Ist es okay, wenn private Investoren Geld in Maklerpools stecken? Insbesondere sogenannte Private-Equity-Häuser? Der Maklerverbund Apella aus Neubrandenburg bezieht jetzt in dieser Frage eine eindeutige Position. Denn er beendet die Zusammenarbeit mit Netfonds auf zwei Ebenen. Als Grund dafür verweist er auf genau den Umstand, dass die Netfonds-Gruppe zum großen Teil in der Hand eines Privatinvestors steckt.
Genaugenommen geht es um die Gemeinschafts- und Spezialbereiche der BBVS (Beratungsgesellschaft für betriebliche Versorgungssysteme) und der KVS (Kompetenzzentrum für Krankenversicherung). Dort kappt Apella den Kontakt zu Netfonds.
Im April hatte sich der Investor Warburg Pincus über 80 Prozent der Netfonds-Anteile gesichert (im März waren es noch 53 Prozent). Seitdem will er auch den Rest, um die Aktie von der Börse nehmen zu können. Daraufhin will er Netfonds mit dem Maklerpool Blau Direkt zusammenschließen, denn an dem ist er ebenfalls beteiligt.
Das alles mag Apella offenbar nicht. „Wir machen bei der Unabhängigkeit unserer Partner keine Zugeständnisse“, sagt Apella-Vorstand Guntram Schloß. „Private-Equity-Übernahmen bringen naturgemäß fremde Renditeinteressen, Fremdkapitalbelastungen und mittelfristigen Verkaufsdruck in ein Unternehmen. Als inhabergeführter Maklerverbund stehen wir jedoch uneingeschränkt an der Seite freier Maklerinnen und Makler, die gemäß Paragraf 93 HGB als echte Sachwalter ausschließlich ihren Kunden verpflichtet sind. Eine Verflechtung mit Investoren, die nicht langfristig am Geschäftsmodell interessiert sind, widerspricht unserer Philosophie von Grund auf.“
Starke Worte, zu denen wir Netfonds befragt haben. In der Stellungnahme geht der Pool gar nicht direkt auf die Vorwürfe (zum Beispiel mit dem Verkaufsdruck und den Renditeinteressen) ein oder versucht sie gar zu entkräften. Stattdessen preist er die Vorteile an, die der „Wachstumsinvestor“ mit sich bringen soll. „Die gewonnene Kapitalkraft ermöglicht es uns, als Innovationsmotor der Branche aufzutreten und insbesondere stark in zukunftsweisende Technologie für unsere Beraterinnen und Berater zu investieren“, teilt er mit. Technik schlägt demnach Unabhängigkeit.
Die KVS habe Netfonds am 1. Oktober durch „das technologisch führende KV Werk“ ersetzt, heißt es weiter. Die BBVS bezeichnet es als „lediglich ein Dienstleister“. Man habe die Verbindung eher zum Informationsaustausch genutzt als zur operativen Zusammenarbeit.
Und was heißt es für die Apella-Partner? Laut Maklerverbund soll sich an der Beratungs- und Abwicklungsqualität in den betrieblichen Versorgungssystemen (bVS) und der privaten Krankenversicherung (PKV) nichts ändern. Man wolle die eigenen Fachteams und digitalen Schnittstellen dort weiter ausbauen, um „eine lückenlose, leistungsstarke und vor allem hundertprozentige hersteller- und investorenunabhängige Unterstützung zu garantieren“.
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