Ein Erfahrungsbericht

Geht gesunde Ernährung auch auf Geschäftsreisen?

Häufig werde ich gefragt, wie man gesunde Ernährung in den Arbeitsalltag integrieren kann. Eine besondere Herausforderung kann es sein, sich auf Geschäftsreisen entsprechend zu ernähren. Grund genug, dies einmal aus ganz persönlicher Sicht zu beschreiben. Ein Erfahrungs- und Reisebericht.
© Joachim Haid

Dienstag: Für heute steht wieder sogenanntes intermittierendes Fasten auf dem Plan. Die erste Mahlzeit werde ich gegen 14:00 Uhr zu mir nehmen. Da gibt es keine strikte Regel. Gegessen wird frühestens, wenn man richtig Hunger hat. Also nicht schon beim ersten Appetitanzeichen. Ziel des Auslassens einer Mahlzeit ist es, mindestens 14 bis 16 Stunden ohne Nahrungsaufnahme zu bleiben. Da durch Schlaf etwa 50 Prozent dieser Stunden erreicht werden können, lässt man entweder das Abendessen oder das Frühstück weg. Da ich unter der Woche höchstens auf Geschäftsreise im Hotel frühstücke, fällt es mir nicht schwer, dieses auszulassen. Ist der Körper nicht mit Verdauung beschäftigt, kann sich das Immunsystem um die Beseitigung von Abfällen innerhalb der Zellen kümmern. Dies wird Autophagie genannt. Weiterhin hilft die längere Nahrungskarenz beim Gewichtsmanagement, da der Blutzucker- und in der Folge auch der Insulingspiegel über einen längeren Zeitraum niedrig gehalten werden.

Der Vormittag

Ab 10.00 Uhr halte ich ein Webinar. So bin ich gut beschäftigt und hätte gar keine Zeit zum Essen.

11.00 Uhr: Ende des Webinars

Geschafft. Jetzt gibt es noch einige Nacharbeiten zu erledigen, E-Mails zu beantworten und sich bei Facebook umzuschauen. Es geht auf die Mittagszeit zu. Ich merke, dass ich langsam hungrig werde, also erst einmal etwas trinken. Da ich heute Nachmittag noch nach Berlin zu einem morgigen Vortrag anreise, überlege ich, was ich leckeres zu essen machen könnte. Da ich das Hotel in Berlin noch nicht kenne und nicht weiß, wie das Restaurant aufgestellt ist, soll es sättigend sein. Jedoch soll es auch leicht sein, damit ich im Flieger konzentriert arbeiten kann. Deshalb entscheide ich mich, eine Bowl, eine Schale mit gesundem Essen, vorzubereiten. Diese besteht aus gedünstetem Gemüse wie Brokkoli, etwas Süßkartoffeln, Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Nüssen, rote Beete, Quinoa, Schafskäse, Naturjoghurt, Zucchini, einer halben Avocado und einer Zucchini-Creme. Darüber etwas Salz, Pfeffer und Bio-Olivenöl – fertig.

Eine solche Bowl ist übrigens auch ideal, um sich Essen mit ins Büro oder auf eine Geschäftsreise zu nehmen. Neudeutsch Mealprep genannt. Hier empfiehlt es sich, die Saucen und das Öl separat zu transportieren und kurz vor dem Verzehr darüber zu geben. Da ich heute mit dem Flieger nach Berlin anreisen werde, fällt das bei mir aus. Flüssigkeiten im Handgepäck – keine gute Idee und so wie aufgegebenes Gepäck häufig rumgewuchtet wird, lieber auch nicht in den Koffer. Schade, denn die Bowl war super lecker und sehr sättigend.

Quelle: Joachim Haid

Spätnachmittag

Gerade als ich diese Zeilen schreibe, hat der Service im Flugzeug begonnen. Der Mann neben mir, deutlich adipös, ordert den typischen Tomatensaft, dazu eine Cola und macht sich nun freudig über den Snack – ein Doppelpack KitKat her.

Da in meiner Bowl reichlich Ballaststoffe und gesunde Fette (Avocado, Nüsse, Olivenöl) enthalten waren und ich außerdem auf schnelle Kohlenhydrate wie Reis, Nudeln und Kartoffeln verzichtet habe, bin ich noch immer gut gesättigt. Schnelle Kohlenhydrate heißen sie, da sie den Blutzuckerspiegel explosionsartig ansteigen lassen. Der Körper reagiert darauf mit einer ebenso heftigen Insulinausschüttung, um den ganzen Zucker aus dem Blut in die Zellen bringen zu können. In der Folge fällt der Blutzuckerspiegel wieder teils dramatisch ab, worauf das Gehirn nun leicht panisch reagiert und nach der Aufnahme von schnellem Zucker schreit (Cola, KitKat…), da es nur für wenige Minuten einen Zucker- und damit Energiepuffer hat. Ich frage mich, was wohl mein Sitznachbar heute zum Mittagessen hatte?

