse zu wechseln, oder auch nicht, liegt ganz allein beim Mitarbeiter. Die zukünftige Versorgung sollte natürlich deutlich besser sein als bisher. Da geregelt ist, dass alle gesetzlichen Krankenkassen die gleichen Standardleistungen haben, kann sich der Mitarbeiter grundsätzlich nicht verschlechtern. Allerdings bieten manche Kassen eben noch etwas mehr an als andere. Darauf schaut man selbstverständlich. Viele Mitarbeiter ziehen einen Kassenwechsel sehr gerne in Betracht, wenn sie ebenfalls von der Ersparnis des Arbeitgebers profitieren. Beispielsweise durch ein steuerfreies Entgelt im Rahmen von sogenannten Sachbezügen, wie etwa regelmäßige Zahlungen auf eine kreditkartenbasierte Guthabenkarte. Dort kann dieses Guthaben angespart, oder über die Karte ausgegeben werden.

Was begeistert Sie an der Beratung zu diesem Thema?

Ganz einfach, weil die Ersparnis für den Unternehmer so offensichtlich ist und ihn immer sofort überzeugt. Außerdem handelt es sich dabei um eine klassische Win-Win-Situation für den Arbeitgeber und auch die komplette Belegschaft.

Was sind die häufigsten Argumente, nicht zu einer anderen Kasse zu wechseln?

In der Praxis kommt das nicht so häufig vor. Natürlich wechseln nicht alle sofort. Bei den wenigen, für die der Wechsel nicht gleich in Betracht kommt, hat das meist emotionale Gründe. Weil jemand bereits so lange in der Kasse ist oder die Eltern bereits dort versichert sind oder ähnliches. Meine Erfahrung ist, dass sich das ganz oft in den ersten Wochen oder Monaten nach der Beratung ändert. Manchmal kommen auch Argumente, die tatsächlich gegen einen Wechsel sprechen können, und ich durchaus von einem Wechsel abrate. Beispielsweise wenn ein pflegebedürftiges Kind dort abgesichert ist. Denn da sind die Eltern froh, wenn alle Zahlungen über die Kasse geregelt sind, und sie bei einer neuen Kasse nicht wieder alles von vorne beginnen müssen. Ein ernstzunehmendes Hemmnis kann auch ein schlechtes Betriebsklima sein.

Welche Vertriebschancen sehen Sie im Thema Umlagemanagement?

Ganz große und zwar mehrstufig. In der ersten Stufe ist es für mich eine unternehmensberaterische Tätigkeit, mit der ich Beratungshonorare erziele. In der zweiten Stufe steht es dem Unternehmer frei, und natürlich rate ich ihm dazu, sich mit weiterführenden Lösungen zur praktischen Umsetzung auseinander zu setzen. Spätestens jetzt kommt der Makler oder Finanzdienstleister mit seiner Produktpalette ins Spiel. Ich denke hier an die moderne bAV und die flexible bKV. Zusammengefasst: Es ist  für mich der perfekte Türöffner und Beratungsgegenstand.

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Autorin

Manila Klafack war bis März 2024 Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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