Kolumne

Ich bin versehentlich viral gegangen

Ein Tagesschau.de-Bericht nennt Beratung einen sinnlosen Kostenfaktor. Daniel Feyler widerspricht auf Linkedin und geht unfreiwillig viral: 150.000 Views, über 500 Reaktionen. In seiner Kolumne erklärt er, warum Selbstentscheider anfälliger für Panikverkäufe sind.
Geschäftsmann in Business-Umgebung, professionell und kompetent.
© privat
Daniel Feyler ist Versicherungsfan und Insurtech-Investor, außerdem Experte für Strategie, Digitalisierung und Vertrieb in der Versicherungsbranche.

Im Frühjahr bin ich auf Tagesschau.de über einen Bericht gestolpert, der mal wieder Stimmung gegen die Branche gemacht hat. Tenor: Beratung ist eigentlich nur ein sinnloser Kostenfaktor. Der Bundesbürger ist besser dran, wenn er sich einfach eigenständig um seine Vorsorge kümmert.

Dann hat er am Ende knapp 400.000 Euro mehr auf dem Konto. Das veranlasste mich zu einer kritischen Stellungnahme auf Linkedin. Was folgte: Fast 150.000 Menschen haben den Beitrag gesehen. Über 500 Kommentare, Likes und Reposts. Ich bin viral gegangen. So etwas ist mir tatsächlich noch nie passiert. Das war natürlich eine richtig coole Überraschung.

Was weniger toll war

Neben der pauschalen Verurteilung der Beratungsleistung waren es teilweise auch die Kommentare unter dem Post. Dort haben sich neben Branchengesichtern auch prominente Verbraucherschützer wie Hermann-Josef Tenhagen und Saidi Sulilatu (beide Finanztip) oder auch Thomas Kehl (Finanzfluss) zu Wort gemeldet.

Ein Statement eines Linkedin-Users:  „([…] In Aktien investieren (beispielsweise in ETFs) ist so einfach wie auf Airbnb eine Ferienwohnung zu reservieren oder über picnic den Einkauf zu erledigen. Dasselbe gilt für die meisten Versicherungen, die wirklich sinnvoll sind […]. 95 Prozent der Menschen müssten ein paar wenige Stunden in den Konsum von Artikeln/Videos/Büchern von Finanzfluss oder Finanztip investieren und könnten sich danach problemlos um alles selbst kümmern.“

Zu anstrengend, sich umzuentscheiden

Ich frage mich mit einer ordentlichen Portion Ironie: Vielleicht sollte man nach dieser Logik dann auch einmal mit den IHKen zusammen die Kaufmannsausbildung überdenken. Warum drei Jahre einen Ausbildungsberuf absolvieren, wenn ein paar Stunden Videokonsum diesen ersetzen können. Saidi Sulilatu meinte: „Menschen werden den Sparplan durchhalten, nicht, weil sie so wahnsinnig finanziell gebildet sind oder so Market-Timing-schlau sind. Sondern weil es anstrengend ist, sich umzuentscheiden.“

Meine Erfahrung: Gerade Anleger, die eigenständig am Markt agieren, sind einer größeren Gefahr von Panikverkäufen ausgesetzt. Weil sie sich intensiver mit den Märkten befassen als der typische passive Beratungskunde. Und weil es keinen Berater gibt, der als Psychologe tätig wird und sie von Schnellschüssen abhält. Die Fehlentscheidungen des Menschen untersucht übrigens das Fachgebiet der Behavioral Finance. Dafür gab es auch mal einen Nobelpreis. Es gibt im Übrigen auch Statistiken dazu. Je nach Studie liegen die Renditen von Beratungskunden rund 5 Prozent über denen reiner Selbstentscheider.

Über den Autor

Daniel Feyler ist Versicherungsfan und Insurtech-Investor, außerdem Experte für Strategie, Digitalisierung und Vertrieb in der Versicherungsbranche.

Mehr zum Thema

Zurich verlängert mit DWS und Deutscher Bank

Die Deutsche Bank verlängert ihre Vertriebspartnerschaft mit der Zurich Gruppe Deutschland vorzeitig bis Ende 2042.…

Kindervorsorge: Produktreihenfolge entscheidet über Beratungsqualität

Wer Familien berät, kennt das Bild aus der Bestandsaufnahme. Eine Kinderunfallversicherung von der Bank, eine…

Zehn Menschen, ein Ziel – und weit mehr als 21 Kilometer

Manchmal braucht es nur eine Idee, ein gemeinsames Ziel und ein wenig Mut, etwas Neues…

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert