Die Qualität in der privaten Haftpflichtversicherung nimmt weiter zu – zumindest im unteren Marktsegment. Das zeigt das aktuelle Privathaftpflicht-Rating von Franke und Bornberg. Für den Jahrgang 2026 haben die Hannoveraner Analysten 296 Familientarife und 293 Single-Tarife von insgesamt 87 Versicherern untersucht. Die Bewertungssystematik blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert, sodass beide Jahrgänge direkt vergleichbar sind.
Besonders deutlich fällt der Rückgang am unteren Ende der Notenskala aus: Im Rating-Verfahren Familie erhalten nur noch 10,8 Prozent der Tarife die Note F+ oder schlechter – ein Jahr zuvor waren es noch 15,7 Prozent. Bei den Single-Tarifen sinkt der Anteil schwacher Angebote von 14,3 auf 10,9 Prozent.
Anders sieht es an der Spitze aus. Die Bestnote FFF+ (hervorragend) erreichen im Familien-Rating 17,6 Prozent der Tarife (Vorjahr: 15,8 Prozent), im Single-Rating sind es 17,1 Prozent (Vorjahr: 15,3 Prozent). Der Zuwachs fällt damit spürbar kleiner aus als der Rückgang am unteren Rand – von einer breiten Spitzengruppe kann laut Franke und Bornberg keine Rede sein, da nicht einmal jeder fünfte Tarif die Höchstnote schafft.
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Geprüft werden im Familien-Rating 72 Detailkriterien in 23 Hauptkriterien, im Single-Rating 60 Detailkriterien in 20 Hauptkriterien. Für die oberen Rating-Klassen FF, FF+, FFF und FFF+ gelten zusätzlich Mindeststandards, die verhindern sollen, dass Schwächen bei zentralen Leistungen durch gute Werte in Nebenkriterien kompensiert werden.
Wo mehrstufige Tarifwerke angeboten werden, zeigen vor allem die Basisvarianten laut Rating immer wieder dieselben Schwächen: Forderungsausfalldeckung, Schadenersatzrechtsschutz, Mietsachschäden, Gefälligkeitshandlungen und der Drohnengebrauch gehören dazu. Bei Familientarifen kommt häufig noch der Schutz für deliktunfähige Mitversicherte hinzu.
Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg, verweist besonders auf das Drohnenrisiko: Der private Betrieb sei längst Alltag, in vielen Basistarifen aber „noch nicht ausreichend mitversichert“. Weitere Defizite zeigen sich bei selbstständigen Nebentätigkeiten, Schäden an Sachen von Kollegen oder Arbeitgebern sowie beim Verlust dienstlicher Schlüssel.
Franke-und-Bornberg-Gründer und -Geschäftsführer Michael Franke ordnet die Entwicklung ein: „Die Tarifqualität steigt, aber FFF+ bleibt einer klar begrenzten Spitzengruppe vorbehalten. Ein gutes Rating muss Unterschiede sichtbar machen: gerade dann, wenn sich der Markt insgesamt verbessert.“
Rückenwind erhalte der Markt derzeit von der Nachfrageseite: Der Versichererverband GDV rechnet für die Schaden- und Unfallversicherung 2026 mit einem Beitragswachstum von 5,2 Prozent.
Das Rating bestätigt den Trend der vergangenen Jahre: Die Streuung nach unten wird kleiner, das Risiko einer Fehlauswahl sinkt tendenziell. An der Notwendigkeit eines genauen Blicks auf die Bedingungen ändert das aber nichts – gerade bei Basistarifen lohnt sich die Detailprüfung einzelner Alltagsrisiken wie Drohnennutzung oder Gefälligkeitsschäden weiterhin.
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