Verlust nach 14 Jahren

Die schwache reale Rendite der Lebensversicherung

Die klassische Lebensversicherung ist renditetechnisch umstritten – nicht zuletzt seit der ausgeprägten Niedrigzinsphase, die die Erträge drückte. Neues Futter für Kritiker liefert nun eine Studie, die tausend echte Verträge auswertet und dabei auf schwache Ergebnisse stößt.
Politiker im Gespräch vor EU-Flagge, Fokus auf Diskussion und Entscheidungsfindung.
© picture alliance/dpa | Boris Roessler
Der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde im Oktober 2019: Draghi drückte die Renditen am Anleihemarkt zeitweise unter null, was man Lebensversicherungen heute noch anmerkt

Zieht man die Inflation ab, liefern Lebensversicherungen nur selten Gewinne. Das verdeutlicht eine Studie des Analysehauses Snow Analytics mit dem Namen „Lebensversicherungen im Realitätscheck“.

Das bemerkenswerte daran: Snow Analytics wertete 1.000 echte, ausbezahlte Lebensversicherungen von 52 Anbietern aus. Darunter sind klassische Lebensversicherungen, fondsgebundene Lebensversicherungen und Riester-Verträge. Genau zugeordnet sind sie jedoch nicht, was man freilich als Mangel sehen kann. Schließlich funktionieren die Produktkategorien höchst unterschiedlich.

Die durchschnittliche Laufzeit der Verträge beträgt 21,65 Jahre. Damit sind auch Langläufer enthalten – denn 115 Verträge liefen 30 Jahre oder länger. Die meisten Verträge, 382 Stück, liefen jedoch lediglich zwischen 10 und 20 Jahre lang. Das ist bei solchen Verträgen nicht der Plan, doch viele Kunden kündigen nun mal vorzeitig. Auch diese Verträge finden sich in der Studie.

Fast alle Verträge enthalten somit die zinstechnische Saure-Gurken-Zeit mit Anleiherenditen um oder sogar unter null Prozent, die erst 2022 mit einem Knall endete. Der sogenannten Zinswende.

Es geht also um echtes Geld, das wirklich hinein und wieder hinaus floss. Damit sind auch alle Gebühren berücksichtigt. Risikokosten bleiben außen vor. Es geht hier nur um die kapitalbildende Hauptversicherung.

Besonders häufig vertreten sind diese Häuser (Zahl der Verträge in Klammern):

  1. Allianz Lebensversicherung (132)
  2. Generali Deutschland LV (83 Verträge)
  3. Ergo LV (72)
  4. HDI LV (55)
  5. Debeka LV (50)

Folgende Einzelwerte spielen wesentliche Rollen:

  • Höhe der Einzahlungen
  • Höhe der Auszahlungen
  • daraus resultierender absoluter Ertrag
  • Bruttorendite
  • Entwicklung nach relevanten Kosten
  • nominale Nettorendite am Laufzeitende
  • Inflation während der Vertragslaufzeit
  • Kaufkraftverlust am Laufzeitende
  • daraus resultierende reale Nettorendite am Laufzeitende

Dabei betonen die Studienautoren ausdrücklich: Es geht nur um die reinen Zahlen. Daraus gleich rechtliche, steuerliche oder versicherungsmathematische Schlüsse zu ziehen oder gar Rechtsverstöße zu vermuten, ist nicht Sinn der Sache.

Die Ergebnisse dürften allen Skeptikern recht geben. Denn keine der Laufzeitgruppen schaffte es im Schnitt, die Inflation auszugleichen. Die realen Renditen zum Laufzeitende liegen unter null. Hier zunächst die nominalen Erträge:

  • 0 bis 10 Jahre Laufzeit: minus 12,3 Prozent
  • 10 bis 20 Jahre Laufzeit: minus 1,2 Prozent
  • 20 bis 25 Jahre Laufzeit: 12,1 Prozent
  • 25 bis 30 Jahre Laufzeit: 23,6 Prozent
  • 30 Jahre und länger: 32,4 Prozent
  • Durchschnitt: 10,2 Prozent

Zieht man davon die Inflation ab, bleibt ein trostloses Bild:

  • 0 bis 10 Jahre Laufzeit: minus 25,1 Prozent
  • 10 bis 20 Jahre Laufzeit: minus 36,5 Prozent
  • 20 bis 25 Jahre Laufzeit: minus 24,8 Prozent
  • 25 bis 30 Jahre Laufzeit: minus 23,7 Prozent
  • 30 Jahre und länger: minus 31,3 Prozent
  • Durchschnitt: minus 29,8 Prozent

Die durchschnittliche Inflationsrate in dieser Zeit beträgt 1,8893 Prozent im Jahr. Im Mittel wurden 43.543,96 Euro eingezahlt und 46.289,67 Euro ausgezahlt. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher absoluter Bruttoertrag von 2.745,71 Euro. Der wiederum ist die Differenz zwischen Aus- und Einzahlungen. Lediglich 83,6 Prozent der Verträge können einen absoluten Bruttoertrag über null überhaupt vorweisen.

Enorm große Spannen bei den Werten

Doch es sind alles lediglich Durchschnitte. Um einen besseren Eindruck zu bekommen, wie weit das alles auseinanderklafft, folgen nun einige Spannweiten. So reichen die absoluten, eingezahlten Beträge von 2.759 Euro bis 831.159 Euro. Die ausgezahlten Beträge umfassen 3.371 Euro bis 745.000 Euro. Der Bruttoertrag reicht von minus 164.889 Euro bis plus 143.419 Euro.

Der wohl ungünstigste Vertrag enthält ausgerechnet einige Extremwerte. Der Kunde zahlte über laufende Beiträge jene 831.159 Euro ein und erhielt nach knapp 14 Jahren im Oktober 2024 nur 745.000 Euro zurück. Ergibt einen Bruttoverlust von 86.159 Euro. Wie gesagt, reden wir hier über nominale Zahlen, die Inflation ist da noch nicht mit drin.

Eine reale Rendite – also nach Inflation – zum Laufzeitende brachten nur wenige Verträge. Einer davon lief von Mai 2007 bis März 2025, also fast 18 Jahre. Aus rund 75.000 eingezahlten Euro wurden am Ende 140.000 Euro. Macht einen realen Gewinn von 31,75 Prozent.

Wie viel Rückenwind aus der Hochzinsphase und Laufzeit ausmachen, zeigt ein Vertrag, der von März 1995 bis Februar 2025 lief – also 30 Jahre. Aus 36.813 Euro wurden 81.376 Euro. Das macht einen Gewinn nach Inflation von 89,5 Prozent. Aber so etwas ist unter den betrachteten Verträgen die absolute Ausnahme.

Alte Verträge mit alten Tarifen

Am Ende zeigt das alles, wie vielschichtig solche Verträge sind. Laufzeiten sind zu beachten, vor allem im Verhältnis zu Abschluss- und laufenden Gebühren. Absolute Erträge sind das eine. Doch die Inflation und damit den Kaufkraftverlust sollte man nicht vergessen. Außerdem sind es alles durchweg alte Verträge und damit Tarife, die so meistens nicht mehr angeboten werden.

Wörtlich heißt es im Fazit: „Für die praktische Einordnung bedeutet das: Die Frage ‚Hat sich mein Vertrag gelohnt?‘ lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Erst der Blick auf mehrere Kennzahlen gemeinsam – absoluter Ertrag, zeitbezogene Rendite und reale Entwicklung – ergibt ein vollständiges und belastbares Bild.“

Wir haben hier nur einzelne Erkenntnisse wiedergegeben und zusammengefasst. Insgesamt ist die Studie ein Fundus an Zahlen, Rechnungen und Ergebnissen. Außerdem enthält sie die Werte zu jedem einzelnen Vertrag mit ausdrücklich genanntem Anbieter. Sie können sie hier kostenlos herunterladen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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