Ich bestelle mir ein stilles Wasser und einen Tee mit Zitrone – ohne Zucker. Das muss man heute dazu sagen. Den Zuckerverzicht sind die Flugbegleiter offensichtlich nicht gewohnt, wie mir die Nachfrage „nur mit Zitrone?“ zeigt. Das KitKat muss ich fast schon abwehren: „Nein, danke, ich will das wirklich nicht“. Mein Mitreisender neben mir schaut überrascht. Mir fällt es leicht, diese Zuckerbombe abzulehnen. Ich bin einfach noch immer pappsatt und mein Blutzuckerspiegel ist nach dem Mittagessen nur langsam angestiegen und fällt über den Nachmittag auch nur langsam wieder ab. So lässt sich Heißhunger vermeiden. Außerdem weiß ich, was ständig zu hoher Zuckerkonsum in meinem Körper alles anrichtet und langfristig für Krankheiten auslöst. Die WHO empfiehlt, am Tag maximal 25 Gramm Zucker zu sich zu nehmen. Mit einem KitKat wäre das bereits deutlich überschritten, denn 100 Gramm enthalten 49 Gramm Zucker!

Jetzt aber erst einmal das iPad zur Seite legen und meinen Tee trinken. Wir verlassen schon wieder die Reisehöhe und beginnen mit dem Anflug auf Berlin…

Wir sind gelandet. Es geht weiter zum Hotel. Da ich heute noch keinen Sport machen konnte, steht das nach dem Einchecken als erstes auf dem Programm. Ich liebe es, Städte laufend zu erkunden, das Wetter scheint auch gut zu sein. Außerdem entdecke ich so auch immer wieder einmal Restaurants, die gesundes Essen anbieten.

Im Hotel

Nach meinem 7,5-Kilometer-Lauf sehe ich mich im Hotel und im dortigen Restaurant um. Das ist immer eine spannende Geschichte, denn oftmals besteht das Speisenangebot dort eher aus ungesunden Gerichten. Auch hier gibt es Burger & Co., allerdings auch Gesundes. Ich wähle vorab einen gemischten Salat (Blattsalate, Babyspinat, Gurken, Tomaten, Sprossen, Sonnenblumenkerne und grüner Spargel). Als Hauptspeise wähle ich Lachs mit Spargel. Die Petersilienkartoffel ändere ich in gegrilltes Gemüse um und statt der Sauce Hollandaise lasse ich mir etwas Butter reichen. Da morgen das Mittagessen wegen der Rückreise nach meinem Vortrag ausfällt, werde ich vermutlich frühstücken. Wenn ich Hunger habe. Ich bin gespannt, was hier zur Verfügung stehen wird. Abends im Zimmer habe ich Lust, etwas zu knabbern und entscheide mich für die kleine Packung Erdnüsse. Nicht optimal, da diese stark gesalzen sind. Es ist allerdings auch nur eine kleine Packung mit 30 Gramm, also nicht weiter tragisch.

Das Frühstück

Da ich nach dem Aufwachen keinen Hunger habe, lasse ich das Frühstück doch ausfallen. Warum soll ich etwas essen, wenn ich keinen Hunger habe? Ich trinke einen Kaffee und Wasser. Der Vortrag lief gut, nun geht es wieder zum Flughafen. Beim Warten auf den Rückflug kommt nun aber doch ein Hungergefühl auf. Hier finde ich das übliche: Sandwiches, Kuchen, Süßigkeiten im Duty-Free-Monster-Format, Leberkäse und Brezn (ja, in Bayern schreibt man das so). Zum Glück gibt es aber auch frisches Obst. Ich gönne mir einen kleinen Obstsalat mit einem Kaffee. Nun freue ich mich auf meine Heimkehr, denn dort weiß ich, dass ich wieder leckere, gesunde Sachen bekomme.

Fazit

Gerade auf Geschäftsreisen ist es nicht immer ganz einfach, eine gesunde Ernährung beizubehalten. Schaut man sich allerdings um und nimmt bei Bedarf im Restaurant ein paar Anpassungen vor, finden sich fast immer Möglichkeiten. Tipp: Nehmen Sie eine Packung Nussmischung (ohne Rosinen, das sind Fruchtzuckerbomben) für Notfälle mit. Da Nüsse viele hochwertige und gesunde Fette enthalten, sättigen diese lange und sind auch noch gesund. Keine Angst vor den vielen Kalorien der Nüsse. Es kommt weniger auf die Menge als auf die Quelle der Kalorien an. Leider hatte ich dieses Mal meine Nusspackung vergessen, sonst hätte ich nicht auf die gesalzenen der Mini-Bar zurückgreifen müssen.

Boarding. Mal sehen, wer heute neben mir sitzt, welchen Snack es heute gibt und ob die Person neben mir diesen essen wird. Ich ganz sicher nicht.

Autor

Joachim Haid ist Gründer des Gesundheitsprogramms PaleoMental®, zudem Gesundheitscoach und Heilpraktiker in Ausbildung.

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