Warnung von Fachleuten

Klimawandel macht Immobilienversicherungen unbezahlbar

Eine anonyme Gruppe europäischer Versicherungsexperten warnt, dass sich Klimarisiken dramatisch auf Immobilienversicherungen auswirken werden. Auch eine Finanzkrise schließen sie als Folge nicht aus.
Überschwemmungen, wie hier in der Türkei, sorgen zunehmend für hohe Versicherungsschäden. Das wird nicht mehr lange bezahlbar bleiben, warnen europäische Versicherungsexperten.
© picture alliance / Anadolu | Ibrahim Yozoglu
Überschwemmungen, wie hier in der Türkei, sorgen zunehmend für hohe Versicherungsschäden. Das wird nicht mehr lange bezahlbar bleiben, warnen europäische Versicherungsexperten.

Die Sorge ist groß: Viele Immobilien könnten künftig keinen bezahlbaren oder überhaupt keinen Versicherungsschutz mehr erhalten. Das sei nicht nur eine Herausforderung für Immobilienbesitzer und Investoren, sondern für das gesamte Finanzsystem, warnt eine Gruppe erfahrener Führungskräfte aus der britischen und europäischen Versicherungs- und Rückversicherungsbranche.

„Wir befürchten, dass Regierungen entweder nicht ausreichend informiert sind über das tatsächliche Ausmaß der Klimarisiken oder deren Tragweite unterschätzen. Ohne Gegenmaßnahmen drohen die physischen Risiken sich zu einer erheblichen Gefahr für die Wirtschaft zu entwickeln“, heißt es in ihrem Warnruf, der über das Portal Inside Track verbreitet wird. Hier können Insider bestimmter Branchen in anonymer Form mit ihren Anliegen an die Öffentlichkeit gehen.

Finanzkrise könnte drohen

Die Experten ziehen sogar einen Vergleich zur globalen Finanzkrise, die durch eine Destabilisierung des Hypothekenmarktes ausgelöst wurde: „Wir befürchten, dass eine starke Zunahme unversicherter, besonders gefährdeter Immobilien angesichts der sich verschärfenden Klimafolgen eine ähnliche Entwicklung auslösen könnte.“

Die Experten kritisieren, dass die Entwicklungen auch in den Vorstandsetagen der Versicherer nicht ausreichend Beachtung finden. Vielmehr setze die Branche einfach ihre bisherige Strategie fort, um die eigenen Risiken zu begrenzen.

Drei Schritte, um Risiken zu begrenzen

Diese Strategie bestehe aus drei Schritten:

  1. Zunächst werden die Versicherungsprämien erhöht, wodurch der Versicherungsschutz für viele unbezahlbar wird.
  2. Anschließend werden Leistungen angepasst oder eingeschränkt, etwa indem Waldbrandschäden aus der Gebäudeversicherung ausgeschlossen werden.
  3. Schließlich ziehen sich Versicherer vollständig aus bestimmten Branchen, Regionen und Gemeinden zurück.

Die Expertengruppe beklagt zudem, dass Mitarbeitende zum Teil angehalten werden, künftige Risikoprognosen nach unten zu korrigieren oder die Zahlen kleinzurechnen, um keine Besorgnis auszulösen und weitere Geschäftsabschlüsse nicht zu gefährden. Manche Versicherer arbeiteten auch mit unzureichenden oder veralteten Naturkatastrophenmodellen, heißt es.

Branche soll mehr Verantwortung übernehmen

Der Appell der Experten: Der in weiten Teilen der Branche verbreitete Kultur kollektiver Verdrängung müsse ein Ende gesetzt werden – auch im eigenen Interesse der Branche.

„Durch die Produkte, die wir anbieten, die Branchen, denen wir Vorrang einräumen oder aus denen wir uns zurückziehen, und die Art unserer Kommunikation mit Kundinnen und Kunden, Aufsichtsbehörden und politisch Verantwortlichen könnten wir maßgeblich dazu beitragen, die Risiken für die Gesellschaft und unsere eigene Branche zu verringern“, betonen die Insider in ihrem Warnruf.

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Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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