Viele haben Pläne und Träume für ihren Ruhestand. Wenn es aber um die finanzielle Planung geht, ist man schnell überfordert. Professionelle Ruhestandsplanung wird aufgrund steigender Lebenserwartung immer wichtiger.
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Seit vielen Wochen gehen Schüler unter dem Motto „Fridays for Future“ für den Klimaschutz auf die Straße. Dass dies während der Unterrichtszeit passiert, gefällt nicht jedem – so stellte etwa CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer klar, dass sie ihren Kindern keine Entschuldigung schreiben würde, wenn sie demonstrieren gingen.
Doch mit jeder Kritik an der Jugend-Bewegung wächst natürlich auch die mediale Aufmerksamkeit – und inzwischen sprießen sogar erste zarte politische Erfolge. So erklärte der Gemeinderat von Konstanz jüngst, dass man künftig alle Entscheidungen unter einen Klima-Vorbehalt stellen wolle. Die Stadt am Bodensee sei damit die erste Stadt in Deutschland, die den Klimanotstand ausgerufen habe. Klimanotstand. Mancher mag dies als „Endzeit-Drama-PR“ abtun – Marcus Reichenberg, Gesellschafter und Geschäftsführer der „Greensurance Stiftung für Mensch und Umwelt“, dürfte nicht dazu gehören.
„Die Klimaschutzdebatte wird auch die Finanz-, insbesondere die Versicherungsbranche erreichen“, ist Reichenberg überzeugt. So arbeite die EU-Kommission bereits seit Mai 2018 an der Umsetzung des Aktionsplans für nachhaltige Finanzen. Welche Folgen wird dieses Vorhaben für den Finanz- und Versicherungsvertrieb haben? Kunden müssten dann künftig vorab gefragt werden, ob sie Nachhaltigkeitskriterien in ihren Angeboten berücksichtigt haben möchten, erläutert Reichenberg.

Die ESG-Kriterien – diese stehen für Environmental, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung – sollen demnach sowohl auf Anbieter als auch Produkte Anwendung finden. ESG-Themen sollen dabei in die Mifid-II-Richtlinie, die IDD- Richtlinie und in das Finanzregelwerk Solvency II integriert werden.
Mit ihrem Vorstoß rennt die EU-Kommission bei der Greensurance Stiftung offene Türen ein, denn sie hat sich darauf spezialisiert, Versicherungsunternehmen bei der Verwirklichung ihrer Nachhaltigkeitsziele und -leistungen zu unterstützen. Außerdem bietet sie Beratern die Weiterbildung zum ESG-Berater, Fachberater für nachhaltiges Versicherungswesen, an.
Impact-Investing-Markt kontinuierlich gewachsen
Nachhaltiges Versicherungswesen. Was bedeutet das konkret? Schauen wir mal auf die Unternehmensseite: Der Versicherer Zurich gab beispielsweise unlängst bekannt, künftig 5 Milliarden Dollar in das sogenannte Impact-Investment-Portfolio des Unternehmens zu investieren. Bei Impact Investing stehe insbesondere der Nutzen – sei es in Sachen Umwelt oder Soziales – im Vordergrund, erklärt die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV). Im Fall von Zurich sehen die Impact-Ziele eine Vermeidung von 5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten vor sowie eine Verbesserung der Lebensqualität von 5 Millionen Menschen pro Jahr. Dabei sei der Impact-Investing-Markt in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, friste insgesamt aber „eher noch ein Nischendasein“, bilanzieren die Versicherungsmathematiker.
Und auch Mitbewerber Allianz will nur noch in Unternehmen investieren, die nicht mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle oder Kohlestrom machen – bis 2040 sollen dann alle Versicherungsgeschäfte entfallen, die mit Kohle zu tun haben. Damit wolle das Unternehmen seinen Beitrag dazu leisten, dass das Pariser Klimaabkommen sein Ziel erreicht – nämlich die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu halten, wie Allianz- Chef Oliver Bäte erklärte.
„Glücklicherweise werden die Versicherungsunternehmen aus drei Richtungen Stück für Stück dazu gedrängt, sich kritisch mit den eigenen Kapitalanlagen und Nachhaltigkeitskriterien auseinanderzusetzen“, sagt Andreas Maul, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers „grün versichert“.
Kein Trend mehr, sondern eine Notwendigkeit
Und welche Richtungen sind das? „Zuerst sind es die Kunden, die immer informierter sowie kritischer werden und sich in steigender Zahl von Unternehmen abwenden, die sich rücksichtslos verhalten. Hinzu kommen die Bemühungen der Politik, insbesondere der EU, die Finanzbranche, inklusive der Versicherungsbranche, europaweit grüner zu machen. Drittens sind es wichtige institutionelle Anleger, die immer mehr Wert auf Nachhaltigkeitskriterien in der Kapitalanlage setzen – und zumindest die Versicherer in der Rechtsform der Aktiengesellschaft unter Druck setzen, sich nachhaltiger aufzustellen“, so Maul.
Nun kreiseln Buzz-Wörter wie „Nachhaltigkeit“ oder auch „Digitalisierung“ allerdings schon so lange durch die Debatten, dass man sich fragt: Was ist denn diesmal anders als vor fünf Jahren? Einiges. „Mit der politischen Agenda und dem immer größer werdenden öffentlichen Druck, gerade der jungen Generation, darf nicht mehr von einem Trend, sondern von einer Notwendigkeit gesprochen werden“, sagt Experte Reichenberg. „Versicherungen und Berater, die sich auf einen zukunftsfähigen Vertrieb einstellen, haben einen Wettbewerbsvorteil, schon heute.“ Warum ist das so? „Grüne Versicherungsprodukte werden sich etablieren und in ein paar Jahren nicht die Ausnahme, sondern der Standard sein“, prognostiziert Reichenberg. „Es ist zu spüren, dass sich das Kundenverhalten ändert.“ Es werde einen Wettstreit der Nachhaltigkeit geben. „Makler werden zukünftig immer mehr damit konfrontiert sein, nicht das günstigste und beste Versicherungsprodukt zu wählen, sondern auch das nachhaltigste.“
Vermittler und Kunden fragen gezielt nach
Jens Göhner, Leiter Produkt- und Vertriebsmarketing Vorsorge und Investment bei der Stuttgarter Lebensversicherung, bestätigt: „Wir merken, dass Vermittler und Kunden gezielt nach Produkten fragen, die nachhaltige Kriterien berücksichtigen. Besonders häufig kommt das bei Produkten vor, die eine Kapitalanlage beinhalten und für die Altersvorsorge genutzt werden.“ Die Stuttgarter vertreibt bereits seit 2013 eine nachhaltige Altersvorsorge – die „Grüne Rente“. Mit der vertrieblichen Bilanz sei man „sehr zufrieden“, so Göhner. 2018 habe sich gut jeder zehnte Kunde für eine grüne Vorsorgelösung entschieden. Seit 2013 wurden über 10.000 Verträge abgeschlossen, bei einem Beitragsvolumen von 58 Millionen Euro – und dafür bedarf es nun wirklich keiner Entschuldigung.
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